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Traumtheater. Vierundvierzig Lieblingsstücke

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Emilia Galottis Todestanz im Kirschgarten -- Theaterstücke kann man spielen, man kann aber auch mit Theaterstücken spielen. Und das tut Gerhard Stadelmaier, seines Zeichens Redakteur und Theaterkritiker bei der FAZ, in seinem Traumtheater auf geniale Weise. Er greift in die große Kiste mit der Aufschrift "Welttheater" und zieht eine Geschichte nach der anderen heraus, Vierundvierzig Lieblingsstücke aus alter und neuer Zeit.

Fasziniert betrachtet er den Fund, sieht Handlung, Eigenheiten der Figuren, erspürt Stimmungen, Atmosphären, entdeckt Verwandtschaften mit Figuren in anderen Stücken oder auch mit ihrem Schöpfer, sieht das Leben des Autors, die Zeit und das Publikum. Und aus all diesen Aspekten und Assoziationen fügt er die Geschichte neu zusammen. Manchmal läßt er auch den Autor mitspielen oder setzt Figuren ein, die scheinbar nicht zum Stück gehören -- Flaschengeister, Aschenputtel, Wölfe -- und sich trotzdem ganz natürlich darin bewegen.

Nach und nach zeigt sich, daß die Auswahl einem geheimen roten Faden folgt. Wie von Zauberhand eröffnen sich neue Perspektiven und innere Zusammenhänge zwischen den Stücken: Jedes Ende wird zum Anfang, alles fügt sich zusammen zu einem einzigen großen Traumtheater.

Es macht Spaß, Stadelmaiers Spiel zu verfolgen, man ist ständig gespannt, was ihm als nächstes einfällt und immer wieder verblüfft über die neuen Einsichten, die sich so ganz spielerisch ergeben. Der Verlauf des Originalstückes wird unwichtig, die Handlung kann man ja in jedem Theaterführer nachlesen, aber wohin Stadelmaiers Einbildungskraft führt, fasziniert, selbst wenn man die Stücke nicht alle kennt.

Und schließlich ist seine Sprache ein Hochgenuß. So wie er mit den Stücken spielt, so spielt er auch mit den Wörtern, kreiert Bilder, assoziiert, reimt, mal ernst, mal heiter, mal witzig, mal ironisch, aber immer hintergründig. Genial. Sein Traumtheater zu lesen ist in jeder Hinsicht ein Vergnügen.

451 pages, Hardcover

First published January 1, 1997

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Profile Image for Kai Weber.
553 reviews47 followers
June 23, 2018
Stadelmaier, a theatre critic for Frankfurter Allgemeine Zeitung, has a very nice way to speak about plays, to transform drama into prose. An example: "Vielleicht ist das der selige, sprachlose Augenblick ihres höchsten Glücks, vielleicht aber auch der Moment der größten Katastrophe zwischen Leuten, deren Herzen fast nur aus Sprache bestehen. Der Gott unter seiner Rokokoperücke schaut ihnen lächelnd zu und schubst die mit spitzen Fingern in die beste Position: Sie werden sich kriegen. Aber den Preis dafür verheimlicht er ihnen noch" (about Marivaux' Le triomphe d'amour). Stadelmaier mixes description, metaphorization and interpretation seamlessly, which leads to essays that are themselves artful, bringing insights, and avoiding the technocratic boredom that often comes out from academic literature studies texts.
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