Die faszinierende Kulturgeschichte der gescheiterten Kunstwerke in einer prachtvoll gestalteten Ausgabe
Weshalb gibt es von Stanley Kubricks monumentalem Filmvorhaben zu Napoleon nur ein Drehbuch? Warum hört Stockhausens Werkzyklus mit dem seltsamen Titel KLANG bei der 21. Stunde auf? Und wieso schaffte es David Foster Wallace nicht, seinen Roman »Der bleiche König« zu vollenden? Die Liste der gescheiterten Kunstwerke der Kulturgeschichte ist lang und spektakulär. Und die Gründe für das Scheitern sind so unterschiedlich wie die einzelnen Projekte: Mal war es der Größenwahn des Künstlers, ein anderes Mal fehlte plötzlich das Geld, nicht selten kam ein früher Tod dazwischen. Der Schriftsteller Thomas von Steinaecker erzählt in seinem Buch die außergewöhnlichsten Geschichten hinter dem Scheitern und zeigt, wie einflussreich Ideen sein können, die nur in unserer Fantasie existieren.
Thomas von Steinaecker was born in Germany in 1977. A novelist and journalist, he has also written extensively for radio and is the creator of several documentaries, including Richard Strauss and His Heroines. Two of his novels, Wallner beginnt zu Fliegen (2007) and Die Verteidigung des Paradieses (2016), have been nominated for the German Book Prize.
Kunstwerke, die nicht beendet worden sind, stehen im Mittelpunkt dieses Buches. Die Bezeichnung "gescheitert" im Untertitel ist irreführend.
Niemand würde sicherlich "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Marcel Proust als gescheitert bezeichnen. Aber im Buch erfährt man von den letzten drei Bänden des siebenbändigen Werkes. Diese wurden nach dem Tod Prousts veröffentlicht. Sie wurden entsprechend auch nicht von ihm nachbearbeitet. Für diese Nachbearbeitungen war Proust legendär.
Diese und viele weitere, weniger bekannte Kulturgeschichten werden in einer gut lesbaren, nüchternen Sprache beschrieben.
Die Texte sind in die Abschnitte "Utopien", "Tod", "Grössenwahn" und "Der Zufall möglicherweise" unterteilt. Ein bisschen willkürlich ist diese Einteilung schon. Fast alle Texte könnten komplett unabhängig für sich stehen. Es ist weniger ein Buch zum sequentiellem Durchlesen (wie ich es getan habe), sondern eher zum Blättern und Stöbern. Die Papierversion ist hier deutlich empfehlenswerter als die von mir gelesene eBook-Variante.
Um die Vielfalt der Kunst zu illustrieren hier noch einige Beispiele aus dem umfangreichen Buch: Michelangelo, Stockhausen, Musil, Mozart, Hölderlin, Herrndorf, Bachmann, Klimt, Kubrick, Fontane, Bruce Lee. Und das ist wirklich nur ein kleiner Ausschnitt.
Wer sich für Kunst interessiert, wird mit dieser etwas anderen Kulturgeschichte viel Freude haben.