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Fasziniert betrachtet er den Fund, sieht Handlung, Eigenheiten der Figuren, erspürt Stimmungen, Atmosphären, entdeckt Verwandtschaften mit Figuren in anderen Stücken oder auch mit ihrem Schöpfer, sieht das Leben des Autors, die Zeit und das Publikum. Und aus all diesen Aspekten und Assoziationen fügt er die Geschichte neu zusammen. Manchmal läßt er auch den Autor mitspielen oder setzt Figuren ein, die scheinbar nicht zum Stück gehören -- Flaschengeister, Aschenputtel, Wölfe -- und sich trotzdem ganz natürlich darin bewegen.
Nach und nach zeigt sich, daß die Auswahl einem geheimen roten Faden folgt. Wie von Zauberhand eröffnen sich neue Perspektiven und innere Zusammenhänge zwischen den Stücken: Jedes Ende wird zum Anfang, alles fügt sich zusammen zu einem einzigen großen Traumtheater.
Es macht Spaß, Stadelmaiers Spiel zu verfolgen, man ist ständig gespannt, was ihm als nächstes einfällt und immer wieder verblüfft über die neuen Einsichten, die sich so ganz spielerisch ergeben. Der Verlauf des Originalstückes wird unwichtig, die Handlung kann man ja in jedem Theaterführer nachlesen, aber wohin Stadelmaiers Einbildungskraft führt, fasziniert, selbst wenn man die Stücke nicht alle kennt.
Und schließlich ist seine Sprache ein Hochgenuß. So wie er mit den Stücken spielt, so spielt er auch mit den Wörtern, kreiert Bilder, assoziiert, reimt, mal ernst, mal heiter, mal witzig, mal ironisch, aber immer hintergründig. Genial. Sein Traumtheater zu lesen ist in jeder Hinsicht ein Vergnügen.
451 pages, Hardcover
First published January 1, 1997