Demographisch, demokratisch, kulturell, moralisch und ökonomisch zehrt der Westen heute von der Vergangenheit. Und lebt auf Kosten der Zukunft. So ist das im Sozialismus. Immer. Der russische Mathematiker und Philosoph Igor Schafarewitsch erklärt in seinem lange vergriffenen Klassiker "Der Todestrieb in der Geschichte", warum jeder neue sozialistische Menschenversuch - und es gab im Laufe der Jahrhunderte viele - immer wieder aus vier Komponenten besteht, nämlich der Zerstörung von Privateigentum, Tradition, Familie und Religion. Insofern sind zum Beispiel die millionenfache Abtreibung in den westlichen Staaten oder die Unterbringung von Kleinkindern in "Krippen" genannten staatlichen Verwahranstalten heute auch Indikatoren dafür, wie weit der "schleichende Sozialismus" (Roland Baader) bereits vorangepirscht ist. Igor Schafarewitsch analysiert wie kein anderer, warum Sozialismus immer kulturzerstörerisch sein will und wirken muss und am Ende immer eins Tod! Dieses Buch ist längst mehr als ein Geheimtipp im Lager der so heterogenen Antisozialisten - und alle dürfen sich auf Igor Schafarewitsch Liberale und Libertäre, Konservative und Reaktionäre sowie orthodoxe und andere traditionsbewusste Christen. Mit einem aktuellen, in die heutige europäische Situation einordnenden Vorwort von Dimitrios Kisoudis.
Kurzmeinung: Unterschätzt! Viel Diskussionsstoff! 14 S. Kisoudis-Vorwort! Sehr breitbandig: Altes Ägypten, Inkas, Nietzsche, Religion, Ideologien...! Hochaktuell für EU, USA...! Münden neoliberaler Kapitalismus & Totalitarismus-orientierter (Schein)Sozialismus in die gleichen oder die selben (Bertha Dudde, Jakob Lorber!) (Groß)Katastrophen (2025-33!)? "Für den heutigen [negativkonformistischen?] Leser sind die offensichtlichen Parallelen zu den aktuellen [Endzeit- & Weltkriegs-]Entwicklungen in der EU [USA...] verstörend!" (Thomas Punzmann, 2019, theeuropean.de), "...zehrt der "Westen" [USA..] heute von der Vergangenheit. Und lebt auf Kosten der Zukunft!", die m.E. 7 Jahre nach dem 3.WK 2033 ein Ende haben wird (Gerd Gutemann, Kurt Eggenstein, M Kahir)!
1) Fazit: a) Jetzt hochaktuell für die "gänzlich entartete Menschheit" (Bertha Dudde, Jakob Lorber), v.a. für das selbstmörderische Konkurrenzsystem, d.h. für die "terroristische USA" (Noam Chomsky), EU, Israel,...! Das war für den philosophischen, "brillianten" Mathe-Prof. nicht absehbar!
b) Sehr bedenkenswerte Frage, die aber bereits umfangreich klar beantwortet wurde: Münden neoliberaler Kapitalismus & Totalitarismus-orientierter (Schein)Sozialismus in die gleichen oder die selben (Bertha Dudde, Jakob Lorber!) (Groß)Katastrophen?
c) "Für den heutigen [negativkonformistischen?] Leser sind die offensichtlichen Parallelen zu den aktuellen [Endzeit- & Weltkriegs-]Entwicklungen in der EU [USA...] verstörend!" ( Thomas Punzmann, 2019, theeuropean.de)
d) "..zehrt der "Westen" [USA..] heute von der Vergangenheit. Und lebt auf Kosten der Zukunft!", die m.E. 7 Jahre (Buch Daniel) nach dem 3. Weltkrieg 2033 ein Ende haben wird (Gerd Gutemann, Kurt Eggenstein, M Kahir)!
