Rosamund's Reviews > Das Millennial-Manifest

Das Millennial-Manifest by Bianca Jankovska
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bookshelves: read-2019, austrian, essays, feminism-sex, in-german

Ich lese Bianca Jankovskas Blog gerne. So hatte ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Die jeweiligen Abschnitte zu Arbeit und Social-Media fand ich zum größten Teil hervorragend. Die Autorin hat sich mit Fragen befasst, die regelmäßig meine Freund/innen und mich beschäftigen. Ich denke es hat Mut gebraucht, über ausbeuterische Arbeitgeber usw. zu schreiben, gerade weil die Autorin selbstständig und daher alleine verantwortlich für ihren Ruf ist.

'Statt uns zu unterstützen, als Frauen und Mädchen, hassen wir einander weiterhin für die kleine Macht, die wir uns nach jahrelanger Arbeit verdient haben. Die Freiheit, die wir uns erkämpft haben, ist in Wahrheit gar keine. Nicht, solange Frauenpower eine rare Ressource des Spätkapitalismus bleibt, die linguistisch und strukturell dafür entworfen wurde, um Frauen in lächerlichen Top-30-Frauen-unter-30-Rankings herumzureichen, bis auch dort kein Stück des Kuchens mehr übrig ist. Ich frage mich, ob Rankings wie diese im Endeffekt nicht genau der neoliberalen Logik folgen, die neofeministische Seiten in ihrem Gleichstellungsbestreben zu kritisieren scheinen.' (S. 136)

Der Dating-Abschnitt hingegen hat meine Erwartungen total unterschritten. Auf ihrem Instagram-Account verrät Jankovska absichtlich zwar wenig über ihr Privatleben, aber wir wissen, dass sie einen festen Freund hat. Trotzdem beschwert sie sich in diesem Buch über die Zustände dieser Tinder-Ära, obwohl sie scheinbar eine glückliche Partnerschaft gefunden hat?
In dieser Hinsicht bekam ich das Gefühl, sie würde über die Liebe ein bisschen aus dem Elfenbeinturm aus schreiben. Klar kannst du über deine vergangenen Erfahrungen schreiben, aber das waren zu viele bloße Beobachtungen und weder genug Lehren noch Vorschläge für den Rest von uns, dem es weiterhin schwerfällt, nebst denselben spätkapitalistischen Belastungen, die Jankovska erlebt, eine/n halbwegs gute/n oder nichtbindungängstliche/n Partner/in zu finden. Hat sie ihren Freund über eine dieser vorgenannten höllischen Apps oder doch im mysteriösen Real-Life kennengelernt? Handelt es sich wirklich darum, zunächst eine Menge Scheiß dulden zu müssen, in der Hoffnung, irgendwann den/die Richtige/n zu treffen? Glaubt sie überhaupt an diese Figur und wie geht man mit dem gesellschaftlichen Druck um, sie zu finden? Und wie haben diese stagnierenden Löhne unsere Beziehungen verändert, z.B. früh zusammenziehen, denn nur so wird die Miete bezahlbar?

Alles in allem stellt es dar, womit unsere Generation kämpft… bin mir aber nicht sicher, dass wir uns durch dieses Buch endlich die Abstempelung "entitled" loswerden.
Ich lese gerne Memoirs und das war dies definitiv nicht. Das Buch befand sich vielmehr in einem seltsamen Mittelgrund: Viele autobiographische Elemente doch auch keine ausgearbeiteten, informativen, sachlichen Essays, sondern nahezu ständiges Meckern mit zu wenig Analyse. Dadurch kam jedes Kapitel etwas rotzig rüber. #relatable ist nicht genug… eine unterhaltsame Lektüre für zwischendurch, aber mir fehlten schließlich eine härtere, anwendbarere Auseinandersetzung mit diesen Themen sowie eine persönliche Verbindung.
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Reading Progress

Finished Reading
February 9, 2019 – Shelved
February 9, 2019 – Shelved as: read-2019
February 9, 2019 – Shelved as: austrian
February 9, 2019 – Shelved as: feminism-sex
February 9, 2019 – Shelved as: essays
February 9, 2019 – Shelved as: in-german

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