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Der Todestrieb in der Geschichte: Erscheinungsformen des Sozialismus

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Demographisch, demokratisch, kulturell, moralisch und ökonomisch zehrt der Westen heute von der Vergangenheit. Und lebt auf Kosten der Zukunft. So ist das im Sozialismus. Immer. Der russische Mathematiker und Philosoph Igor Schafarewitsch erklärt in seinem lange vergriffenen Klassiker "Der Todestrieb in der Geschichte", warum jeder neue sozialistische Menschenversuch - und es gab im Laufe der Jahrhunderte viele - immer wieder aus vier Komponenten besteht, nämlich der Zerstörung von Privateigentum, Tradition, Familie und Religion. Insofern sind zum Beispiel die millionenfache Abtreibung in den westlichen Staaten oder die Unterbringung von Kleinkindern in "Krippen" genannten staatlichen Verwahranstalten heute auch Indikatoren dafür, wie weit der "schleichende Sozialismus" (Roland Baader) bereits vorangepirscht ist. Igor Schafarewitsch analysiert wie kein anderer, warum Sozialismus immer kulturzerstörerisch sein will und wirken muss und am Ende immer eins Tod! Dieses Buch ist längst mehr als ein Geheimtipp im Lager der so heterogenen Antisozialisten - und alle dürfen sich auf Igor Schafarewitsch Liberale und Libertäre, Konservative und Reaktionäre sowie orthodoxe und andere traditionsbewusste Christen. Mit einem aktuellen, in die heutige europäische Situation einordnenden Vorwort von Dimitrios Kisoudis.

474 pages, Kindle Edition

Published November 14, 2016

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Georg Sagittarius.
114 reviews1 follower
September 30, 2024
Kurzmeinung: Unterschätzt! Viel Diskussionsstoff! 14 S. Kisoudis-Vorwort! Sehr breitbandig: Altes Ägypten, Inkas, Nietzsche, Religion, Ideologien...!
Hochaktuell für EU, USA...! Münden neoliberaler Kapitalismus & Totalitarismus-orientierter (Schein)Sozialismus in die gleichen oder die selben (Bertha Dudde, Jakob Lorber!) (Groß)Katastrophen (2025-33!)? "Für den heutigen [negativkonformistischen?] Leser sind die offensichtlichen Parallelen zu den aktuellen [Endzeit- & Weltkriegs-]Entwicklungen in der EU [USA...] verstörend!" (Thomas Punzmann, 2019, theeuropean.de), "...zehrt der "Westen" [USA..] heute von der Vergangenheit. Und lebt auf Kosten der Zukunft!", die m.E. 7 Jahre nach dem 3.WK 2033 ein Ende haben wird (Gerd Gutemann, Kurt Eggenstein, M Kahir)!

Meine aktuelle & vollständige Rezension mit Hyperlinks ist hier zu finden:
https://www.lovelybooks.de/autor/Igor...

1) Fazit:
a) Jetzt hochaktuell für die "gänzlich entartete Menschheit" (Bertha Dudde, Jakob Lorber), v.a. für das selbstmörderische Konkurrenzsystem, d.h. für die "terroristische USA" (Noam Chomsky), EU, Israel,...!
Das war für den philosophischen, "brillianten" Mathe-Prof. nicht absehbar!

b) Sehr bedenkenswerte Frage, die aber bereits umfangreich klar beantwortet wurde:
Münden neoliberaler Kapitalismus & Totalitarismus-orientierter (Schein)Sozialismus in die gleichen oder die selben (Bertha Dudde, Jakob Lorber!) (Groß)Katastrophen?

c) "Für den heutigen [negativkonformistischen?] Leser sind die offensichtlichen Parallelen zu den aktuellen [Endzeit- & Weltkriegs-]Entwicklungen in der EU [USA...] verstörend!" ( Thomas Punzmann, 2019, theeuropean.de)

d) "..zehrt der "Westen" [USA..] heute von der Vergangenheit. Und lebt auf Kosten der Zukunft!", die m.E. 7 Jahre (Buch Daniel) nach dem 3. Weltkrieg 2033 ein Ende haben wird (Gerd Gutemann, Kurt Eggenstein, M Kahir)!

