Ein vierzehntägiger Ausflug führte den Berliner Musikverleger J.C.F. Rellstab im Sommer 1795 nach Oranienburg, Neustrelitz, Greifswald, Stralsund, Stettin und auf die Insel Rügen.
Über seine "Ausflucht" schrieb er eine der anziehendsten und amüsantesten Reisebeschreibungen der Zeit.
Während meiner "Ausflucht" auf Rügen suchte ich wie gewohnt eine Buchhandlung auf, um nach maritimen Themen zu stöbern. Meine Freude war groß einen Reisebericht aus dem 18. Jahrhundert zu finden. Von außen wirkt das Büchlein bereits apart, zumal eine Zeichnung vom ehemaligen Schloss in Putbus das Cover ziert. Auch von innen weiß es zu überzeugen. Zwar merkt man als Leser schnell, dass Herrn Rellstabs Absicht niemals gewesen sein kann, ein tiefgründiges Buch über die Insel zu schreiben. Dafür war er zu kurz und zu zufällig dort. Dennoch genoss ich die antiquierte Sprache mit faszinierender Rechtschreibung. Amüsant fand ich stets, wenn er die modernen Häuser in Stralsund und anderorts beschreibt und einschätzt, während sie für unsereins heute bemerkenswerte Zeugen historischer Architektur sind. Wer sich einen Reisebericht mit geographischen und historischen Fakten verspricht, wird enttäuscht sein. Vielmehr begeben wir uns mit Herrn Rellstab in die Kutsche auf sandigen und unebnen Böden, die er zu gerne beschreibt. Ferner fällt er allerorts sein Urteil über die Kosten und Qualität seiner Unterkunft. Eine faszinierende kurzweilige Zeitreise zurück ins 18. Jahrhundert.