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Tagebücher 1982-2001

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Ein Buch wie dieses hat es noch nicht gegeben. Von Augstein bis Marion Dönhoff, von Grass bis Enzensberger, von Hochhuth bis Kempowski zeigt es die deutschen Intellektuellen, ja überhaupt die ganze bundesrepublikanische Gesellschaft, wie sie so hellsichtig nie beschrieben worden ist: wahrgenommen mit dem Sensorium eines Hochempfindsamen, subjektiv und zutreffend, anteilnehmend, scharfzüngig. Das Buch, das von der Kritik immer erhofft, von den Schriftstellern aber nie geschrieben worden ist – der große Gesellschaftsroman der Bundesrepublik, das balzacsche Porträt unserer Zeit –, hier ist es.

944 pages, Hardcover

First published September 17, 2010

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About the author

Fritz J. Raddatz

103 books2 followers
Fritz Joachim Raddatz was a German feuilletonist, essayist, biographer and romancier.
Aged 20 he started to write for Berliner Zeitung. From 1953 to 1958 he led the foreign department of the publishing house Volk und Welt in East Berlin. Because Raddatz had ongoing conflicts with East German authorities he moved back to West Germany in 1958.

In 1960 he became chief editor and deputy publishing manager of Rowohlt Verlag. He held hese positions until 1969, when he had to step down due to the "balloon affair". From 1976 until 1985 he was leading the feuilleton of Die Zeit.

Raddatz was one of the most influential literary critics in the field of German literature. He also published his diaries as well as many essays, novels and biographies.

Raddatz lived openly as a bisexual. In Hamburg he lived for more than 30 years with his partner Gerd.

In September 2014 Raddatz announced his retirement from active writing.

Raddatz, who was an advocate of Euthanasia, committed suicide at the age of 83 on 26 February 2015 in Zurich. He never wanted to become a nursing case. In full possession of his powers he decided: "That's it, it's enough."

He was chairman of the Kurt Tucholsky Foundation and a member of PEN-Zentrum Germany and the Freie Akademie der Künste Hamburg.

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Hendrik.
440 reviews116 followers
June 26, 2024
Der 2014 verstorbene Frank Schirrmacher erhob Fritz J. Raddatz gar zum neuen Balzac. Dieser hätte mit seinen Tagebüchern den großen Gesellschaftsroman der Bundesrepublik, wenn nicht gar das Porträt unserer Zeit geschrieben. Ein überschwängliches Lob aus dem Mund des stets in Superlativen denkenden FAZ-Zampanos, wer möchte da noch widersprechen. Der Verlag jedenfalls nicht, hat er es doch gleich mit auf den Umschlag gedruckt. Mein Fazit zu den, fast 1000 Seiten umfassenden, Erinnerungen des Publizisten, Literaturkritikers und ehemaligen Feuilletonchefs der ZEIT, fällt dagegen ein wenig gemischter aus. Zweifellos bieten die Aufzeichnungen aus den Jahren 1982-2001 interessante Einblicke hinter die Kulissen des Kulturbetriebs. Kaum ein Prominenter aus Politik, Medien oder Kunst, der nicht im äußerst umfangreichen Personenregister zu finden wäre. F.J.R. kannte oder traf sie fast alle. Und seine Kommentare präsentieren häufig ein Bild von ihnen, das dem allgemein bekannten widerspricht und nicht immer schmeichelhaft ist.

Ich möchte nicht leugnen, dass mein Genuss an diesem Buch hauptsächlich auf dieser Schlüssellochsicht beruhte. Das voyeuristische Interesse der Leser wird voll und ganz befriedigt. Doch trägt das nicht unbedingt über die gesamte Buchlänge. So gibt es einzelne Themen, die über die Jahre derart wiederholt auftreten, dass es irgendwann langweilig wird. Ich weiß gar nicht mehr wie viele Varianten vom ”Abendessen mit Günter Grass und Paul Wunderlich” vorkamen. Desgleichen die Klagen von F.J.R. über die Verkommenheit des Kulturbetriebs, sowie über die Rücksichtslosigkeit bzw. Undankbarkeit seiner Freunde und Bekannten. (Während er erlesenen Champagner serviert, kann er im Gegenzug schon froh sein, wenn er ein Glas Wasser bekommt.) Daran zeigt sich ein Grundzug seines Charakters, stets auf einem schmalen Grat zwischen hoher Sensibilität und empfindlicher Gereiztheit balancierend. Man kann in ihm einen Ästheten sehen, der an der Hässlichkeit der Welt leidet. Aus dieser Spannung entstehen zuweilen amüsante Szenen. Zum Beispiel wenn er jedes Jahr in ein typisches Touristenhotel auf den Kanarischen Inseln fährt, um dann jedes Mal wieder die Garderobe und Manieren der Pauschaltouristen zu beklagen. Manchmal ging mir sein Snobismus aber auch gehörig auf die Nerven. Was im Wesentlichen der Grund war, weshalb ich ein halbes Jahr für das Buch gebraucht habe. Am Stück wäre mir die geballte Larmoyanz einfach zu viel gewesen.