e) "Knapp ein Jahr, nachdem der Krieg gegen den Terror in den Trümmern Afghanistans offiziell für beendet erklärt wurde, erleben wir, wie im Namen der Freiheit in einem Land nach dem anderen die Freiheiten der Menschen beschnitten und Bürgerrechte zum vorgeblichen Schutz der Demokratie aufgehoben werden. Jegliche Form des Andersdenkens wird als »Terrorismus« definiert.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, seine Aufgabe im "Krieg gegen den Terror" bestehe darin, die Welt davon zu überzeugen, daß es den [US]Amerikanern gestattet werden müsse, ihren Lebensstil zu erhalten!" S. 433, "Fahrenheit 9/11 - Das Buch" von Michael Moore, lovelybooks

2) Hilfreiches
a) kostenlos: eBuch: Igor Shafarevich: "The Socialist Phenomenon": archive.org
de.wikipediam Igor Rostislawowitsch Schafarewitsch: "1959 erhielt Igor Schafarewitsch den Leninpreis.[4] 1960 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[5] 1962 hielt er einen Plenarvortrag auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Stockholm (Algebraische Zahlkörper) und 1970 war er Invited Speaker auf dem ICM in Nizza (Le theoreme de Torelli pour les surfaces algebriques de type K3). 1973 erhielt er den Dannie-Heineman-Preis (Göttingen) der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Algebra und Zahlentheorie.[6] 1974 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences und die National Academy of Sciences[7] gewählt. Ebenfalls 1974 wurde er Ehrenmitglied der London Mathematical Society. In seinem Todesjahr 2017 erhielt er die Leonhard-Euler-Goldmedaille."

b) Rezensionen & Zitate: siehe unten

c) yt-Videos
youtu.be: "Buchbesprechung: Igor R. Schafarewitsch, Der Todestrieb ... des Sozialismus"
youtu.be: "Markus Krall: Der Todestrieb des Sozialismus (ef-Zukunftskonferenz 2019, Teil 1)"
youtu.be: "Der Todestrieb in der Geschichte: Was ist eigentlich Sozialismus? (Herrengedeck 63)"
youtu.be: "Ideologie des Zerfalls" & "Frankfurter Schule": Markus Krall: "Noch haben [DE, EU!] wir einen "weichen Sozialismus"!:
youtu.be: Markus Krall erklärt den Sozialismus

d) Paßende Literatur-Empfehlungen:
Markus Krall: "Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen"
Glenn Diesen: Russophobia: Propaganda in International Politics
Timo Storck: "Der Todestrieb und die Lebenserscheinungen - Endlichkeit als Möglichkeitsbedingung von Befriedigung", klett-cotta.de

e) "Anmerkungen zum Vorwort von Dimitrios Kisoudis
I Igor Schafarewitsch: "Der Sozialismus", in: Alexander Solschenizyn u.a. (Hg.): "Stimmen aus dem Untergrund. Zur geistigen Situation in der UdSSR", Darmstadt und Neuwied 1975, S. 33-75, hier: S. 52. Im russischen Original wurde der Sammelband 1974 in Paris, in englischer Übersetzung unter dem Titel ."From Under the Rubble" 1975 in Boston veröffentlicht.
2 Diese Gedanken finden sich in einem 1978-82 ausgearbeiteten, seit 1987 zirkulierenden und 1988 in München veröffentlichten Pamphlet, in deutscher Ausgabe: Igor Schafarewitsch: Russophobie. Das Kleine Volk und die Russen", Berlin 1995, S. 10 ff.

3) Rezensionen & Kurzmeinungen
a) theeuropean.de: Thomas Punzmann, 2019: "Erlösungsideologien...": Text siehe unten
b) sezession.de: Sophia Gatzmaga, 2017: Text siehe unten

