ULYSSES___James Joyce (Leserunde) discussion

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4. Kapitel: Kalypso

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message 1: by Geologe (last edited Mar 01, 2013 09:11AM) (new)

Geologe | 47 comments http://www.swr.de/-/id=9643048/hncf0p...

Gilbert-Schema:

Szene- Haus
Stunde - 8.00
Organ - Niere
Kunst - Ökonomie
Symbol - Nymphe
Technik - Erzählung (erwachsen)


message 2: by Nadine (new)

Nadine | 124 comments Nach dem etwas wirren 3. Kapitel wirkt das vierte erfrischend normal, spannend, dass es zur gleichen Zeit wie Kapitel 1 spielt, und aber wie unterschiedlich die Atmosphäre bzw. die Bereitschaft der Protagonisten zur Zubereitung des Frühstücks sind.

Hier wird mir auch zum ersten Mal klar, warum Ulysses als ein detailreiches Abbild von Dublin bezeichnet wird. „Beim Einkaufen mit Bloom“ hatte man schon das Gefühl, die Dubliner Straßen und Geschäfte am Morgen vor Augen zu haben.

Die Beziehung zwischen Bloom und seiner Frau bzw. in wie weit sie tatsächlich etwas mit ihrem Briefe schreibenden Verehrer hat wird sicher noch deutlicher werden, bin schon gespannt, wie es weiter geht.


message 3: by Johanna (new)

Johanna Mir erging es ähnlich wie dir Nadine - ich habe mir Dublin auch recht gut bildlich vorstellen können. Aber nicht nur Dublin... Der Bericht von den Waden der Dame, die vor Bloom im Fleischerladen einkaufte, war sehr aufschlussreich :-)

Ich weiß ja nicht ob in Irland tatsächlich so viele Innereien gegessen werden, aber Blooms Vorliebe dafür ist ja deutlich beschrieben. ich bin bloß froh, dass ich diese Stelle nicht vor oder während des Frühstücks gelesen habe. Das hätte mir meinen Appetit verdorben...


message 4: by Bixby (new)

Bixby | 12 comments Die Damenwaden etc. habe ich auch eben durch - ich bin recht zufrieden in Mr. Blooms Kopf zu hausen, ist ja auch ab und an lustig und nicht so verwirrend - aber sein den Damenhinterherhecheln verwirrt mich schon etwas... bin ich zu kritisch oder geht es anderen auch so?


message 5: by Nadine (new)

Nadine | 124 comments Ich finde es eigentlich total niedlich wie seine Gedankengänge völlig ins Stocken geraten sobald er etwas weibliches entdeckt.


message 6: by Johanna (new)

Johanna Niedlich? Es amüsiert mich durchaus, aber "niedlich" ist eher seine Katze ;-)


message 7: by Nadine (new)

Nadine | 124 comments Joah, irgendwie schon.


message 8: by Nadine (new)

Nadine | 124 comments Habe übrigens das 7. Kapitel beendet und mein demotivierender Kindle behauptet, das waren 75 Seiten bisher :-( es waren eher gefühlte 300!!


message 9: by Johanna (new)

Johanna Nadine wrote: "Joah, irgendwie schon."

Hier fehlt mir der Like Button für deinen Kommentar - :-)


message 10: by Johanna (new)

Johanna Nadine wrote: "Habe übrigens das 7. Kapitel beendet und mein demotivierender Kindle behauptet, das waren 75 Seiten bisher :-( es waren eher gefühlte 300!!"

Ich habe heute erst das vierte Kapitel beendet und mein gebundener Shurkamp sagt mir Seite 94 - der Kindle lügt! ;-)


message 11: by Nadine (last edited Mar 07, 2013 10:30AM) (new)

Nadine | 124 comments Das ahne ich schon lange! Insgesamt faselt er was von 430 Seiten. Das glaube ich ihm auch nicht!


message 12: by Bixby (new)

Bixby | 12 comments Na, dann mal ab in den Hades :-), viel Spaß noch!


message 13: by Alexandra (new)

Alexandra  (awogfli) | 25 comments Also das vierte Kapitel war wirklich strukturierter als Nummer 3. Die Beschreibungen von Dublin finde ich gut, beim detaillierten Toilettengang inkl aller Aktivitäten und Ergebnisse bin ich mir nicht so sicher. Auf jeden Fall habe ich mir gedacht: Würde Joyce heute leben und diese Szene facebooken oder twittern, würd ich wahrscheinlich die Nase rümpfen weil er so ein Nerd ist und nicht von einem der größten Autoren des letzten Jahrhunderts sprechen. Andererseits war er möglicherweise der erste, der sich sowas zu beschreiben traute und das kann man dann wieder Kunst nennen weil es polarisiert und schockiert. Aber meins ist es wirklich nicht


message 14: by Lacrima_Atra (new)

