Monika Mann, Tochter von Thomas Mann, stand immer im Schatten ihrer schillernden Geschwister und galt als fauler, untalentierter Sonderling, traumatisiert von einem schweren Schiffsunglück im Zweiten Weltkrieg. Haltlos irrte sie durch ihr Leben, bis sie in den 50ern den Sehnsuchtsort Capri für sich entdeckte – dort erfuhr sie in der innigen Beziehung zu Antonio Spadaro, Sohn einer Fischerfamilie, die Geborgenheit, die ihr die Familie zeitlebens verwehrte. Gestützt auf bislang unveröffentlichte Briefe, erzählt Kerstin Holzer erstmals von Monika Manns wohl glücklichsten Jahren, von der Selbstfindung einer Missachteten, ihrer Anerkennung als Feuilletonistin, vom großen Mutter-Tochter-Drama und der heilenden Kraft der Liebe.
Die Familie Mann, rund um die beiden Schriftsteller-Brüder Thomas und Heinrich, dürfte wohl Euch allen hier bekannt sein. Dass diese Familie nicht gerade herzlich und warm war, ist vielleicht auch kein großes Geheimnis mehr. Wie dysfunktional die Familie daherkommt hat mich dann aber doch geschockt. Katia und Thomas Mann bezeichnen ihre mittlere Tochter Monika nicht nur als faul, unbegabt und nichtig, die Mutter hetzt auch noch die Geschwister gegen sie auf. Als scheinbar weiblichstes der „Mann Kinder“ hatte sie keine Chance von den „male chauvinists“ Anerkennung, geschweige denn Liebe zu bekommen. Als sie ihren Mann, nach nur einem Jahr Ehe, auf der Flucht vor den Bomben Londons im zweiten Weltkrieg, verliert, weil das Schiff tödlich getroffen untergeht, und sie 20 Stunden im Meer um ihr Leben kämpft, wird sie von ihrer Familie als das unglückliche „Mönle“ eher spöttisch mitleidig als fürsorglich aufgenommen. Kerstin Holzer braucht nicht viele Seiten um das Leben des 4. von 6 Kindern der „ amazing family“, wie sie sich selbst bezeichnen, zu skizzieren. Sie schafft es, auf knapp 200 Seiten, das Leben eines vergessenen Kindes darzustellen, welches ein Leben lang auf der Suche nach seinem Platz ist und ihn dann auf einer der schönsten Inseln des Mittelmeeres gefunden hat. Capri wird für Monika Mann zum Ankerpunkt. Hier lernt sie Antonio kennen, der ihr 31 Jahre lang Halt und ein zu Hause gibt. Von der „Villa Monacone“ hat Monika täglich einen Blick auf das Element, welches ihr ein Trauma beschert. Wie hält sie das nur aus? Die Liebe von Monika und Antonio ist so selbstverständlich wie unkonventionell für die damalige Zeit. Das hat mich sehr berührt. „Du bist ein kleiner Schmetterling und musst frei fliegen.“ erkennt Toni. Und beide geben sich das, was sie brauchen. Das Ende des Buches rührt zu Tränen. Der Umgang der Familie Mann mit Monika hat mich hingegen sehr wütend gemacht. Niemand ist in dieser Familie glücklich und daraus scheinen die Mitglieder Kraft zu schöpfen. Mutter und Vater sind mit sich selbst beschäftigt, die Kinder höchstens Projektionsfläche für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Kälte, Arroganz und energiefressender Ehrgeiz prägen die Kinder. Wie wir wissen, endet das für die meisten nicht gut. Kerstin Holzer erzählt im Wechsel -chronologisch sowie über Monikas Zeit auf Capri. Da ich diese wunderschöne Insel sehr gut kenne, war es für mich eine besondere Freude Frau Mann auf ihren Streifzügen über die Insel zu begleiten. Monascella ist eine Biografie, die ich jedem ans Herz legen kann. Ihr erfahrt hier mehr als in manchem dicken Wälzer über Thomas Mann. Aber seid gewarnt: Der „Zauberer“ wird entzaubert.
Also Biographie ist für mich Luft nach oben. Die Autorin springt in der Zeit zu sehr hin und her und wiederholt sich sehr oft. Als Lebensgeschichte hat es mir sehr gefallen. Es gibt einen Einblick in die Dynamiken einer interessanten Familie und zeigt die Bürde auf nicht in diese hineinzupassen. Die immer universelle Geschichte des ungeliebten Kindes ist unglaublich und erschütternd zugleich. Lässt die Familie Mann nicht unbedingt sympathisch dastehen.
Irgendwo zwischen Wohlstandsverwahrlosung und einem ganz normalen Mädchen, das einfach nicht von ihrer Familie geliebt wurde. Hat mir ein bisschen Herzschmerz und ganz viel Lust, mal wieder nach Capri zu fahren, gemacht (mit Abstecher bei Aura auf Ischia lol, iykyk). Leider etwas sprunghaft und repetitiv erzählt, insgesamt aber ganz schön. 3,5 Sterne
Abgesehen vom Schauplatz Capri und den schnell erzählten aber berührenden Beziehungsgeschichten der Protagonistin fehlt es an Inhalten. Hier wurde Stoff für einen interessanten Artikel zu einem langatmigen Buch aufgeblasen.
Diese Biografie der mittleren Mann-Schwester war eine Empfehlung der lieben Frau Dunis Lesefutter und ich fand's hochinteressant! Ich wusste vor der Lektüre überhaupt nichts über Monika Mann - sie kommt in den großen Mann-Biographien - wenn überhaupt- nur am Rande vor und war offensichtlich so ein bissle das schwarze Schaf der Familie, weil sie eben nicht künstlerisch hochbegabt war wie ihre Geschwister.
Sowohl die Mutter als auch der Vater, die Geschwister sowieso - keiner kann Moni so richtig leiden. Sie läuft so mit, wird als Teenager auf Internate verschickt und dann möglichst zu Verwandten und Bekannten abgeschoben, weil niemand in der Familie so recht was mit ihr anfangen kann.
Als junge Frau hat sie dann ein traumatisches Erlebnis, und obwohl die Familie Mann durchaus aufgeschlossen für psychologische Unterstützung war - so richtig um sie kümmern tut sich danach niemand. In fortgeschrittenem Alter findet sie dann auf Capri ein Zuhause und auch einen Lebensgefährten, der sie unterstützt.
Ich habe diese Biografie sehr gern gelesen, auch wenn die Sprache manchmal etwas gewöhnungsbedürftig war - kurze, was telegrafische Sätze. Insgesamt aber interessant, es gibt 4 von 5 Sternen.
Die erschreckende und erschütternde Lebensgeschichte der mittleren Tochter Thomas und Katia Manns bewegt vor allem durch die Darstellung des dysfunktionalen Nicht-Verhältnisses zwischen Tochter und Mutter. Auch die Beziehung zu Schwester Erika trägt grotesk tragische Züge. Ist der ambivalente Charakter Monika Manns Ursache oder Folge der innerfamiliären Dramen? Der Autorin gelingt ein einfühlsames Portrait der ungeliebten Tochter, die im Leben der unbarmherzigen Eltern zumindest gefühlsmäßig so gut wie "nicht vorkommt".