"Downsizing", "Outsourcing", "Shareholder Value" -- mit diesem Neu-Deutsch versuchen uns Manager das zu verkaufen, was sie in den letzten Jahren mit der deutschen Wirtschaft angestellt haben. Doch übersetzt man die schönfärberischen Begriffe, so stehen dahinter Massenentlassungen, Auslagerungen von Betriebsteilen und das ausschließliche Interesse am Aktiengewinn. Der Wirtschaftsjournalist Günter Ogger ging bereits in seinem 1992 erschienenen Buch Nieten in Nadelstreifen hart mit der Führungsriege der deutschen Wirtschaft ins Gericht. Diese Fortsetzung seines Erfolgsbandes belegt, daß auch die neue Managergeneration keinen Deut besser ist als ihre Vorgänger. In den vergangenen sieben Jahren sind zwar nahezu alle Führungsetagen mit -- so Ogger -- "Aufräumern und Sanierern" neu besetzt worden, doch immer noch dominieren Inkompetenz und Selbstherrlichkeit. Von Ehrgeiz getrieben und unfähig zur Selbstkritik orientieren sich die Wirtschaftsbosse bei ihren kurzsichtigen Entscheidungen heutzutage ausschließlich an der Wertsteigerung der Aktien -- Arbeitnehmerinteressen spielen keine Rolle mehr. Dabei verspielen sie mit ihrer Fixierung auf betriebswirtschaftliche Zahlen wichtige deutsche Den Zusammenhalt sowie die Qualität der Arbeitnehmer. Diese haben sich angesichts "famoser" Managerleistungen längst ins innere Exil verabschiedet, während die entlassenen Kollegen den Sozialstaat belasten. Ogger belegt, daß nicht die Globalisierung Ursache dieses folgenschweren Führungsstils ist, sondern die Unfähigkeit des Managements. Und die wird auch noch fürstlich Unternehmensführer verdienen bis zum 60fachen eines durchschnittlichen Arbeitnehmers! Seinem Ansatz folgend konzentriert Ogger sich auf die negativen Seiten deutschen Managements, die er in flotter und verständlicher Form präsentiert. Sicherlich existieren auch (wenige) positive Beispiele, aber generell muß man angesichts der Entwicklung in Deutschland leider Oggers Sichtweise zustimmen. Unsere Manager sind beileibe kein Ruhmesblatt für die deutsche Wirtschaft, eher eine Bedrohung. --Joachim Hohwieler
Günter Ogger hat hier wunderbar polemisiert und die Wirtschaftselite an den Pranger gestellt. Man muss Günter Oggers Schreibstil mögen, da er häufig populistisch pauschalisiert und hierdurch auch natürlich provoziert. Jedoch finden sich viele Ansatzpunkte, die ich aus eigener, jahrzehntelanger Erfahrung in der Wirtschaft nur bestätigen kann und die durchaus berechtigt sind. Wer glaubt, mit diesem Buch ein reines wissenschaftliches Werk zu finden, das ausschließlich auf knallharten Fakten basiert, sollte das Buch besser nicht lesen. Dieses ist vielmehr sehr unterhaltsam und gibt ein Gefühl dafür, was in Deutschland bei der Wirtschaft alles schief läuft und wie die Wirtschaft untransparent zum reinen Eigennutz arbeitet. Man bekommt ein Gefühl für die kriminellen Machenschaften.