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Auf dem Jerusalemweg: Eine außergewöhnliche Pilgerreise: Aus dem Herzen Europas zu Fuß nach Jerusalem

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Mit zwei Reisegefährten macht Johannes Aschauer sich im Sommer 2010 auf die rund 4500 Kilometer lange Wanderung von Oberösterreich bis nach Jerusalem. Auf ihrem Weg durch zehn Länder folgen die Pilger den Spuren der Kreuzzüge, wandeln auf den Wegen des Apostels Paulus und den historischen Pfaden ins Heilige Land. Sie durchqueren u.a. Serbien, den Kosovo, die Türkei und, über eine Strecke von fast 500 Kilometern, Syrien noch vor Ausbruch des Bürgerkriegs. Ihre Erlebnisse werden zu einem eindrucksvollen Bericht, reich an kulturellen Hintergründen und spirituellen Erfahrungen. Und der gleichnamige »Jerusalemweg« zum einzigartigen internationalen Friedensprojekt.

320 pages, Paperback

First published October 15, 2013

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July 31, 2024
ASCHAUER, Johannes: „Auf dem Jerusalemweg“, Wien Graz Klagenfurt 2012
Es liegt schon über ein Jahrzehnt zurück, dass drei Männer – Johannes Aschauer (der Autor des Buchs), Otto Klär und David Zwilling von einem oberösterreichischen Dorf den Fußweg nach Jerusalem starteten. Zwei Polizisten, die sich eine Auszeit genommen haben und der ehemalige Schirennläufer und Abfahrtsweltmeister David Zwilling. 4500 Kilometer sind sie in einem halben Jahr gegangen. Im Juni 2010 sind sie gestartet und Weihnachten feierten sie in Betlehem. Sie querten dazu zehn Länder und hatten von extremer Hitze bis zu Kälte alle Wettersituationen erlebt.
In Österreich haben sie 230 Kilometer zurückgelegt. In Wien, der Hauptstadt wurden sie sowohl im für die Polizei zuständigen Ministerium als auch vom Landeshauptmann und kirchlichen Würdenträgern empfangen. Die beiden Polizisten hatten ja für diese Auszeit eine Dienstfreistellung. Als Polizisten hatten sie auf ihrer Wanderung oft Vorteile, wenn es um Grenzkontrollen und Polizeikontakt ging. Wurden sie angehalten und kontrolliert, haben sie sich deklariert und meist von den ausländischen Kollegen eingeladen. Aus der Kontrolle wurde ein internationaler Meinungsaustausch.
Die ungarische Strecke über 420 Kilometer kennen wahrscheinlich viele Leser und Leserinnen vom Radfahren und dem Donau-Radweg. Zu Fuß ging es natürlich wesentlich langsamer.
Bei der Querung Serbiens – 450 Kilometer – besuchten sie viele Köster und nannten diesen Teil auch „Klosterweg“.
In den Kosovo kamen sie vom serbischen Teil über Mitrovica und die oft umkämpfte Brücke. Nach der Hauptstadt Pristina wurde auch das serbisch-orthodoxe Kloster Gratschanitza besucht. Nicht immer wurden sie auf ihrem Weg von den orthodoxen Klöstern oder Pfarrern freundlich aufgenommen. Am Weg haben sie daher immer primär nach katholischen Pfarren gesucht und so stießen sie im Kosovo auch auf eine große Pfarrei in Letnica. Hier haben sie auch oft kostenlos Quartier bekommen. Manchmal sogar unerwartet mit hoher Qualität und Einzelzimmern, was bei einem Schnarcher in der Dreiergruppe den anderen eine stille Nacht verschaffte.