e) "Knapp ein Jahr, nachdem der Krieg gegen den Terror in den Trümmern Afghanistans offiziell für beendet erklärt wurde, erleben wir, wie im Namen der Freiheit in einem Land nach dem anderen die Freiheiten der Menschen beschnitten und Bürgerrechte zum vorgeblichen Schutz der Demokratie aufgehoben werden. Jegliche Form des Andersdenkens wird als »Terrorismus« definiert. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, seine Aufgabe im "Krieg gegen den Terror" bestehe darin, die Welt davon zu überzeugen, daß es den [US]Amerikanern gestattet werden müsse, ihren Lebensstil zu erhalten!" S. 433, "Fahrenheit 9/11 - Das Buch" von Michael Moore, lovelybooks
2) Hilfreiches a) kostenlos: eBuch: Igor Shafarevich: "The Socialist Phenomenon": archive.org de.wikipediam Igor Rostislawowitsch Schafarewitsch: "1959 erhielt Igor Schafarewitsch den Leninpreis.[4] 1960 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[5] 1962 hielt er einen Plenarvortrag auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Stockholm (Algebraische Zahlkörper) und 1970 war er Invited Speaker auf dem ICM in Nizza (Le theoreme de Torelli pour les surfaces algebriques de type K3). 1973 erhielt er den Dannie-Heineman-Preis (Göttingen) der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Algebra und Zahlentheorie.[6] 1974 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences und die National Academy of Sciences[7] gewählt. Ebenfalls 1974 wurde er Ehrenmitglied der London Mathematical Society. In seinem Todesjahr 2017 erhielt er die Leonhard-Euler-Goldmedaille."
b) Rezensionen & Zitate: siehe unten
c) yt-Videos youtu.be: "Buchbesprechung: Igor R. Schafarewitsch, Der Todestrieb ... des Sozialismus" youtu.be: "Markus Krall: Der Todestrieb des Sozialismus (ef-Zukunftskonferenz 2019, Teil 1)" youtu.be: "Der Todestrieb in der Geschichte: Was ist eigentlich Sozialismus? (Herrengedeck 63)" youtu.be: "Ideologie des Zerfalls" & "Frankfurter Schule": Markus Krall: "Noch haben [DE, EU!] wir einen "weichen Sozialismus"!: youtu.be: Markus Krall erklärt den Sozialismus
d) Paßende Literatur-Empfehlungen: Markus Krall: "Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen" Glenn Diesen: Russophobia: Propaganda in International Politics Timo Storck: "Der Todestrieb und die Lebenserscheinungen - Endlichkeit als Möglichkeitsbedingung von Befriedigung", klett-cotta.de
e) "Anmerkungen zum Vorwort von Dimitrios Kisoudis I Igor Schafarewitsch: "Der Sozialismus", in: Alexander Solschenizyn u.a. (Hg.): "Stimmen aus dem Untergrund. Zur geistigen Situation in der UdSSR", Darmstadt und Neuwied 1975, S. 33-75, hier: S. 52. Im russischen Original wurde der Sammelband 1974 in Paris, in englischer Übersetzung unter dem Titel ."From Under the Rubble" 1975 in Boston veröffentlicht. 2 Diese Gedanken finden sich in einem 1978-82 ausgearbeiteten, seit 1987 zirkulierenden und 1988 in München veröffentlichten Pamphlet, in deutscher Ausgabe: Igor Schafarewitsch: Russophobie. Das Kleine Volk und die Russen", Berlin 1995, S. 10 ff.
3) Rezensionen & Kurzmeinungen a) theeuropean.de: Thomas Punzmann, 2019: "Erlösungsideologien...": Text siehe unten b) sezession.de: Sophia Gatzmaga, 2017: Text siehe unten
zu a) theeuropean.de: Thomas Punzmann, 2019: "Erlösungsideologien... Igor Schafarewitsch beschreibt in seinem Buch „Der Todestrieb in der Geschichte“ die historische Entwicklung einer sozialistischen, kollektivistischen Selbstlosigkeit, die sich unter dem Deckmantel inhaltsloser Motive tarne. Die Parallelen zu aktuellen Entwicklungen in der EU seien verstörend, meint Thomas Punzmann. Das Leben ist schön. Aber endlich. Diese Erkenntnis führte sehr früh und zwingend in der Geschichte der Menschheit zur Frage, was denn nach dem Tode wäre. Man half sich, wie eigentlich immer, wenn etwas unklar ist, mit einem gedanklichen Hilfskonstrukt. Das Bekannte nannte man, naheliegenderweise, die materielle Welt und das andere, über das man nur spekulieren konnte, die Geistige. Aber damit begannen die Probleme eigentlich erst. Weiß man in der geistigen Welt, was der Einzelne in der materiellen