zu a) theeuropean.de: Thomas Punzmann, 2019: "Erlösungsideologien...
Igor Schafarewitsch beschreibt in seinem Buch „Der Todestrieb in der Geschichte“ die historische Entwicklung einer sozialistischen, kollektivistischen Selbstlosigkeit, die sich unter dem Deckmantel inhaltsloser Motive tarne.
Die Parallelen zu aktuellen Entwicklungen in der EU seien verstörend, meint Thomas Punzmann.
Das Leben ist schön. Aber endlich. Diese Erkenntnis führte sehr früh und zwingend in der Geschichte der Menschheit zur Frage, was denn nach dem Tode wäre. Man half sich, wie eigentlich immer, wenn etwas unklar ist, mit einem gedanklichen Hilfskonstrukt. Das Bekannte nannte man, naheliegenderweise, die materielle Welt und das andere, über das man nur spekulieren konnte, die Geistige. Aber damit begannen die Probleme eigentlich erst. Weiß man in der geistigen Welt, was der Einzelne in der materiellen Welt angestellt hatte? Wie würde das von wem bewertet werden? Wie lange ist unendlich? Fragen über Fragen und die meisten waren dringend und halfen nicht im Geringsten, die Angst vor dem Tode zu mildern. Der erste Gedanke, den materielle Menschen hier haben, ist der materielle Ausgleich. Doch mit wem sollte man sich wie vergleichen? In einer immer arbeitsteiligeren Welt fand sich jedoch schnell eine Lösung. Bald waren spezialisierte Dienstleister zu Stelle, Seher, Schamanen, Druiden und Priester, die behaupteten über die geistige Welt Bescheid zu wissen. Sie gaben sogar an, mit dieser jenseitigen Welt in Kontakt zu stehen und würden gerne gegen eine Gebühr - eigentlich mehr eine Aufwandsentschädigung – helfend und vermittelnd tätig werden. Mit dieser individuellen, liberalen Art der Schuldbewältigung waren aber nicht alle zufrieden. Diese Unzufriedenen dachten darüber nach, wie sie ihr Geld sparen könnten und trotzdem in den erhebenden Genuss der moralischen Erlösung gelangen könnten. Sie kamen auf eine Methode, die verblüffend einfach und bis heute erfolgreich ist: Den Kollektivismus. Sie dachten nicht an sich, sondern an alle, genau gesagt an die anderen. Deren Eigentum würde zum gemeinsamen Eigentum, über das sie, die Kollektivisten, selbstverständlich zum Wohle aller, verfügen würden. Familien und Religion würden auch nicht mehr gebraucht, denn auch hier übernähme das Kollektiv, also wieder sie, diese Aufgaben. Geplant würde das alles von einer Elite von Wenigen, niemandem Rechenschaft schuldenden Allwissenden, die im Vorhinein bestimmten, wer wann was bekäme und täte. Das Paradies, die Erlösung war jetzt zum Greifen nahe. Damit waren schon die ersten moralischen Pluspunkte gewonnen. Ein neuer Typus Mensch würde geschaffen werden und mit ihm eine bessere Welt. Aber wie denkt man nun an andere? Nun man wünscht sich, dass es ihnen gut geht. Gut geht es ihnen aber nur, wenn sie nicht machen, was schlecht für sie ist. Und das erreicht man durch Erklären. Man erklärt es geduldig und immer wieder. Reicht das nicht, erklärt man es noch besser und sollte das auch nicht reichen greift man zum Zwang. Denn der Mensch ist oft beratungsresistent und da gerät auch professionellste Indoktrinierung schnell an ihre Grenzen und das Wohlergehen der anderen ist ja nun alternativlos. Genügt das alles nicht, geht man auch gerne weiter. Bis zum Ende, dem physischen Ende der anderen. Ihr Eigentum hat man ja bereits. Igor Schafarewitsch beschreibt in seinem Buch „Der Todestrieb in der Geschichte“ die historische Entwicklung dieser sozialistischen, kollektivistischen Selbstlosigkeit. Er beginnt bei den Gnostikern, Manichäern, Paulizianern und Bogomilen, beschreibt die Gewaltorgien der Hussiten, Katharer, Albingenser, sowie der Wiedertäufer und spannt den Bogen bis zu den schrecklichen kollektivistischen Experimenten des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt, was all diesen Erscheinungen gemeinsam ist: Kein Eigentum, keine Familie, keine Religion und statt individueller Freiheit, Plan- und Zwangswirtschaft und das alles unter dem wunderbaren inhaltsleeren Motto der Gleichheit. Für den heutigen Leser sind die offensichtlichen Parallelen zu den aktuellen Entwicklungen in der EU verstörend. "