In größeren Städten nahmen sie sich ein Taxi, um ein Quartier zu finden und um sich im Gewirr einer Großstadt nicht unnötig zu verirren. Zu Fuß gegangene Kilometer sind kostbarer als jene in einem Auto. Von einem fixen Quartier aus, wurden dann auch Erkundungsfahrten gemacht. So etwa in Skopje, wo sie auf den Gipfel eines Berges fuhren, auf dem eines der weltweit größten Milleniumskreuze mit einer Höhe von 66 Metern steht. Mazedonien wurde mit einer Strecke von 200 Kilometern gequert. Doppelt so lange war es dann in Griechenland, wo sie zuerst entlang des Flusses Varna bis Kavala kamen. Kavala war wieder für sie als Pilger wichtig, weil hier auch der Apostel Paulus aktiv war und sie wanderten teilweise auf seinen Spuren.
Für Abwechslung sorgten auch manchmal Verwandte, die entlang der Wanderstrecke Urlaub machten und es so zu einem Zusammentreffen kam.
Die längste und wahrscheinlich anstrengendste Wanderstreck war dann durch die Türkei über 1800 Kilometer und bei der Querung des Taurusgebirges mit vielen Höhenmetern. Hier gesellte sich ein Wegbegleiter zu ihnen. Zu Beginn war er ein kläffender Hund, der ihnen in einem kleinen Rudel Angst machte. Letztlich wanderte er aber viele hunderte Kilometer mit den Pilgern mit. Als sie ein Stück mit einem Boot zurücklegten, fanden sie einen Wirten, der den Hund aufnehmen wollte. So verabschiedeten sie sich von ihrem treuen Weggefährten. Als dann aber das Boot ablegte, sprang der Hund ins Wasser und schwamm ihnen nach. Er wurde ins Boot gezogen und marschierte weiter mit. Erst als sie dann das Meer verließen und landeinwärts zogen, blieb er zurück und schloss sich wieder einem Hunderudel an.
Der Autor des Buches beschreibt auch Sehenswürdigkeiten wie Ephesus, die sie besichtigten, aber beeindruckend sind doch die vielen kleinen Begegnungen, die normale Touristen nicht erleben.
Beim Lesen erfährt man auch von türkischen Städten, die man noch nicht kennt. Gewandert wurde sechs Tage und am siebenten Tag wurde geruht. „Neben den üblichen Dingen, die uns meist an einem Ruhetag „begleiteten“(Ausschlafen, Tagebuch, Besichtigungen, Webseite, Fotos sortieren …) nutzten wir die Zeit …“ (Seite 222)
Manchmal fanden sie kein geeignetes Quartier. Ihr Zelt haben sie schon in Skopje nach Hause geschickt und so das Gewicht ihres Rucksacks reduziert. Dann nahmen sie einen Bus oder ein Taxi, um in den nächsten größeren Ort zu fahren, wo sie ein Hotel fanden. Am nächsten Tag fuhren sie wieder zurück und gingen die am Vortag gefahrene Strecke zu Fuß. Kein Kilometer wurde ausgelassen.
Das Zusammensein in einer Dreiergruppe stellt auch gruppendynamische Herausforderungen dar. Teile der Strecke gingen sie allein in großem Abstand hintereinander, wobei jeder eine bestimmte Funktion übernahm. „Meistens stellen Otto oder David den Schlussmann und ich gehe voran. So können die beiden fotografieren oder filmen, ohne dass einer von uns durchs Bild „läuft“. Und ich kann mit Hilfe der Landkarten und der schriftlichen Aufzeichnungen, in Verbindung mit GPS und Kompass vorausblickend die Route im Auge behalten.“ (Seite 244)
Als sie dann durch das arabische Syrien kamen, gaben sie etwa als Ziel Petra an, um nicht in einen Konflikt zwischen Araber und Juden zu kommen. Ähnlich erging es mir bei meiner Radfahrt in den Kosovo, wo ich in Serbien sagte, ich würde zum Athos fahren und nicht in den Kosovo. Petra besuchte übrigen David allein, weil er am Ende der Reise auch früher heimfliegen musste.