Lacrima_Atra | 21 comments Dieses Kapitel war wirklich erfrischend nach dem anstrengenden dritten. Ich habe mich gefühlt, als würde ich plötzlich aus dem Nebel ins Licht treten oder so ;-)

Dass die Iren gerne Innereien essen kann ich bestätigen. Ich war unlängst in Dublin und war erstaunt, auf jeder Speisekarte Gerichte mit Innereien zu finden. Hab's zu meiner Schande allerdings nicht gekostet...

In Dublin sind übrigens überall in der Stadt so Täfelchen mit James Joyce-Zitaten an den Häuserwände angeschlagen. Damit konnte ich damals natürlich noch nichts anfangen.


message 15: by Johanna (new)

Johanna Lacrima_Atra wrote: "Dieses Kapitel war wirklich erfrischend nach dem anstrengenden dritten. Ich habe mich gefühlt, als würde ich plötzlich aus dem Nebel ins Licht treten oder so ;-)

Dass die Iren gerne Innereien esse..."


Ob es "deine Schande" war die Innereien nicht zu kosten weiß ich nicht - gerade wenn ich daran denke wie meine Mutter früher immer Rinderleber mit Zwiebeln gemacht hat...

Aber danke für die Information. Ich wollte nämlich wissen ob das "Bloom" spezifisch ist oder eher in Irland üblich.


message 16: by Lacrima_Atra (new)

Lacrima_Atra | 21 comments Johanna wrote: "Ob es "deine Schande" war die Innereien nicht zu kosten weiß ich nicht - gerade wenn ich daran denke wie meine Mutter früher immer Rinderleber mit Zwiebeln gemacht hat..."

Naja, ich habe ja noch nie Innereien probiert, von dem her kann ich ja nicht wissen, ob's mir nicht vl schmecken würde. Und irgendwie ist's ja schade, wenn man im Urlaub die regionale Küche so nach dem Motto "Was der Bauer nicht kennt, ..." verschmäht.


message 17: by Johanna (new)

Johanna Lacrima_Atra wrote: "Johanna wrote: "Ob es "deine Schande" war die Innereien nicht zu kosten weiß ich nicht - gerade wenn ich daran denke wie meine Mutter früher immer Rinderleber mit Zwiebeln gemacht hat..."

Naja, ic..."


Das ist richtig. Regionale Küche ist meist empfehlenswert - insbesondere wenn du weiter Richtung Süden reist. Werde gerade hungrig...


message 18: by Katja (new)

Katja (lakatinka) | 24 comments Ich finde dieses Kapitel auch sehr erhellend nach dem 3. Kapitel. Vor allem kann ich den Beschreibungen jetzt folgen und habe das Gefühl zu "verstehen" was da passiert. Die beschriebenen Szenen sind ja mal eine ziemliche Abwechslung zu den Themen in den vorherigen Kapiteln. so eine detaillierte Beschreibung eines Stuhlgangs habe ich auch noch nie gelesen... Mich hat es etwas stutzig gemacht, dass die Frau die ganze Zeit im Bett bleibt und er sich um alles kümmert. Er geht ja nicht nur einkaufen, kocht sondern bedient sie auch und passt zudem noch auf, dass sie ja nicht aufwacht. Waren die Rollen in der Zeit nicht etwas anders verteilt?
Ich kann mir bisher noch gar keine Verbindung zwischen Dedalus und Bloom vorstellen.


sabisteb aka callisto (sabisteb) | 52 comments Alexandra wrote: "beim detaillierten Toilettengang inkl aller Aktivitäten und Ergebnisse bin ich mir nicht so sicher. Auf jeden Fall habe ich mir gedacht: Würde Joyce heute leben und diese Szene facebooken oder twittern, würd ich wahrscheinlich die Nase rümpfen weil er so ein Nerd ist und nicht von einem der größten Autoren des letzten Jahrhunderts sprechen. Andererseits war er möglicherweise der erste, der sich sowas zu beschreiben traute und das kann man dann wieder Kunst nennen weil es polarisiert und schockiert. Aber meins ist es wirklich nicht "
Er bricht in diesem Kapitel Tabus seiner Zeit. Er beschreibt eben alles, was heutzutage nicht schockiert, das gehört heute in Büchern einfach auch dazu. Da wird über Menstruation geredet und eben auch, wie der Stuhlgang ist. Damals redete man auch darüber, aber man schrieb es eben nicht.

