Lebensmittelskandale, EU-Subventionen, Die Landwirtschaft ist in Verruf geraten. Bauern werden als engstirnige Hinterwäldler abgestempelt oder geraten als rücksichtslose Naturräuber in Verruf. Doch was steckt wirklich hinter der Legende vom gierigen Bauern? Wer melkt unsere Kühe, erntet unser Getreide und pflückt unsere Äpfel? Wie kann es sein, dass 500 Gramm Katzenfutter mehr kosten als ein ganzes Huhn? Und hat eigentlich jemals einer von uns »mündigen Verbrauchern« mit einem Bauern darüber gesprochen? Lassen wir ihn doch einfach selbst zu Wort Wutbauer Willi schreibt über faire Preise, gesundes Essen und erklärt, wo der Bauer Urlaub macht, wenn wir Urlaub auf dem Bauernhof machen.
Die Landwirtschaft steht stark in der Kritik: Von Lebensmittelskandalen, steigenden Preisen (wegen der nicht enden wollenden Gier), Gentechnik, Pestiziden, Überdüngung, Monokulturen, Massentierhaltung (und damit verbundener Tierquälerei) bis hin zu immer mehr Subventionen – Landwirte haben keinen guten Ruf. Auch wenn man Fernsehformate betrachtet, in denen sich wenig gebildete Bauern in Gummistiefeln und Mistgabel in der Hand, einem kleinen, ärmlichen und unordentlichen Hof mit unterschiedlichen Tieren, so ist das vermittelte Bild auch nicht gerade ein sympathisches Bild. Die Verbraucher kritisieren immer mehr an den Bauern, möchten preiswerte Lebensmittel auf der einen, qualitativ hochwertige Produkte jedoch auf der anderen Seite. Da der Weg vom Bauern bis zum Konsumenten aber immer länger wird und somit der direkte Kontakt von Erzeuger zu Kunden nur noch in den aller seltensten Fällen gegeben ist, fällt ein Austauschen und Zusammenarbeiten beider Parteien denkbar schwer. Deswegen wendet sich der Bauer Dr. Willi Kremer-Schillings mit seinem neuen Buch “Sauerei! Bauer Willi über billiges Essen und unsere Macht als Verbraucher” direkt an den Verbraucher, damit dieser versteht, was den Beruf des Landwirten wirklich ausmacht und in wie weit er als Mündiger, der er nun ist, etwas an der zur Zeit herrschenden Situation ändern kann. Denn das momentan etwas gewaltig schiefläuft ist offensichtlich: Dass 500 Gramm Katzenfutter mehr kosten als ein ganzes Huhn, da wird jeder zustimmen, ist unverhältnismäßig. Aber wie in dem Buch gesagt wird: “Wer ein Hähnchen für 2,79 Euro kauft, gibt an der Supermarktkasse das Recht ab, sich über Massentierhaltung zu beschweren.” Und so berichtet der Autor von der Seite des Bauern aus, wie es um faire Preise, unser nostalgisch-idyllisches Bild des Bilderbuch-Bauernhofes, gesundes Essen, Wirtschaftlichkeit, Vorurteile und die Mittelsmänner steht. Denn auch der Verbraucher sollte sein eigenes Verhalten reflektieren, um etwas ändern zu können, worum es auch im Buch geht.