In Syrien war es vor allem Aleppo und Damaskus, die beeindruckten. In Damaskus waren sie Gäste der österreichischen Botschaft und der Konsul kochte für sie auch österreichische Gerichte. Von der Hauptstadt aus besuchten sie auch das österreichische Bundesheer auf den Golanhöhen. Die Wegstrecke durch Syrien betrug 500 Kilometer. Jetzt waren sie ihrem Ziel schon denkbar nahe gekommen. Als Leser fiebert man mit und stellt sich die Frage „Werden es alle schaffen?“ Wie bei einem Kriminalroman kennt man den Ausgang noch nicht.
Grenzübertritte waren oft nicht einfach, weil das Niemandsland militärisches Sperrgebiet war, wo man nicht zu Fuß gehen durfte. Manchmal mussten sie für diese wenigen Kilometer ein Taxi anheuern. Oft aber nahm sie ein Auto mit. So kamen sie auch nach Jordanien. Von Amman aus besuchten sie Sehenswürdigkeiten wie den Berg Nebo, von dem aus man das Ziel Jerusalem schon sehen kann. Auch gingen sie hinunter zum Jordan zur Stelle, an der Johannes der Täufer gewirkt hatte und badeten im Toten Meer. Im Vergleich zu den Strecken der vorangegangenen Länder waren die 160 Kilometer auf jordanischem Boden schon gering und auch war das Ziel schon greifbarer geworden.
Der Übergang von Jordanien nach Israel stellte andere Anforderungen und Otto musste viele Stunden warten, bis er passieren durfte. In Israel gab es viele Checkpoints, bei denen sie kontrolliert und befragt wurden. Immer wieder Übergänge zwischen Palästinensergebieten und Israel.
In Betlehem wollten sie Weihnachten feiern und die Mette besuchen. Lange vorher haben sie schon Eintrittskarten für diese Messfeier besorgt. Als sie dann die Karten abholen wollten, sagte man ihnen, dass diese in einem Büro in Jerusalem liegen würden. Das langersehnte Ziel war in Gefahr, aber wie oft in solchen Situationen gab es einen guten Ausgang und sie bekamen Ersatztickets. Hier waren die Frau und der Sohn von David nachgekommen und gemeinsam besuchten sie die Christmette. Ihr Quartier hatten sie einige Kilometer außerhalb von Betlehem bezogen und andächtig gingen sie dann zu ihrem Ziel. „In diesem Augenblick sind das Gefühl der Freude und die resultierende Glückseligkeit unermesslich.“ (Seite 355)
Am nächsten Tag, ihrem 186. Pilgertag, gingen sie nach Jerusalem, wo sie im österreichischen Hospiz wohnten. David und seine Familie mussten aus dienstlichen Gründen heimfliegen.
Jeder Mensch, der sich für Wandern, Radfahren interessiert und manchmal längere Strecken unterwegs ist, findet an dem Buch Gefallen. Der Autor erzählt die Erlebnisse am Weg und gibt auch kurze historische Erklärungen zu den einzelnen Stationen. Auch das Bildmaterial im Buch ist eine sehr schöne Ergänzung beim Lesen. So eine Strecke bewältigt zu haben setzt Glückhormone frei, die hier mit zwei Zitaten beschrieben werden sollen:
„Trotz der Strapazen kann ich nur sagen, dass diese Pilgerreise ein Geschenk für Körper, Geist und Seele ist.“ (Seite 230)
„Der Traum wurde zur Realität, und wenn ich einen allerletzten Wunsch hätte, würde ich mir wünschen, dass dieser Augenblick unendlich und ewig währt.“ (Seite 373)
PS: Heute wäre durch das bestehende Kriegsgewirr so eine Pilgerfahrt nicht so leicht möglich sein. Die Homepage der drei Wanderer (www.jerusalemweg.at) beweist aber in einem Eintrag, dass man auch durch diese Wirren wandern kann: eine Österreicherin erreichte im April 2024 Jerusalem.
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