Wenn Kinder starke Gefühle habenGefühlsstarke Kinder – so nennt Nora Imlau Jungen und Mädchen, die von Geburt an anders sind als andere wilder, bedürfnisstärker, fordernder. Aber gleichzeitig auch feinfühliger, sensibler, verletzlicher. Jedes siebte Kind kommt mit dieser besonderen Spielart der Persönlichkeitsentwicklung zur Welt. So viele! Und doch fühlen sich viele Eltern sehr allein, wenn ihr Kind als gefühlt einziges als Baby den Kinderwagen hasst und im Rückbildungskurs nicht auf der Matte liegen mag, auch als Kindergartenkind noch nicht alleine einschlafen kann und selbst im Schulalter noch viel Hilfe im Umgang mit seinen heftigen Gefühlsausbrüchen braucht. Gewohnt fachkundig und einfühlsam leuchtet Nora Imlau aus, warum gefühlsstarke Kinder sich so von Gleichaltrigen unterscheiden und was sie von ihren Eltern brauchen, um einen gesunden Umgang mit ihren intensiven Emotionen zu erlernen. Ganz praktische Hilfestellungen für typische Stress- und Konfliktsituationen mit gefühlsstarken Kindern – vom Anziehen über den Kindergarten- und Schulbesuch bis zum Zähneputzen.
Es muss enorm schwierig sein, diese Bücher zu schreiben, da man so viele verschiedene Rezeptionssituationen vor Augen haben. Da gibt es Leser wie mich, die vielleicht nur den ein oder anderen Ansatz suchen, um Situationen zu erklären und besser damit umgehen zu können - weil sie sich in einem generellen Umfeld bewegen, wo wertschätzendes und bedürfnisorientiertes Verhalten die Norm und nicht die Ausnahme ist. Anderen muss man anscheinend ständig die Angst nehmen, dass Sie daran schuld sind, wie ihr Kind sich verhält (dafür wird wieder einmal Hirnforschung und der berühmte Säbelzahntiger bemüht) oder dass aus ihrem Kind trotzdem noch was Ordentliches werden kann (daher die mit Ohrensessel-Ferndiagnosen angereicherten eingestreuten Biografien berühmter Menschen, auf die ich sehr gut hätte verzichten können). Ich habe Verständnis dafür, hätte mir aber wie immer ein Buch gewünscht, das weniger auf Händchenhalten und mehr auf referierter Sozialwissenschaft beruht ("Studien haben gezeigt, dass eher X passiert, wenn man Y tut" - vermutlich existieren diese Studien einfach nicht.). Am Ende muss man sich als Leser immer das rausziehen, was einem nutzt, und das war zumindest ein neuer Blick auf das Kind. (Ist mein Kind "gefühlsstark"? Keine Ahnung, aber viele Tipps und Einschätzungen in diesem Buch gelten eigentlich für jedes Kind. Ist mein Kind introvertiert? Vielleicht - und ich hatte noch nie darüber nachgedacht).
Wenn sich ein Kind wütend mitten in die größte Pfütze wirft, um prompt vom nächsten Wutanfall geschüttelt zu werden, weil nun die Lieblingshose schmutzig ist, wird die betroffene Mutter in ihrem Rücken vermutlich Außenstehende von Dickkopf, Tyrann oder Trotzalter murmeln hören. Wenn ein Kind allerdings im Grundschulalter seine Gefühlsstürme noch nicht ohne Rückhalt Erwachsener bewältigen kann und unter diesem Zustand selbst leidet, haben die Beteiligten ein Problem. Schätzungsweise ist davon jedes 7. bis 10. Kind betroffen, und es gab diese Kinder bereits lange vor der Einführung von Fernsehen und elektronischen Medien. Das Tyrannen-Geraune ist bei sehr fordernden, dabei höchst sensiblen und von ihren Emotionen überwältigten Kindern alles andere als hilfreich. Das „spirited child“ tauchte in der pädagogischen Literatur der USA zu Beginn der 90er Jahre auf. Mancher mag inzwischen den Eindruck haben, dass es sich schon damals um eine Mode-Diagnose handelte, die schlicht als Ausrede für schlechtes Benehmen herhalten musste. Auch in Deutschland berichten Kita-Erzieher und Lehrer, dass Kinder heute häufiger auf banale Alltagsereignisse mit heftigen Gefühlsausbrüchen reagieren und damit Kita-Gruppen und Schulklassen förmlich sprengen können.