Mich hat es etwas stutzig gemacht, dass die Frau die ganze Zeit im Bett bleibt und er sich um alles kümmert. Er geht ja nicht nur einkaufen, kocht sondern bedient sie auch und passt zudem noch auf, dass sie ja nicht aufwacht. Waren die Rollen in der Zeit nicht etwas anders verteilt?
Auch hier bricht der Autor mit den Vorstellungen und Regeln seiner Zeit. Sicherlich gab es auch damals Warmduscher unter den Männern, aber das hat man eben unter den Teppich gekehrt. Allgemein gilt Joyce (vor allem wegen des letzten Kapitels) als echter Frauenversteher.


message 20: by Katja (new)

Katja (lakatinka) | 24 comments Ich hatte gedacht, dass die Rollenverteilung auch etwas anders ist weil die Frau Sängerin (?) ist und die beiden bzw. sie somit eher ein Künstlerleben führen und das stärker von den Konventionen abweicht.


message 21: by sabisteb aka callisto (last edited Mar 11, 2013 12:25PM) (new)

sabisteb aka callisto (sabisteb) | 52 comments SPOILER

Sie war schon immer eher manipulativ (erfährt man erst im letzten Kapitel) und wickelt Männer um den Finger. Solche Frauen gibt es halt. Das Verhätnis der beiden ist schwierig. Er liebt sie noch, er denkt die ganze Zeit an sie, aber irgendwie nicht so, wie an eine wirkliche Ehefrau. Das Verhältnis ist sehr, sehr seltsam, eher wie gute alte Freunde, die zusammen wohnen, nachdem es mit einer Beziehung nicht geklappt hat und weniger wie bei Eheleuten. Eine Art WG. Und da sie es mit Haushaltsführung so gar nicht hat, ist es Selbsterhaltungstrieb, wenn er kocht, zumal es seine Schuld ist, dass die Haushaltshilfe weg ist, das ist sozusagen Wiedergutmachung und Kniefall.


message 22: by Martini (new)

Martini (shakenorstirred) | 40 comments Habe Kapitel 4 eben beendet und es als Wohltat empfunden. Offenbar liegt mir der bodenständige Mr. Bloom eher als der intellektuelle Mr. Dedalus.

Amüsant fand ich den Satz "Wäre ein ganz schönes Geduldsspiel, quer durch Dublin, ohne an einer Kneipe vorbei."
Ich glaube kaum, dass das möglich ist. :-D

Johanna wrote: "...gerade wenn ich daran denke wie meine Mutter früher immer Rinderleber mit Zwiebeln gemacht hat... "

Geht mir ganz genau so! Das war früher mein absolutes Hass-Essen, und in all den Jahren, in denen ich selber koche, sind mir deswegen nicht ein einziges Mal Innereien auf den Herd gekommen.


message 23: by Alexandra (last edited Mar 12, 2013 12:45AM) (new)

Alexandra  (awogfli) | 25 comments @sabisteb ah ja hab ich mir fast gedacht, dass Joyce da einer der ersten war, der dieses Tabu gebrochen hat

@martini @johanna bei uns in der österreichischen Küche gabs und gibts noch immer sehr viele Innereien Hirnpofesen, Leberschöberlsuppe, Leberknödelsuppe Beuschl, Gebackenes Hirn oder Kalbsbries oder Nierndln mit Vogerlsalat.. bei excellenter Zubereitung sind das echte Spezialitäten. Viele würden es gar nicht merken, dass es Innereien sind, wenn man es nicht sagt.


message 24: by Trillian (new)

Trillian | 12 comments Nachdem ich bei Kapitel drei etwas genervt von diesem Buch war, hat mir das Vierte wieder Lust auf mehr gemacht. Es war viel angenehmer zu lesen und durch die Beschreibungen konnte ich das Dublin der damaligen Zeit richtig vor mir sehen. Weniger ausführlich hätten die Ausführungen der WC-Szene sein können :) Wobei mich in diesem Buch andere Begriffe/Erwähnungen mehr stören - ich denke da nur an den Hundekadaver am Strand oder den Inhalt der Tasche der Hebamme aus vorherigen Kapiteln.


message 25: by Geologe (new)

Geologe | 47 comments Tabubruch hin oder her - ohne das Wissen um seine Entleerungsgewohnheiten hätte mir nichts gefehlt und Nieren zum Frühstück gaben mir den Rest.

Seine Holde und Bloom lassen aber hoffen auf Verzwicktes


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