Welt angestellt hatte? Wie würde das von wem bewertet werden? Wie lange ist unendlich? Fragen über Fragen und die meisten waren dringend und halfen nicht im Geringsten, die Angst vor dem Tode zu mildern. Der erste Gedanke, den materielle Menschen hier haben, ist der materielle Ausgleich. Doch mit wem sollte man sich wie vergleichen? In einer immer arbeitsteiligeren Welt fand sich jedoch schnell eine Lösung. Bald waren spezialisierte Dienstleister zu Stelle, Seher, Schamanen, Druiden und Priester, die behaupteten über die geistige Welt Bescheid zu wissen. Sie gaben sogar an, mit dieser jenseitigen Welt in Kontakt zu stehen und würden gerne gegen eine Gebühr - eigentlich mehr eine Aufwandsentschädigung – helfend und vermittelnd tätig werden. Mit dieser individuellen, liberalen Art der Schuldbewältigung waren aber nicht alle zufrieden. Diese Unzufriedenen dachten darüber nach, wie sie ihr Geld sparen könnten und trotzdem in den erhebenden Genuss der moralischen Erlösung gelangen könnten. Sie kamen auf eine Methode, die verblüffend einfach und bis heute erfolgreich ist: Den Kollektivismus. Sie dachten nicht an sich, sondern an alle, genau gesagt an die anderen. Deren Eigentum würde zum gemeinsamen Eigentum, über das sie, die Kollektivisten, selbstverständlich zum Wohle aller, verfügen würden. Familien und Religion würden auch nicht mehr gebraucht, denn auch hier übernähme das Kollektiv, also wieder sie, diese Aufgaben. Geplant würde das alles von einer Elite von Wenigen, niemandem Rechenschaft schuldenden Allwissenden, die im Vorhinein bestimmten, wer wann was bekäme und täte. Das Paradies, die Erlösung war jetzt zum Greifen nahe. Damit waren schon die ersten moralischen Pluspunkte gewonnen. Ein neuer Typus Mensch würde geschaffen werden und mit ihm eine bessere Welt. Aber wie denkt man nun an andere? Nun man wünscht sich, dass es ihnen gut geht. Gut geht es ihnen aber nur, wenn sie nicht machen, was schlecht für sie ist. Und das erreicht man durch Erklären. Man erklärt es geduldig und immer wieder. Reicht das nicht, erklärt man es noch besser und sollte das auch nicht reichen greift man zum Zwang. Denn der Mensch ist oft beratungsresistent und da gerät auch professionellste Indoktrinierung schnell an ihre Grenzen und das Wohlergehen der anderen ist ja nun alternativlos. Genügt das alles nicht, geht man auch gerne weiter. Bis zum Ende, dem physischen Ende der anderen. Ihr Eigentum hat man ja bereits. Igor Schafarewitsch beschreibt in seinem Buch „Der Todestrieb in der Geschichte“ die historische Entwicklung dieser sozialistischen, kollektivistischen Selbstlosigkeit. Er beginnt bei den Gnostikern, Manichäern, Paulizianern und Bogomilen, beschreibt die Gewaltorgien der Hussiten, Katharer, Albingenser, sowie der Wiedertäufer und spannt den Bogen bis zu den schrecklichen kollektivistischen Experimenten des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt, was all diesen Erscheinungen gemeinsam ist: Kein Eigentum, keine Familie, keine Religion und statt individueller Freiheit, Plan- und Zwangswirtschaft und das alles unter dem wunderbaren inhaltsleeren Motto der Gleichheit. Für den heutigen Leser sind die offensichtlichen Parallelen zu den aktuellen Entwicklungen in der EU verstörend. "
zu b) sezession.de: Sophia Gatzmaga, 2017: Wenn jemand das Unglück hat, ein politisches Großexperiment als menschliches Versuchskaninchen ungefragt durchmachen zu müssen, kann er sich auf zweierlei Weise dazu verhalten. Er kann dem Gesamtbau der Versuchsanlage einen quasielementaren Charakter zumessen. Dann wird er all ihre Unstimmigkeiten »sehen ohne zu sehen«, wodurch er vorbehaltlos in der Anpassung seiner selbst an die alltäglichen Erfordernisse der Kulissenwelt verwegener Sozialingenieure aufzugehen vermag. Er kann andererseits die Webfehler nicht nur wahrnehmen, sondern über sie auch ins Nachdenken geraten. Wenn sich zu einer solchen unbeirrbaren Wahrnehmung noch der messerscharfe Verstand eines reich begabten Geistes gesellt, kommt dabei ein einzigartiges Buch wie Igor R. Schafarewitschs Der Todestrieb in der Geschichte heraus.