zu b) sezession.de: Sophia Gatzmaga, 2017:
Wenn jemand das Unglück hat, ein poli­ti­sches Groß­ex­pe­ri­ment als mensch­li­ches Ver­suchs­ka­nin­chen unge­fragt durch­ma­chen zu müs­sen, kann er sich auf zwei­er­lei Wei­se dazu ver­hal­ten. Er kann dem Gesamt­bau der Ver­suchs­an­la­ge einen qua­si­ele­men­ta­ren Cha­rak­ter zumes­sen. Dann wird er all ihre Unstim­mig­kei­ten »sehen ohne zu sehen«, wodurch er vor­be­halt­los in der Anpas­sung sei­ner selbst an die all­täg­li­chen Erfor­der­nis­se der Kulis­sen­welt ver­we­ge­ner Sozi­al­in­ge­nieu­re auf­zu­ge­hen ver­mag. Er kann ande­rer­seits die Web­feh­ler nicht nur wahr­neh­men, son­dern über sie auch ins Nach­den­ken gera­ten. Wenn sich zu einer sol­chen unbe­irr­ba­ren Wahr­neh­mung noch der mes­ser­schar­fe Ver­stand eines reich begab­ten Geis­tes gesellt, kommt dabei ein ein­zig­ar­ti­ges Buch wie Igor R. Scha­fa­re­witschs Der Todes­trieb in der Geschich­te her­aus.

Anders als der Titel es ver­mu­ten lie­ße, wil­dert hier kein Schwatz­fach­wis­sen­schaft­ler auf psy­cho­ana­ly­ti­schem Ter­rain. Viel­mehr prä­sen­tiert hier ein Gelehr­ter alten Schla­ges das Ergeb­nis sei­nes jah­re­lan­gen Nach­den­kens und Dis­ku­tie­rens über die Fra­ge:
Was ist hier eigent­lich los?
Als bril­lan­ter Mathe­ma­ti­ker, der früh Bahn­bre­chen­des in sei­ner Dis­zi­plin geleis­tet hat, ging Scha­fa­re­witsch (Jahr­gang 1923) bei der Suche nach einer befrie­di­gen­den Ant­wort äußerst gründ­lich vor. Sei­ne pro­fun­den his­to­ri­schen Kennt­nis­se, sei­ne Bele­sen­heit und sein lite­ra­ri­sches Talent ermög­lich­ten es ihm, ein als Auf­satz kon­zi­pier­tes The­sen­pa­pier zu einem umfang­rei­chen Buch zu erwei­tern, das sei­nen Leser von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te in den Bann schlägt. In den ers­ten Abschnit­ten spannt Scha­fa­re­witsch den Bogen sei­ner Betrach­tung über gut 4000 Jah­re Mensch­heits­ge­schich­te. Sozia­lis­ti­sche Leh­ren in Gestalt der mit­tel­al­ter­li­chen Ket­zer-bewe­gun­gen, neu­zeit­li­chen Uto­pien und des Auf­klä­rer­tums stellt er eben­so aus­führ­lich vor wie den Sozia­lis­mus als Pra­xis gesell­schaft­li­chen Zusam­men­le­bens, wie er im Staats­skla­ven­tum zen­tra­lis­ti­scher Rei­che für Jahr­tau­sen­de im Alten Ori­ent und im vor­ko­lum­bia­ni­schen Ame­ri­ka bestan­den hat – ein wahr­lich glo­ba­ler Maßstab!

Im drit­ten Abschnitt arbei­tet Scha­fa­re­witsch in bes­ter rus­si­scher Tra­di­ti­on des nüch­ter­nen wie radi­ka­len Zuen­de­den­kens aus den öffent­li­chen wie pri­va­ten Äuße­run­gen von Ideo­lo­gen, Pre­di­gern und Revo­lu­tio­nä­ren des poli­ti­schen Sozia­lis­mus vier Grund­zü­ge des Sozia­lis­mus her­aus: die Auf­he­bung von Pri­vat­ei­gen­tum, Fami­lie, Reli­gi­on und gesell­schaft­li­cher Unter­schie­de. Er legt dabei stim­mig dar, daß die­se Bestre­bun­gen von einem Grund­prin­zip, der Her­stel­lung von Gleich­heit, abge­lei­tet sind. Scha­fa­re­witsch zufol­ge zielt der Sozia­lis­mus in all sei­nen Erschei­nungs­for­men und Maß­nah­men auf die Uni­for­mie­rung ab, auf die Schräub­chen­wer­dung des Ein­zel­nen in der Staatsapparatur.

