Verschwundene Rucksacktouristen in Australien? Dies ist so alltäglich, dass sich die Polizei vor Ort nur halbherzig darum kümmert – solange keine Leiche auftaucht. Den trauernden Angehörigen bleibt nur Bangen und Hoffen, dass dieser Tag niemals kommt. Aber manche geben nicht auf, setzen Himmel und Hölle in Bewegung, um ihre Kinder wieder zu finden. Manche sind verzweifelt genug, sich an Pete O’Brannon zu wenden, den Privatdetektiv für Fälle, die es nicht geben darf. Über die er bis an sein Lebensende schweigen muss. Die offiziell nie existierten. Gegen jede Vernunft nimmt er den Job an – und findet sich rasch in einer menschenverschlingenden Hölle wieder, in der jeder falsche Schritt sein Ende bedeuten kann. Nur wenig Verbündete, aber mächtige Feinde lauern in der für ihn ungewohnten, bizarren Umgebung des sechsten Kontinents.
Und warum scheint eine heiße Spur in das sagenumwobene asiatische Reich Shangri-La zu führen? Wie kann man an einem Ort ermitteln, der angeblich gar nicht existiert? Mit Charme, Schnauze und – wenn nötig – gnadenloser Härte. Denn wenn Pete sich erst einmal in einen Fall verbissen hat, wird dieser gelöst, gegen jeden Widerstand, ohne Rücksicht auf Verluste. Blut wird fließen. Knochen werden brechen. Die Wahrheit kommt ans Licht.
"Shangri-La" ist der erste Mystery Thriller von SF-Bestsellerautor Ivan Ertlov und in seiner Wahlheimat Australien angesiedelt. Basierend auf dem Indie-Videospiel-Überraschungserfolg "Into the Dark" (Gamestar Community Liebling 2014) führt es dessen Protagonisten Pete O'Brannon sowie Leserinnen und Leser auf den Roten Kontinent. Dort warten düstere Geheimnisse und Verstrickungen, die das vermeintliche Urlaubsparadies in eine Hölle auf Erden verwandeln. Zynisch, packend, aufwendig recherchiert und an Originalschauplätzen geschrieben - ein besonderes Lesevergnügen für Mystery Fans.
Dieses Buch ist in sich abgeschlossen und erfordert keine Vorkenntnisse aus den Spielen oder anderen Büchern des Autors.
Wie ich finde: Ivans autobiographischstes Buch. Was natürlich daran liegt, das es zum größten Teil in seiner Wahlheimat Australien spielt und daher in einem realen Umfeld, während viele seiner Geschichten ansonsten in weiter Ferne (also zeitlich, nicht geographisch gesehen) spielen. Aber auch der Hauptprotagonist Pete, bekannt aus PC-Spiel-Geheimtipp "Into the Dark", ähnelt mit vielen seiner Eigenschaften dem Bestseller-Autor Ivan Ertlov. Doch das kennen wir auch aus den anderen Reihen und macht ihn ja auch so sympathisch.
Die Geschichte selbst hat mich nicht geschockt. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt. Das Thema war mir so nicht bekannt, aber da man stets vom Schlechten in der Welt ausgehen muss, wundert es einen leider nicht, dass da ganz viel Wahrheit dahinter steckt. Wie gewohnt fand ich es durchweg spannend, das Pacing hat wie immer gepasst. Man hat auch deutlich gespürt, wie nah ihm das Thema "Aborigines" liegt und wie er dessen Erbe ehrt. Das alles verpackt in einen übernatürlichen Thriller, so dass es nicht als Lehrstunde und persönliches Statement rüberkam, war wie immer sehr intelligent gelöst.
Für mich gab es in dem Sinne drei Twists (Mary, Shangri-La, Großer Drache) und mit keinem hatte ich gerechnet.
Lieblingskapitel war Nummer 7. Ohne zu viel zu verraten, denn es betrifft Pete, aber: Down, down, down he goes. Ich würde mich über einen Nachfolger freuen. Vielleicht mit mehr "Detektivarbeit"? Einem Wiedersehen mit Sam? Mit mehr Kontakt zum Auftraggeber? So dieses klassische Detektiv-Auftraggeber-Verhältnis. Aber es ist ja auch kein Krimi, sondern ein Thriller. Daher alles in Ordnung! Es hat mir gefallen.
Lieblingsstellen: „Wie von Geisterhand flog die Lade meines Schreibtisches auf, schlüpfte die Beretta M9 darin - für euch Zivilisten: Beretta 92F - in meine rechte Hand, die sich wiederum in Richtung von der Trouten streckte. Angst spiegelte sich in ihren Augen wider, als sie in den Lauf meiner Waffe starrte. Ich konnte es ihr nicht verdenken, ebenso wenig wie mir selbst meine heftige Reaktion. Das mag euch jetzt übertrieben erscheinen, aber erstens, he, es war ja nur eine Pistole. Quasi Spielzeug für jedermann, jedefrau und manchmal auch jedeskind, zumindest bei uns in den Staaten. USA! USA! USA!“
„Elegant wie eine von am Strand angespültem Rum sturzbetrunkene, übergewichtige Robbe drehte ich mich, brachte mich in eine strategisch günstige Position und küsste sie auf die Innenseite ihres Oberschenkels.“
„Dunkel ist das Land und seine Geschichte, selbst wenn die Sonne hier am hellsten zu strahlen scheint.“
Ein beinharter Thriller, den ich so dem Autor nicht zugetraut hätte. Ertlov entführt uns nach Australien - also in seine Heimat, die er ganz ohne rosarote Touristenbrille, aber durch die durchaus vor Ort fremden Augen des knallharten Privatdetektivs Pete O'Brannon betrachtet. Dieser ist aus einem verregneten Vorort irgendwo in New Jersey (USA) angereist, um zwei vermisste Rucksacktouristinnen zu suchen. Eine Amerikanerin, eine Deutsche. Eine aus einfachen Verhältnissen in Indianapolis, die andere der jüngste Spross aus steinreichem deutschen Industrieadel. Was verbindet die so unterschiedlichen Studentinnen? Und vor allem, was ist mit ihnen geschehen?
Schon bald stößt Pete auf eine Mauer aus Schweigen, auf dunkle Verstrickungen, auf Geschäfte an der Grenze der Legalität, bei denen die Rucksacktouristen aus aller Welt oft die betrogenen Kunden sind - aber manchmal auch die Ware. Ein düsteres Geheimnis jagt das andere, und Pete verliert sich in der mörderischen, packend beschriebenen Schwüle der Tropen ebenso wie in der gnadenlosen Hitze des Outbacks. Gottseidank findet er Verbündete vor Ort, nicht zuletzt einen Elder der Aborigines, der als Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne den Wurfspeer ebenso gut beherrscht wie das Jagdgewehr. Und beides werden sie brauchen...
Mehr will ich gar nicht verraten. Krimi trifft Thriller, Mystery trifft Horror, faszinierende Landschaften werden von ebensolchen Charakteren durchstreift, die in einem Sog aus Gewalt und Verbrechen unterzugehen drohen. Der gemütliche, augenzwinkernde Einstieg täuscht - spätestens zur Halbzeit blättert man mit schwitzender Stirn und zittrigen Fingern durch die Seiten, und das Finale kommt gleich mit drei Twists, die .... ... aber lest lieber selbst.