Nora Imlau verdeutlicht zunächst, dass unsere Sprache die Brille entlarvt, durch die wir Kinder betrachten, die diese wenig wertschätzenden Untertöne mit feinen Antennen wahrnehmen und in ihr Selbstbild integrieren. Gefühlsstarke Kinder sind schon als Baby fordernd, schreien häufig, brauchen wenig Schlaf, tolerieren keine Abweichung von gewohnter Routine und möchten auf keinen Fall allein gelassen werden. Wer das noch nicht selbst erlebt hat, wird es nicht für möglich halten. Wenn jede Kleinigkeit zum Drama führt, entwickeln gerade Mütter Schuldgefühle, dass sie ihrem Kind nicht gerecht werden. Eltern sind nicht schuldig (das ist inzwischen empirisch belegt), aber verantwortlich dafür, dass sie ihr Kind wie ein Leuchtfeuer leiten und es unterstützen, mit seinen Emotionen umzugehen, so Imlau.
Die Persönlichkeit gefühlsstarker Kinder wirkt zunächst widersprüchlich, wenn die Kinder zwar motorisch sehr weit entwickelt und abenteuerlustig wirken, zugleich aber von kleinsten Veränderungen im Alltag völlig aus der Bahn geworfen werden. Die Liste der Zumutungen reicht von der Lieblingshose aus der Pfütze, über ein kratziges Shirt, Essen, das auf dem Teller „durcheinander“ wirkt, das Standby-Lämpchen eines Elektrogerätes bis zur gesamten Bandbreite unerwarteter Emotionen. Nora Imlau mahnt zu einer nicht wertenden, wertschätzenden Sprache, dazu, seinem Kind unvoreingenommen zuzuhören und ihm einen Wortschatz zu vermitteln, mit dem es hoffentlich bald seine Emotionen ausdrücken kann. „Gefühle haben einen Namen“ – war für mich als Nicht-Betroffene der wichtigste Rat; denn spätestens als Erstklässler müssen alle Kinder Emotionen ausdrücken lernen.
Das Buch enthält eine Fülle treffender Beobachtungen, die wie Zahnräder ineinander greifen. Hohe Sensibilität, Wutanfälle, Schlagen-Beißen-Schubsen, fehlender Wortschatz für Emotionen, geringes Schlafbedürfnis, darin drückt sich eine Persönlichkeit aus, die sich weder durch „stille Treppen“ noch durch Belohnungssticker ab-dressieren lässt. Wichtige Themen sind u. a. das Löwenmutter-Syndrom, Eingewöhnung in die Kita, Einschulung, alternative Betreuung im Vorschulalter, wenn Kindergarten /Kita für ein Kind auf die Dauer nicht akzeptabel sind – und schließlich der Schutz der Geschwister, deren normale Entwicklung eingeschränkt wird, weil ein Familienmitglied „immer alles sprengt“. Dass Gleichaltrige sich vor einem gefühlsstarken Kind fürchten können – und deshalb nicht mehr in den Kindergarten gehen wollen – geht im Buch leider unter, muss den betroffenen Kindern dennoch vermittelt werden.
Das Thema Kita und Betreuung, wie es im Buch geschildert wird, scheint mir wenig mit der Situation betroffener Eltern in Großstädten zu tun zu haben, die ihre Kinder oft bereits vor der Geburt für einen Betreuungsplatz anmelden müssen. Eine Kita auszuwählen, die sich einem „besonderen“ Kind gewachsen fühlt, scheint mir Wunschdenken der Autorin, geht es doch in der Realität oft darum, überhaupt irgendeinen Kitaplatz in irgendeinem Stadtviertel zu finden. Ein gefühlsstarkes Kind im Familien-Clan oder im Team mit Kinderfrau, au pair oder den Großeltern zu betreuen, halte ich für ähnlich unrealistisch. Hat die Autorin mit ihrer Liste der Killerphrasen weiter vorn doch gezeigt, dass der Clan selbst das Problem sein kann und nicht die Lösung des Problems.
Nora Imlaus Buchs schildert die Persönlichkeit gefühlsstarker Kinder anschaulich und ausführlich, zeigt, wie unsere eigene Persönlichkeit Erziehungsstil und Einschätzung unserer Kinder färbt, und bietet Lösungswege an, die mir auf dem Gebiet der Kinderbetreuung im Vorschulalter jedoch allzu optimistisch erscheinen.
Ein Leseempfehlung für alle, die gefühlsstarke Kinder und das Funktionieren und den Ursprung der Gefühle bei Kindern im Allgemeinen verstehen möchten. Das Buch gibt keine konkreten Handlungsanweisungen für bestimmte Situationen. Es hilft aber sehr gut dabei ein ungemeines Verständnis für die Gefühle und Gefühlsausbrüche von Kindern zu bekommen und beleuchtet dabei auch, was diese Situationen mit unseren eigenen Gefühlen machen.
Nora Imlau hat ein neues Buch geschrieben. Es geht um gefühlsstarke Kinder. Spoiler: Wir lieben es. Kauft es!