Einer Erklä­rung bedarf jedoch die Attrak­ti­vi­tät von Leh­ren, die auf die letzt­li­che Ver­nich­tung des Men­schen abzie­len. Scha­fa­re­witsch kann sich die­ses Rät­sel nur damit erklä­ren, daß er in den sozia­lis­ti­schen Bestre­bun­gen Ein­zel­ner wie gan­zer Gesell­schaf­ten Mani­fes­ta­tio­nen einer bestän­di­gen his­to­ri­schen Ele­men­tar­kraft sieht, eine Art imma­nen­ten Trieb im Men­schen, der unbe­wußt nach Befrie­di­gung drängt und auf jedes Hin­der­nis mit gestei­ger­tem Appe­tenz­ver­hal­ten reagiert. Hier ver­birgt sich Scha­fa­re­witschs wohl ver­stö­rends­ter Befund, der dazu ange­tan ist, bei­de Grund­dog­men der Gegen­wart, den nai­ven Fort­schritts­glau­ben und das Axi­om von der ewi­gen Wie­der­kehr des Glei­chen, zu erschüt­tern. Der zer­stö­re­ri­sche Sie­ges­zug jener wütend-regres­si­ven Reak­ti­on auf das frei­heit­li­che Den­ken und sei­ne Lebens­ord­nung, der spä­tes­tens seit 1917 welt­weit in der Wie­der­errich­tung des Staats­skla­ven­tums gip­felt, zeigt, daß eine Errun­gen­schaft wie die Ent­ste­hung der Leh­re von der Wür­de und dem Wert des Ein­zel­nen und sei­ner frei­en Ent­fal­tung kei­nes­wegs spon­tan oder natur­not­wen­dig auf­tau­chen, son­dern ein­ma­li­ge, zer­brech­li­che schöp­fe­ri­sche Leis­tun­gen des mensch­li­chen Geis­tes sind.

Den ein­zi­gen Aus­weg aus der men­schen­mör­de­ri­schen Regres­si­on in den Sozia­lis­mus bie­tet daher nicht das Abwar­ten der nächs­ten Rad­dre­hung oder eines hof­fent­lich bal­di­gen Pen­del­schwungs, son­dern der Wil­lens­akt des Ein­zel­nen, dage­gen­zu­hal­ten (und sei’s umstän­de­hal­ber auch nur innerlich).

Einer­lei, wie weit man Scha­fa­re­witsch in sei­nen viel­schich­ti­gen Über­le­gun­gen fol­gen kann und mag, die Beschäf­ti­gung mit sei­nen Gedan­ken­gän­gen lohnt sich schon wegen des umfang­rei­chen Mate­ri­als an Fak­ten. Des­halb ist es erfreu­lich, daß der Licht­schlag Ver­lag die­ses Buch einer inter­es­sier­ten Leser­schaft wie­der zugäng­lich gemacht hat. In sei­nem kun­di­gen Vor­wort bie­tet Dimi­tri­os Kis­ou­dis eine Fül­le von Anga­ben zu Leben, Den­ken und Wir­ken Scha­fa­re­witschs, die zum tie­fe­ren Ver­ständ­nis sei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Sozia­lis­mus bei­tra­gen und hel­fen, den Wert sei­nes »Todes­trie­bes in der Geschich­te« zu ermes­sen. Gut vier­zig Jah­re nach sei­nem Ent­ste­hen unter Sami­s­dat­be­din­gun­gen ist die Bedeu­tung die­ser radi­ka­len Ana­ly­se unge­bro­chen – zumal die Welt­his­to­rie nach ihrem laut­ver­kün­de­ten Ende inzwi­schen spür­bar an Fahrt gewon­nen hat.

4) Zitate aus dem Rezensionsbuch
(hier ist es die inhaltsidentische 1980-er Ullstein-Ausgabe mit 369 S., der aber das hilfreiche 14-Seiten-Vorwort von
S. 324: "Wir sehen, daß alle Elemente des sozialistischen Ideals - die Aufhebung des Privateigentums, der Familie, der Hierarchie, die
Feindschaft gegenüber der Religion - als Äußerung eines einzigen Prinzips, der Unterdrückung der Individualität, betrachtet
werden können. Dieses Prinzip läßt sich anschaulich in Aktion beobachten, wenn man die charakteristischsten Züge zusammen
stellt, die in der sozialistischen Theorie oder Praxis über zweiein halb Jahrtausende hinweg, von Platon bis zur Berliner »Kom
mune Eins«, aufgetreten sind, und wenn man aus ihnen das Modell der »idealen«, wenn auch nie verwirklichten, sozialistischen
Gesellschaft konstruiert: gleichförmig angezogene Menschen, deren Gesichter einander sogar ähneln; ein Leben in kasemenarti-
gen Gemeinschaftsunterkünften; Arbeitszwang und danach Essen und Entspannung in denselben Arbeitseinheiten..."
Profile Image for Thomas Lange.
5 reviews
October 3, 2019
Umfassender Überblick zum Sozialismus

