Speschas Geschichten haben es in sich. Sie beginnen harmlos, doch stilsicher ironisch und mit hintergründigem Humor entlarvt Spescha die Hilfskonstruktionen des täglichen Lebens. Die Geschichten von Flurin Spescha beginnen harmlos: Eine Zuckerdose, die ihren Deckel verliert, ein Vater, der mit seinem Sohn ins Kino geht oder ein Paar, das beschließt, vorläufig zu schweigen. Immer ist es ein vertrauter Grund, von dem aus Spescha seine Erzählungen zu spinnen beginnt. Ahnungslos lassen wir uns darauf ein, bis wir merken, daß wir ihm ins Netz gegangen sind. Mit einer zupackenden Sprache und einem betörenden Sinn für Stimmungen gelingt es dem Autor, uns in eine Welt zu entführen, die uns, bis zum süßen oder bitteren Ende, gefangennimmt. Stilsicher und mit einem perfekten Timing entlarvt er die Hilfskonstruktionen des täglichen Lebens und fördert aus den trüben Gewässern der liebgewonnenen Gewohnheiten und sozialen Mechanismen Verblüffendes und Irritierendes zutage. Durch alle Geschichten hindurch erweist sich Flurin Spescha als Meister der Ironie.
Spescha besuchte die Bündner Kantonsschule in Chur. Danach lebte er einige Jahre in den Vereinigten Staaten und Kanada. Zwischen 1979 und 1985 studierte er Romanistik und Literaturkritik an der Universität Zürich, anschließend arbeitete er als freischaffender Journalist, Schriftsteller und Übersetzer.
Spescha engagierte sich für die Einheitssprache Rumantsch Grischun. 1990 war er Mitbegründer der rätoromanischen Literaturtage „Dis da litteratura a Domat“. Zwischen 1991 und 1995 war er Präsident des rätoromanischen Schriftstellerverbandes „Uniun da scripturas e scripturs rumantschs“. 1993 erschien sein Werk Fieu e flomma (Feuer und Flamme). Es war der erste Roman in Rumantsch Grischun überhaupt. Von 1994 bis 1999 war er Öffentlichkeitsbeauftragter des Zürcher Stadtpräsidenten.