Anders als der Titel es vermuten ließe, wildert hier kein Schwatzfachwissenschaftler auf psychoanalytischem Terrain. Vielmehr präsentiert hier ein Gelehrter alten Schlages das Ergebnis seines jahrelangen Nachdenkens und Diskutierens über die Frage: Was ist hier eigentlich los? Als brillanter Mathematiker, der früh Bahnbrechendes in seiner Disziplin geleistet hat, ging Schafarewitsch (Jahrgang 1923) bei der Suche nach einer befriedigenden Antwort äußerst gründlich vor. Seine profunden historischen Kenntnisse, seine Belesenheit und sein literarisches Talent ermöglichten es ihm, ein als Aufsatz konzipiertes Thesenpapier zu einem umfangreichen Buch zu erweitern, das seinen Leser von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann schlägt. In den ersten Abschnitten spannt Schafarewitsch den Bogen seiner Betrachtung über gut 4000 Jahre Menschheitsgeschichte. Sozialistische Lehren in Gestalt der mittelalterlichen Ketzer-bewegungen, neuzeitlichen Utopien und des Aufklärertums stellt er ebenso ausführlich vor wie den Sozialismus als Praxis gesellschaftlichen Zusammenlebens, wie er im Staatssklaventum zentralistischer Reiche für Jahrtausende im Alten Orient und im vorkolumbianischen Amerika bestanden hat – ein wahrlich globaler Maßstab!
Im dritten Abschnitt arbeitet Schafarewitsch in bester russischer Tradition des nüchternen wie radikalen Zuendedenkens aus den öffentlichen wie privaten Äußerungen von Ideologen, Predigern und Revolutionären des politischen Sozialismus vier Grundzüge des Sozialismus heraus: die Aufhebung von Privateigentum, Familie, Religion und gesellschaftlicher Unterschiede. Er legt dabei stimmig dar, daß diese Bestrebungen von einem Grundprinzip, der Herstellung von Gleichheit, abgeleitet sind. Schafarewitsch zufolge zielt der Sozialismus in all seinen Erscheinungsformen und Maßnahmen auf die Uniformierung ab, auf die Schräubchenwerdung des Einzelnen in der Staatsapparatur.
Einer Erklärung bedarf jedoch die Attraktivität von Lehren, die auf die letztliche Vernichtung des Menschen abzielen. Schafarewitsch kann sich dieses Rätsel nur damit erklären, daß er in den sozialistischen Bestrebungen Einzelner wie ganzer Gesellschaften Manifestationen einer beständigen historischen Elementarkraft sieht, eine Art immanenten Trieb im Menschen, der unbewußt nach Befriedigung drängt und auf jedes Hindernis mit gesteigertem Appetenzverhalten reagiert. Hier verbirgt sich Schafarewitschs wohl verstörendster Befund, der dazu angetan ist, beide Grunddogmen der Gegenwart, den naiven Fortschrittsglauben und das Axiom von der ewigen Wiederkehr des Gleichen, zu erschüttern. Der zerstörerische Siegeszug jener wütend-regressiven Reaktion auf das freiheitliche Denken und seine Lebensordnung, der spätestens seit 1917 weltweit in der Wiedererrichtung des Staatssklaventums gipfelt, zeigt, daß eine Errungenschaft wie die Entstehung der Lehre von der Würde und dem Wert des Einzelnen und seiner freien Entfaltung keineswegs spontan oder naturnotwendig auftauchen, sondern einmalige, zerbrechliche schöpferische Leistungen des menschlichen Geistes sind.
Den einzigen Ausweg aus der menschenmörderischen Regression in den Sozialismus bietet daher nicht das Abwarten der nächsten Raddrehung oder eines hoffentlich baldigen Pendelschwungs, sondern der Willensakt des Einzelnen, dagegenzuhalten (und sei’s umständehalber auch nur innerlich).
Einerlei, wie weit man Schafarewitsch in seinen vielschichtigen Überlegungen folgen kann und mag, die Beschäftigung mit seinen Gedankengängen lohnt sich schon wegen des umfangreichen Materials an Fakten. Deshalb ist es erfreulich, daß der Lichtschlag Verlag dieses Buch einer interessierten Leserschaft wieder zugänglich gemacht hat. In seinem kundigen Vorwort bietet Dimitrios Kisoudis eine Fülle von Angaben zu Leben, Denken und Wirken Schafarewitschs, die zum tieferen Verständnis seiner Auseinandersetzung mit dem Sozialismus beitragen und helfen, den Wert seines »Todestriebes in der Geschichte« zu ermessen. Gut vierzig Jahre nach seinem Entstehen unter Samisdatbedingungen ist die Bedeutung dieser radikalen Analyse ungebrochen – zumal die Welthistorie nach ihrem lautverkündeten Ende inzwischen spürbar an Fahrt gewonnen hat.