Zu Beginn des Buches werden generelle Informationen zum Nahrungstrend gegeben (“billig, billig, billig”) und der Bauer als Unternehmer vorgestellt, der mit seinem Familienunternehmen auch wirtschaftlich bleiben muss, dafür mit anderen Bauern Geräte und Ähnliches teilt oder sich aber auch für den Tierschutz einsetzt. Im Anschluss daran werden die Ängste der Verbraucher, die gleichzeitig die Albträume der Bauern sind, behandelt. Ausführlich werden somit Themen wie Massentierhaltung, Genmanipulation, Überdüngung oder durch Subventionen abgestumpfte Bauern behandelt. Anschließend werden Nestlé, Aldi, Oetker, Rewe und Co. aber auch Kantinennahrung als lebenslanger Begleiter beschrieben. Außerdem wird erklärt, wie der Markt entscheidet, was geliefert wird. Nun folgt, was wir alle unternehmen können und müssen, welche Macht die Verbraucher haben. Des weiteren beschäftigt sich Dr. Willi Kremer-Schillings sich mit der Frage, ob er seinen Betrieb nun auf Bio umstellen sollte. Sehr interessant bei der Beantwortung dieser Frage war für mich auch folgende Befragung: 93 Prozent der Bewohner im Stadt- und Landkreis München behaupten, Bio einzukaufen, aber nur zwei Prozent des in Deutschland produzierten Fleisches stammt aus Biobetrieben. Für mich waren auch die Alternativen für Bauern sehr spannend, welche nur mithilfe der Verbraucher erreicht werden könnten und lauten: Direktvermarktung, Genossenschaften, Solidarische Landwirtschaft, Umsteigen auf Bio, andere Kulturen anbauen oder Greenwashing. Sie werden bündig und verständlich erläutert. Auch vor dem Thema Palmöl wird kein Halt gemacht, sodass ein sehr umfangreiches, verständliches und interessantes Bild vermittelt wird.
Dabei ist der Schreibstil derart fesselnd, da Dr. Willi Kremer-Schillings zum einen die perfekte Menge an Daten und anderen Informationen vermittelt und diese zum anderen mit herrlichem Humor präsentiert. Die 336 Seiten des Buches fliegen deswegen nur so dahin, man kann es kaum aus der Hand legen. Jeder der angesprochenen Punkte ist sehr interessant und es lohnt sich über jeden einzelnen von ihnen nachzudenken. Für mich war dieses Buch eine wirkliche Bereicherung! Ich bin vollkommen begeistert von der ehrlichen, humorvollen und gleichermaßen informierenden Art. Somit kann ich das Buch alles in allem sehr weiterempfehlen!
Das Buch vermittelt Einblicke in das Leben eines Landwirtes, seine Aufgaben und Herausforderungen. Es gibt so viele Vorurteile gegenüber Bauern und die Arbeit der Landwirte sollte mehr Wertschätzung erfahren. Durch das Buch gewinnt man viel Verständnis und wird aufgeklärt. Es wird einem auch bewusst, dass das Verbraucherverhalten eine große Rolle spielt und man durch Wertschätzung von Lebensmitteln und dem Kauf regionaler Produkte einen Beitrag leisten kann.
Teilweise wurden Zahlen zur Untermauerung von Argumenten genutzt.. teilweise war es aber auch nicht so nachvollziehbar und nicht sehr überzeugend (deswegen 3 Sterne)
Bauer Willis Schreibstil hebt sich wohltuend von vielen Artikeln und Büchern ab. Er ist nicht reißerisch, er untermauert Aussagen mit Zahlen und vor allem wird niemand angeklagt. Letzten Endes sprechen die Fakten für sich und es liegt an jedem Einzelnen, eine Entscheidung zu treffen - und dies wird spätestens an der Kasse getan.
Wer sich in den letzten Jahren ein bisschen informiert hat, dem werden viele Sachen bekannt vorkommen. Die Perspektive ist allerdings ein wenig anders und mich hat die Ehrlichkeit von Bauer Willi beeindruckt. Hier wird nicht um den heißen Brei herumgeredet und es wird auch vor der eigenen Tür gekehrt. Das Image vom "reichen Bauern" oder das fehlende Vertrauen kommen ja nicht von ungefähr. Er schiebt aber auch nicht alles von vornherein auf die Zwischenhändler oder Verbraucher. Jedem steht es frei, sich sein eigenes Urteil zu bilden.
Trotz der klaren Worte ist zu befürchten, dass viele nur zustimmend nicken werden und weiterhin zu billigen Lebensmitteln greifen werden. Die Supermärkte werden uns ja nicht anlügen, wenn sie jetzt auf "Bio" setzen, oder doch?!?! Bei uns gibt es glücklicherweise noch Wochenmärkte, wo Obst, Gemüse, Fleisch und Käse direkt vom Bauern kommen. Natürlich kostet es mehr und ich verstehe jeden, der es sich nicht leisten will oder kann. Allerdings kann sich keiner mehr herausreden, nichts gewusst zu haben.