Dabei verfügte F.J.R. unbestritten über eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe, insbesondere sich selbst gegenüber. Er schreibt sehr berührend über die Höhen und Tiefen seines Lebens. Besonders das Altern, mit den unvermeidlichen Begleiterscheinungen Krankheit und Tod, hat ihn zunehmend beschäftigt. Der Verlust von alten Weggefährten, schmerzlich zu Bewusstsein gebracht an den Namen, die er einen nach dem anderen aus seinem Adressbuch streichen muss. Nicht weniger Raum nimmt das Thema des beruflichen Bedeutungsverlusts ein. Das Lebenswerk ist zu großen Teilen vollbracht und es stellt sich die Frage, was bleibt davon. Seine Gedanken dazu sind nicht frei von Eitelkeit, was ihn mit den von ihm Porträtierten verbindet. Denn das Haifischbecken des Kultur- und Medienzirkus ist in erster Linie ein Kampf um Anerkennung und Aufmerksamkeit, auch wenn keiner der großen Künstler das freiwillig eingestehen würde. So gesehen liegt der Vergleich mit der balzac’schen Welt tatsächlich nah, die in ähnlicher Weise eine Darstellung menschlicher Schwächen ist. Ob die Tagebücher die Zeit überdauern und in hundert Jahren noch Leser finden werden, ist im Gegensatz zu Balzacs Œu­v­re allerdings mehr als ungewiss. Ganz passabel unterhalten hat mich Raddatz’ Klatsch und Tratsch trotzdem.
Profile Image for Martin.
101 reviews42 followers
December 29, 2012
Fritz J. Raddatz - wieso hab ich ihn nicht schon früher entdeckt? Sein Tagebuch fasziniert, wenn man selbst literaturinteressiert ist, denn bekannte Größen wie Grass, Enzensberger, Hochhuth, Seghers usw. werden amüsant eingeflochten, ebenso sein Leben reflektiert. Es macht einfach Spaß, diesem außergewöhnlich Sprachbegabten, teils eigensinnigen, manchmal hochnäsigen, und häufig nur allzu menschlichen Raddatz zu genießen. Chapeau!
Profile Image for Ritja.
621 reviews
January 25, 2013
Wie fange ich an?
Man sollte Fritz Raddatz und die deutsche Literatur ein wenig kennen, sonst fühlt man sich wohl bald verloren zwischen den Damen und Herren der Literatur, des Journalismus und der Verlagshäuser. Raddatz schafft mit seinen Tagebüchern einen unglaublich interessanten und spannenden Einblick in die Welt der Literatur und der Verlage. Viele bekannte Namen tauchen in seinem Leben auf und er zeigt recht schonungslos deren wahres Gesicht. Hart und präzise geht er dabei vor. Die kleinen und großen Intrigen werden aufgezeigt, die manchmal hochgelobten Autoren bekommen durch ihn eine menschlichere Seite und wirken dadurch nicht mehr allzu distanziert und entfernt. Viele Macken und Eigenarten einiger Autoren z.B. Grass, Gaus, Brasch und Kempowski schreibt er nieder...manchmal regt er sich auf und manchmal sorgt er sich, um seine guten Freunde. Oft wirkt er unsicher und mit sich hadernd, wenn er wieder über Macht, Geld, Liebe und Tod nachdenkt. Seine große Liebe hat er verloren und selbst nach Jahren bedrückt ihn das Geschehene. Er macht sich Gedanken über die Entwicklung, über die Auswirkungen des Mauerfalls (denn er ist ein DDR-Ausreisender) und was mit ihm passiert, wenn er mal nicht mehr schreiben kann oder keiner ihn mehr lesen will. Immer kämpft um seine Anerkennung und den Respekt für seine Arbeit.
Das Buch war für mich sehr interessant und durch Herrn Raddatz habe ich so manches jetzt besser verstanden (in selten steht es in dieser ehrlichen und direkten Form in der Zeitung).

Wer sich nicht vor den vielen Seiten scheut, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Eine bisher (für mich) unbekannte und spannende Sicht auf die Literatur- und Verlagswelt.
Profile Image for jacks_eye.
24 reviews
June 24, 2014
Das vorliegende Buch habe ich nach wenigen Kapiteln wieder weggelegt, ich kann die hingerissenen Rezensionen nicht nachvollziehen. Für mich hat Raddatz hier ein relativ langweiliges, belangloses, um-sich-selbst-kreisendes, aus Fragmenten bestehendes Versatzstück verfasst. Leider keine Kicks.

Was mich wundert: Normalerweise liebe ich langsame, beobachtende und ohne viel Handlung dahinplätschernde Literatur! Möglicherweise gewinnt das Buch in späteren Kapiteln ja noch an Höhepunkten - ich hoffe es - allerdings war ich nicht bereit, weiter Aufmerksamkeit zu investieren.
49 reviews1 follower
March 30, 2014
Süffiger Klatsch. Gewiss keine Literatur, sondern Das Goldene Blatt für die gebildeten Stände (oder die, die es sein wollen,egal, ich mag den Altmännerklatsch, obwohl ich literarisch nur durchschnittlich gebildet bin). Literarisch so belanglos wie der Rest von R.'s Produktion. (Aber jemand , der diesen Wunderlich mag, hat eh Qualitätsprobleme in der Kunst.) Doch immerhin, R. Hat den Hippster-Bart erfunden.
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