4) Zitate aus dem Rezensionsbuch (hier ist es die inhaltsidentische 1980-er Ullstein-Ausgabe mit 369 S., der aber das hilfreiche 14-Seiten-Vorwort von S. 324: "Wir sehen, daß alle Elemente des sozialistischen Ideals - die Aufhebung des Privateigentums, der Familie, der Hierarchie, die Feindschaft gegenüber der Religion - als Äußerung eines einzigen Prinzips, der Unterdrückung der Individualität, betrachtet werden können. Dieses Prinzip läßt sich anschaulich in Aktion beobachten, wenn man die charakteristischsten Züge zusammen stellt, die in der sozialistischen Theorie oder Praxis über zweiein halb Jahrtausende hinweg, von Platon bis zur Berliner »Kom mune Eins«, aufgetreten sind, und wenn man aus ihnen das Modell der »idealen«, wenn auch nie verwirklichten, sozialistischen Gesellschaft konstruiert: gleichförmig angezogene Menschen, deren Gesichter einander sogar ähneln; ein Leben in kasemenarti- gen Gemeinschaftsunterkünften; Arbeitszwang und danach Essen und Entspannung in denselben Arbeitseinheiten..."
Da schon viele Aspekte von anderen Rezensenten besprochen wurden, werde ich hier nur auf den "wissenschaftlichen" Sozialismus eingehen, den der Autor als eine der Betrachtungsweisen des Sozialismus in Teil III (S.325) des Buches ausweist.
Es ist jenes Gewand, in welches die marxistische Lehre den Sozialismus aufgrund der immer stärker werdenden Bedeutung der Wissenschaften ("Wissenschaftskult") des 19.Jh. gedrückt hat, um ihm den nötigen objektiven Charakter zu verleihen. Der Sozialismus brauchte die wissenschaftliche Fassade als Legitimation.
Marx und Engels orientierten sich dabei an ihrem geistigen Vorläufer Charles Fournier, der ebenfalls schon versucht hatte, eine soziale Analyse auf Basis der Geometrie zu entwerfen, die so exakt sein sollte, wie die Newtonsche Physik; also den gleichen wissenschaftlichen Charakter besitzen sollte. Sie ahmen den Stil einer wissenschaftlichen Abhandlung zwar unvergleichlich besser als Fournier nach, scheitern aber in gleicher Weise. Fourniers Ausführungen kann man getrost als völlig absurd bezeichnen.
Schafarewitsch argumentiert, in den Werken des Marxismus herrsche keine Atmosphäre vor, die für wissenschaftliche Forschung charakteristisch wäre. "Den Hauptwerken des Marxismus ist das entscheidende Merkmal wissenschaftlicher Arbeit fremd: das kompromisslose Streben nach Wahrheit um ihrer selbst willen."
Zwar werde die objektive Einstellung immer wieder proklamiert, dann aber doch unverzüglich der politischen Agitation untergeordnet. Zwar finde man Tabellen und Anmerkungen, jedoch werden die zentralen Thesen der Theorie deklariert und nicht deduziert.
Der Grundbaustein, auf den sich die politische-ökonomische Theorie gründet, die Arbeitswerttheorie, wurde schon zur damaligen Zeit vom italienischen Ökonomen Loria in Frage gestellt. Allerdings folgten auch in Band 2 und 3 des Kapitals keine Rechtfertigung gegen die erhobenen Einwände und Engels wusste sich nur mit Denunziation zu helfen. Die Arbeitswertlehre wurde im weiteren Verlauf des 19Jh. mit den Arbeiten von Eugen von Böhm Bawerk, einem der Gründer der österreichischen Schule, "vollständig zerstört" (S. 449).
Der Autor zitiert Karl Japsers, der äußert, der Marxismus sei keine Wissenschaft, sondern eine Mythenschöpfung, die sich auf gewisse magische Vorstellungen stütze: Es handele sich auf um den Glauben daran, dass die Zerstörung der jetzt existierenden Welt zur Geburt des neuen Menschen führe.
Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen. Der Autor gibt einen umfassenden Überblick zum Phänomen des Sozialismus und stellt mit einer Vielzahl von Zitaten und in großer Quellentiefe eine relevante Auswahl an Primär- und Sekundärliteratur zum Thema bereit.
Wer wie ich wirklich wissen will was Sozialismus ist sollte dieses Buch lesen. Toller historischer Überblick mit Liebe zum Detail. Die Folgerungen die der Autor zieht sind so präzise wie man sie von einem Mathematiker erwartet. Sehr empfehlenswert !
Sehr, sehr interessant was das erste zwei Drittel angeht. Ich wusste gar nicht, wie verbreitet der Sozialismus im Grunde schon seit den ersten Zivilisationen verbreitet war. Diesen Teil fand ich am spannendsten.