Deutschland Mitte des Siebzehnten Jahrhunderts: Das Land ist gezeichnet von den Folgen des sich ewig hinziehenden Konflikts, den Historiker später den Dreißigjährigen Krieg taufen werden. Das Ziel des Krieges mit seinen vielen Nebenschauplätzen ist längst unklar geworden: Schweden, Dänen, Holländer, Franzosen, Deutsche ziehen in zersplitterten Armeen eine Spur der Vernichtung hinter sich her. Wer nicht durch die Pest dahingerafft wird, stirbt im Gefecht oder am Galgen. Ganze Landstriche sind entvölkert, die Menschen kämpfen gegen Hungersnöte und Seuchen. Jeder kämpft für sich allein ums Überleben. So auch die Geschwister Krainer, Jakob und Johanna, die im Winter des Jahres 1646 gen Westen ziehen. Dort, hofft Johanna, die sich als Bursche unter dem Namen Harald ausgibt, wird es ein Regiment geben, das sie als Soldat in Lohn und Brot nehmen wird. Den Bruder will sie in einer Schreibstube unterbringen. Doch vor dem unsicheren Ziel liegt ein beschwerlicher Weg, der nicht nur äußerlich an den Kräften der beiden Kinder zerrt und sie immer mehr von aller Menschlichkeit und Moral isoliert. So weit, bis selbst ihr Zusammenhalt zu brechen scheint…
Lukas Kummer erzählt eine historisch versierte Anti-Kriegsgeschichte, die keine erbauenden Schlachten oder verklärte Heldenromantik zulässt, sondern einzig und allein von den Opfern des Krieges erzählt. In einer Spirale nihilistischer Brutalität lässt er dabei das Unausweichliche geschehen, wie es sonst nur Cormac McCarthy oder Joseph Conrad beschreiben.
Ich mochte den Zeichenstil des Graphic Novel, ebenso die altertümlichen Wörter, die das Geschwisterpaar benutzen. Die Geschwister sind Deserteure im 30-Jährigen Krieg - eine außergewöhnliche Zeitkulisse, über die mehr Geschichten erzählt werden sollten. Und bessere. Denn "Die Verwerfung" hat mir nichts Neues gegeben. Der Roman zeigt die Grauen des Krieges und was diese mit Menschen machen können anhand der beiden Deserteure, die sich durch ein kaltes und vom Krieg gebeuteltes Deutschland ziehen. Vergleiche zu "The Road" von C. McCarty liegen gleichzeitig nahe und sind eine ungehörige Anmaßung. Der Autor scheint nicht viel zu sagen haben, außer: Seht wie schlimm Krieg sein kann! So zeigt er alle unvorstellbaren Schreckenstaten, die Menschen einander antun kann. Schon tausendmal in Filmen und Bücher gehört, gesehen und mitgelitten. Und: Die Geschichte geht einem einfach nicht nahe, denn nur aus Grauensbildern kann man keine Geschichte erzählen.