Helmut's Reviews > American Shaolin: Flying Kicks, Buddhist Monks, and the Legend of Iron Crotch: An Odyssey in the New China

American Shaolin by Matthew Polly
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it was amazing
bookshelves: china, favorites

Kämpfen um verteidigen Ehre, nicht um zu verteidigen Titel!

Man kennt das ja aus Film und Fernsehen. Ein Junge wird von allen in der Schule verprügelt und hat nach vielen blauen Flecken eine Idee - er will Kungfu lernen, um es den ganzen Unterdrückern heimzuzahlen. Karate Kid lässt grüßen!

Solche Geschichten erfinden kann jeder, doch Matthew Polly hat sie selbst erlebt, und liefert in diesem Buch einen Bericht über seine Jahre als Kungfu-Schüler im chinesischen Shaolin-Tempel. Man muss den Mut und Durchhaltewillen Pollys wirklich bewundern, denn ganz so einfach, wie er sich das selbst vorgestellt hatte, läuft die Geschichte nicht, denn er hat nicht mit den kulturellen Eigenheiten Chinas gerechnet.

Man kommt beim Lesen kaum aus dem Grinsen heraus, wenn er das rückständige China der frühen 1990er Jahre beschreibt; neben dem allgegenwärtigen Begafftwerden (ein "laowai", ein Ausländer, war damals in der chinesischen Provinz noch eine Sehenswürdigkeit!) und den Sprachproblemen wird nicht gespart mit extrem lebensnahen grausligen Schilderungen über den nicht-vorhandenen Hygiene-Standard der öffentlichen Plumpsklos, lebensverachtende Krankenschwestern und äußerst korruptionsbereiten Kampfkunstschulen-Vorständen. Dabei ist immer ein Augenzwinkern, und man freut sich über jede kulturelle Falle und jedes Fettnäpfchen, in das der zu Beginn so hilflose Polly tappt, um dann aber später auch mit ihm zu fiebern, als er endlich als Kämpfer anerkannt seinen Weg zu gehen beginnt.

Interessant ist die Sichtweise des Autors: Bei allem langsam gewachsenen Verständnis für fremdartige Kultur, bei allem Willen, sich in sie hineinzuversetzen, bleibt er doch fest bei seinen amerikanischen, cocacola-durchtränkten Wurzeln - besonders deutlich, wenn er das chinesische Konzept des "qi" erklärt, und dabei schreibt: "They believe that qi courses through the human body like the Force in Star Wars (...)" (S. 93). George Lucas hat offensichtlich alles richtig gemacht, wenn Henne und Ei so selbstverständlich vertauscht werden.

Das Abacus-Taschenbuch überzeugt mit schöner Aufmachung und angenehmen Schriftbild. Die Schwarzweiß-Fotos im Mittelteil beweisen nicht nur den tatsächlichen Aufenthalt Pollys, sondern lassen auch viele der Personen noch lebendiger werden, als sie es durch Pollys witzige Schreibe eh schon sind.

Ein großartiges, hinreißendes Buch über ein China, das es so nicht mehr gibt, und über eine wirklich beinahe unglaubliche Reise zum Erwachsenwerden, das ich völlig fasziniert in einem Rutsch durchgelesen habe.
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Reading Progress

Started Reading
November 14, 2012 – Finished Reading
February 22, 2013 – Shelved
February 26, 2013 – Shelved as: china
March 12, 2013 – Shelved as: favorites

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