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Lichter als der Tag by Mirko Bonné
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bookshelves: my-books-in-2017, deutscher-buchpreis-ll-und-sl, autor

Die Stimmung, die man durch eine bestimmte Lichtsituation bekommt, kenne ich, mir geht es kurz vor heftigen Sommergewittern so. Auf der einen Seite die golden bestrahlten Gebäude und/oder Landschaften, während gleichzeitig der Himmel langsam hinter knallschwarzen Wolken verschwindet. Ich habe oft versucht, diese Stimmung auf Fotos einzufangen, aber tatsächlich bekommt man sowas wohl nur durch eine Malerei hin.

Also, wir haben hier: Raimund, Moritz und Flori, die bereits als Kinder ein Dreiergespann bilden, dass zunächst ergänzt, danach entzweit wird von Inger, eine Waise aus dem Norden Europas. Schnell wird klar, dass Raimund und Inger für einander bestimmt sind, aber auch Moritz verliebt sich in sie, während Flori Moritz favorisiert. Obwohl jedem diese Konstellationen klar sind, werden Raimund und Flori, und Moritz und Inger ein Paar. Flori/Raimund haben zwei Töchter, Inger/Moritz eine.

Bonné setzt an einem beliebigen Zeitpunkt im mittleren Erwachsenenleben von Raimund ein, und schon auf den ersten paar Seiten wird die lähmende Aussichtslosigkeit deutlich, in die sich die Protagonisten verwickelt haben. Die Begegnung von Raimund und Inger, die nach Jahren alte Wunden aufreisst, und zwar bei allen - bis auf Moritz, der im Sterben liegt und im aktuellen Geschehen - zumindest aktiv - keine Rolle mehr spielt. Das Geheimnis, das sich um die Töchter rankt, wird ebenso schnell kar, wie die Tatsache, dass sich Raimund über kurz oder lang zu einer Kurzschlusshandlung hinreissen lässt.

Obwohl Bonné stellenweise poetisch schreibt, war für mich dieses Buch wie die Stimmung vor einem Gewitter: alles ist gelähmt, alles ist festgefahren, alles hält den Atem an, bevor dann der erlösende Sturm losbricht. Dabei war ich von sämtlichen Figuren, die der Autor entwirft genervt: von den vier Freunden generell, weil sie trotz anderer Prioritäten allesamt die falsche Entscheidung bezüglich der Partnerwahl treffen und dann in Leere und Resignation stagnieren. Das Leben ist kein Hollywood-Film, Friede, Freude, Eierkuchen etc. pp., sich aber so dermaßen selbstverschuldet in die Misere manövrieren und sich dann in Selbstgeisselung zu ergehen... Ach. Da hilft auch der dicke unansehnliche Frauenmagnet (ja klar) nicht, der als Freund unterstützend tätig ist, oder die lästige ältere Tochter Raimunds, die ihre Sätze mit völlig sinnfreien Englisch-Brocken durchsetzt. Leider zieht Bonné das gleiche mit der jüngeren Tochter ebenfalls durch, nur dann in Französisch. Inger hat eigentlich nur die Funktion hübsch zu sein und diese Riesenzwist irgendwie zu verursachen, und Flori? Flori war mir von allen Charakteren noch die symphatischste, auch wenn ich sie nicht unbedingt als Mitbewohnerin würde haben wollen. Während alle anderen vor sich hindümpeln, zieht sie ihre Karriere durch und durchläuft eine Entwicklung. Zwar ist diese vor allem durch ihre tyrannische Großmutter und die fordernde Mutter begründet, aber immerhin kann sie auf etwas verweisen. Raimunds Verrat, den sie schon sehr früh mitbekommt, lässt sie im Laufe der Zeit immer mehr Wut ansammeln, die dann wiederrum in ihrem gipfelt.

Und der Schluss? Ein bisschen sehr an den Haaren herbeigezogen und kitschig, aber zumindest hier scheint Bonné aus seiner Lethargie aufzuwachen. Vielleicht hat er sich für seine Geschichte auch den falschen Plot ausgesucht - das Thema "Zwei Personen streiten um eine Dritte und alles geht in die Brüche" wurde halt leider schon gefühlt eine Trillion mal ausgeschlachtet. Und auch wenn 99,9% aller Romane die Liebe und das daraus resultierende Drama zum Thema hat, hätte man mehr aus der Geschichte machen können. So bleiben, zumindest für mich, die Personen nervig in ihrer selbstverschuldeten Dummheit, nervig in ihren gestelzten Dialogen und nervig in ihrer Unfähigkeit, etwas an ihrer Situation zu ändern.

Deshalb eigentlich 2,5 Sterne.
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Reading Progress

August 28, 2017 – Started Reading
August 28, 2017 – Shelved
August 28, 2017 –
page 99
29.46% "Priska Marie. Ernsthaft??"
August 28, 2017 –
page 156
46.43%
August 29, 2017 –
page 303
90.18%
August 31, 2017 –
page 329
97.92%
September 7, 2017 –
page 336
100.0%
September 7, 2017 – Finished Reading
September 11, 2017 – Shelved as: my-books-in-2017
September 11, 2017 – Shelved as: deutscher-buchpreis-ll-und-sl
September 11, 2017 – Shelved as: autor

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