Vergessene Hochkulturen Südamerika und seine faszinierenden frühen Hochkulturen sind in den letzten Jahren mehr und mehr in den Blick der Öffentlichkeit gerückt – dank herausragender archäologischer Entdeckungen und Aufsehen erregender Funde.
Die älteste Pyramide der Welt steht in Ägypten. Wirklich? In Peru wurde der Grundstein zu einer riesigen Pyramide gelegt, als das Pharaonenreich noch in den Kinderschuhen steckte. Spätestens seit deutsche Archäologen auf die Reste dieses gewaltigen Bauwerks gestoßen sind, muss das Land am Pazifik in einem Atemzug mit Mesopotamien und Ägypten genannt werden. Und das ist nur eine der sensationellen Entdeckungen der letzten Jahre. Unter einer Gerölllawine, die vor 3 300 Jahren zu Tal donnerte, fanden Archäologen eine Art Pompeji, eine einzigartig gut erhaltene Tempelanlage.
Die Geschichte Perus ist über 5000 Jahre fast lückenlos archäologisch gesichert und in diesem Band zum ersten Mal zusammenhangend dargestellt. Michael Zick hat direkt an den antiken Stätten recherchiert und den Band mit eigenen Fotografien bebildert.
Die raetselhaften Vorfahren der Inka ist ein leicht lesbares Buch ueber die Geschichte der Voelker die in Peru (und im Andenraum generell) lebten, bevor die Inka ihr Reich zusammeneroberten, und natuerlich bevor die Conquistadors auftauchten und Suedamerikas Zivilisationen zerschlugen.
Es gibt erstaunlich wenige Buecher ueber lateinamerikanische Vorgeschichte (wobei "Vorgeschichte" eben als "Vorkolonialgeschichte" gelesen werden muss). Der Hauptgrund dafuer ist dass die Voelker Lateinamerikas keine Schriftsysteme entwickelt hatten, bevor sie erobert wurden - zumindest keine, die bis heute entschluesselt sind. (Die Khipus der Andenvoelker und der Inka werden heutzutage als Schriftsystem vermutet, aber die Entschluesselung ist noch nicht erreicht). Insofern ist dieses Buch wichtig: es macht es dem Laien zugaenglich, einen Zweig der Menschheitsgeschichte zu betrachten, der nur sehr selten ausser Fachkreisen dargestellt wird.
Es gibt viel lobenswertes: das Buch zeigt frueh eine Serie von Landkarten, die die Voelkerphasen und Standorte ubersichtlich darstellt. Dieser Ueberblick ist Gold wert - anderen Buechern fehlt er. Das Buch ist mit reichlich Bildern illustriert, und die machen es einfacher dem Text zu folgen. Vor allem aber ist die Geschichtsdarstellung so objektiv wie moeglich und auf relativ neuem Stand des Wissens. Hut ab.
Andererseits kann der Stil des Buches manchmal ein wenig nerven. Es ist immer leicht lesbar, neigt aber hin und wieder zum Grandiosen und Dramatischen. Anderenorts klingt der Autor etwas arrogant, als stehe er ueber der einen oder anderen Meinung, oder gar des einen oder anderen Voelkerglaubens. Das funktioniert, sofern man mit dem Autor mitgrinst. Wenn man das nicht tut, oder wenn man etwas mehr wissen will ueber das was da in einem halben abwertigen Satz belaechelt wird, dann steht man allein im Wald. Und der letzte Punkt, der mich ein wenig verstutzte, ist dass der Grossteil der Quellen aus deutschen Archaeologen besteht. Zwar stimmt es, das deutsche Archaeologen viel in Suedamerika geleistet haben, aber ich konnte den Verdacht nicht loswerden, dass das Buch an Informationsreichtum eingebuesst hat, weil es deutsche Archaeologen allen anderen als Quelle vorzieht.
Das Buch ist trotzdem sehr empfehlenswert fuer Laien und Leute die, wie ich, gerne eine Grundlage des Vorhandenen Wissens ueber Lateinamerikanische Zivilisationen und Protozivilisationen erlernen wollen.