Da schon viele Aspekte von anderen Rezensenten besprochen wurden, werde ich hier nur auf den "wissenschaftlichen" Sozialismus eingehen, den der Autor als eine der Betrachtungsweisen des Sozialismus in Teil III (S.325) des Buches ausweist.

Es ist jenes Gewand, in welches die marxistische Lehre den Sozialismus aufgrund der immer stärker werdenden Bedeutung der Wissenschaften ("Wissenschaftskult") des 19.Jh. gedrückt hat, um ihm den nötigen objektiven Charakter zu verleihen. Der Sozialismus brauchte die wissenschaftliche Fassade als Legitimation.

Marx und Engels orientierten sich dabei an ihrem geistigen Vorläufer Charles Fournier, der ebenfalls schon versucht hatte, eine soziale Analyse auf Basis der Geometrie zu entwerfen, die so exakt sein sollte, wie die Newtonsche Physik; also den gleichen wissenschaftlichen Charakter besitzen sollte. Sie ahmen den Stil einer wissenschaftlichen Abhandlung zwar unvergleichlich besser als Fournier nach, scheitern aber in gleicher Weise. Fourniers Ausführungen kann man getrost als völlig absurd bezeichnen.

Schafarewitsch argumentiert, in den Werken des Marxismus herrsche keine Atmosphäre vor, die für wissenschaftliche Forschung charakteristisch wäre.
"Den Hauptwerken des Marxismus ist das entscheidende Merkmal wissenschaftlicher Arbeit fremd: das kompromisslose Streben nach Wahrheit um ihrer selbst willen."

Zwar werde die objektive Einstellung immer wieder proklamiert, dann aber doch unverzüglich der politischen Agitation untergeordnet. Zwar finde man Tabellen und Anmerkungen, jedoch werden die zentralen Thesen der Theorie deklariert und nicht deduziert.

Der Grundbaustein, auf den sich die politische-ökonomische Theorie gründet, die Arbeitswerttheorie, wurde schon zur damaligen Zeit vom italienischen Ökonomen Loria in Frage gestellt. Allerdings folgten auch in Band 2 und 3 des Kapitals keine Rechtfertigung gegen die erhobenen Einwände und Engels wusste sich nur mit Denunziation zu helfen. Die Arbeitswertlehre wurde im weiteren Verlauf des 19Jh. mit den Arbeiten von Eugen von Böhm Bawerk, einem der Gründer der österreichischen Schule, "vollständig zerstört" (S. 449).

Der Autor zitiert Karl Japsers, der äußert, der Marxismus sei keine Wissenschaft, sondern eine Mythenschöpfung, die sich auf gewisse magische Vorstellungen stütze: Es handele sich auf um den Glauben daran, dass die Zerstörung der jetzt existierenden Welt zur Geburt des neuen Menschen führe.

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen. Der Autor gibt einen umfassenden Überblick zum Phänomen des Sozialismus und stellt mit einer Vielzahl von Zitaten und in großer Quellentiefe eine relevante Auswahl an Primär- und Sekundärliteratur zum Thema bereit.

Fünf Sterne.
4 reviews
May 4, 2020
Wer wie ich wirklich wissen will was Sozialismus ist sollte dieses Buch lesen.
Toller historischer Überblick mit Liebe zum Detail. Die Folgerungen die der Autor zieht sind so präzise wie man sie von einem Mathematiker erwartet. Sehr empfehlenswert !
Profile Image for Pwyllugh.
201 reviews10 followers
March 6, 2021
Sehr, sehr interessant was das erste zwei Drittel angeht. Ich wusste gar nicht, wie verbreitet der Sozialismus im Grunde schon seit den ersten Zivilisationen verbreitet war. Diesen Teil fand ich am spannendsten.
Displaying 1 - 4 of 4 reviews

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