Gefühlsstarke Kinder – Was ist denn das jetzt schon wieder?
Gefühlsstarke Kinder sind Kinder, die mehr von allem sind. Wilder und empfindsamer, neugieriger und schneller überfordert von Reizen, lauter und leiser, einfach intensiver. Dabei geht es nicht darum, hier wieder ein neues Label zu verteilen, denn gefühlsstarke Kinder sind nicht krank. Sie sind ganz normal so wie sie sind. Und dennoch fordern sie uns auf ihre ganz eigene Weise heraus. Denn das Leben mit ihnen ist eben auch viel intensiver und anstrengender als mit anderen Kindern.
Endlich mal ein Erziehings / Kinderpsychologiebuch, dass mich anspricht und nicht nur von Anfang bis Ende langweilig und überheblich ist. Es fühlt sich gut anb zu wissen, dass man nicht alleine iat, dass man nicht Schuld ist und dass das Kind nicht schuld ist.
Dieses Buch wurde mir von einer Freundin empfohlen, die von unseren großen Problemen mit einem sehr anspruchsvollen Baby wusste. Beim lesen der ersten Seiten und der Beschreibung von gefühlsstarken Kindern, fand ich uns eins zu eins wieder. Das sorgte bei mir für ein Gefühl von großer Erleichterung. Endlich versteht mich jemand und weiß wovon ich rede.
Nora Imlau beschreibt warum manche Kinder von Geburt an anders sind. Sie sind wilder, bedürfnisstärker und verletzlicher. Außerdem gibt sie diesen Kindern einen Namen: Gefühlsstarke Kinder.
Sehr anschaulich stellt sie dar, was im Gehirn gefühlsstarker Kinder anders funktioniert und warum sie so gut wie keine Selbstregulationsfähigkeit haben.
Sie gibt jedoch auch Hoffnung. Denn mit entsprechender Begleitung und Reaktion der Eltern, können Kinder Selbstregulation und Impulskontrolle erlernen.
Mir persöhnlich hat das Buch sehr geholfen zu verstehen. Warum ist mein Kind wie es ist. Warum schreit es so viel. Warum schläft es nicht. Es hat mir geholfen zu verstehen, dass man nicht alleine ist. Es hat mir Hilfe und Tipps an die Hand gegeben um besser mit anspruchsvollen Situation umzugehen.
Ich weiß und merke, dass es besser wird. Mein Kind verändert sich. Auch wenn es lange dauert und er immer ein gefühlsstarkter und sehr sensibler Mensch bleiben wird, wird auch er peu a peu lernen mit seinen Gefühlen besser klar zu kommen und diese besser zu regulieren.
Für mich ist dieses Buch eine unbedingte Empfehlung und große Hilfe für alle Eltern, die sich wundern warum ihr Baby so viel schreit, so große Probleme mit dem schlafen hat und nicht abgelegt werden kann. Vielen Dank liebe Nora Imlau für dieses Buch.
So viel Freude, so viel Wut. Das kenne ich von mir selber. Aus meiner Kindheit und auch noch aus meinem Erwachsenenleben. Dieses Buch hat mir geholfen zu erkennen, warum ich teilweise so stark gefühlt habe und hat den Druck raus genommen, dass das "nicht normal" sei.
Meine eigene Tochter ist erst 6 Monate alt, zeigt aber schon einige der im Buch beschriebenen Anzeichen eines gefühlsstarken Kindes. Nun weiß ich, wie ich besser und einfühlsamer mit ihr umgehen kann, um sie bestmöglich zu unterstützen.
Absolute Empfehlung für alle die sich selber oder ihr Kind im Klappentext wieder erkennen.
Wundervolles Buch und auch für Eltern von nicht gehühlsstarken Kindern sehr zu empfehlen. Den auch hier gibt es Wutausbrüche und Gefühle die da sein dürfen. Mit diesem Buch kann man so viel vom der Gefühlswelt seiner Kinder verstehen und wunderbar begleiten. Man kann soviel für sich und seine Kinder mitnehmen.
Wenn man sich in die moderneren Kindererziehung (Jesper Juul, Grenzen setzen, "anstrengendere"/nicht der Norm entsprechende Kinder) ein bisschen eingelesen hat, erfährt man hier nichts Neues. Konnte keine konkreten Tipps für den Alltag mitnehmen und habe nix Neues gelernt
Auch wenn wir selber kein gefühlsstarkes Kind haben, konnte ich viel nützliches mitnehmen und vor allem viel Verständnis für Kinder und Eltern gefühlsstarker Kinder entwickeln. Ich habe das Hörbuch gehört, das von der Autorin selber gesprochen wird, was mir ausgesprochen gut gefallen hat