In seiner eindrucksvollen Darstellung der deutschen Mythologie entführt der Altertumsforscher Paul Herrmann (1866-1930) den Leser in das bunte Treiben der Riesen und elfischen Geister, der Götter und Göttinnen, der Hexen und Walküren. Akribisch und mit großer Kennerschaft trägt Herrmann die höchst unterschiedlichen und über die Jahrhunderte verstreuten Quellen zusammen, ordnet und erläutert sie umfassend. Auf diese Weise erschließt sich der einzigartige Schatz altgermanischer Sagen und Legenden in all seinen Facetten - als Teil des ungeheuren Reichtums europäischer Kultur.
Paul Herrmanns "Deutsche Mythologie" ist die umfassende Darstellung der Glaubensvorstellungen antiker germanischer Stämme, die unsere westliche Zivilisation bis heute maßgeblich beeinflussen.
Wie jedes Buch über die Germanen leidet auch dieses unter Verallgemeinerungen, komprimiert er sowohl Zeit als auch Ort über Jahrtausende und viele hunderttausend Quadratkilometer. Die Vielzahl verschiedener Stämme und Konföderationen wird mit Sicherheit ein breites Spektrum unterschiedlicher Vorstellungen gezeigt haben, aber selbstverständlich muss ein Querschnitt herhalten, um dem Ziel des Buches gerecht zu werden – eine gemeinsame Mythologie zu präsentieren. Ein weiterer Schwachpunkt ist das Springen zwischen Quelleninterpretation, linguistischer Spekulation und archäologischen Belegen, die den Text zuweilen schwer lesbar machen. Herrmann nutzt in einem Absatz des öfteren unterschiedliche Schreibweisen derselben Begriffe. Außerdem kommen in den einzelnen Teilen durchaus viele Wiederholungen vor.
Im Großen und Ganzen ist es allerdings ein ganz wunderbares Buch, dass die Ursprünge der Alemannen, Franken, Sachsen und Co. plastisch aufleben lässt und uns zumindest eine Ahnung über unsere kulturellen Wurzeln vermittelt, in all ihrer Schönheit aber auch ihrer Brutalität.
Vom simplen Aberglauben (beim Gähnen halten wir eine Hand vor den Mund, aus Angst die Seele könnte entwischen), über die Wesen aus Sagen und Märchen (z.B. Zwerge, Riesen, Elfen und Wichte) bis zum religiösen Kultus (die Verehrung von Bäumen, Quellen und Flüssen, an denen man Lichter aufstellte) – Hermann nutzt alle Möglichkeiten, um sich diesen Vorstellungen zu nähern.
Eine klare Empfehlung für jeden, der sich für das Altertum interessiert.