Eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die afrikanische Welt
Afrika ist ein Kontinent voller Widersprüche, geprägt durch die reiche Vorstellungswelt seiner Menschen, ihre sozialen Regeln und Rituale, ihre Träume und Tabus, ihre Machtstrukturen und Glaubenssysteme. Diese Welt erscheint oft roh und gewalttätig, dann wieder zeitlos heiter und gelassen. Bartholomäus Grill hat sie uns mit diesem Buch erschlossen. Ein Standardwerk, das der Autor aktualisiert und um ein neues Kapitel über die atemberaubenden Entwicklungen der letzten Jahre erweitert hat.
Schulbildung in Deutschland ist was Politik und Geschichte angeht stark auf Europa und den 'Westen' gemünzt. Ich kam aus der Schule mit einer imaginären Landkarte voller weißer Flecken. Seitdem versuche ich langsam aber stetig diese weißen Flecken wenigstens etwas zu füllen. Mein noch immer größter Bereich des Unwissens liegt, wie für so viele andere auch, in Afrika. Die Länder südlich der Sahara sind für mich völlig unbekannt (außer vielleicht im Hinblick auf ihre Staatsnamen und selbst da würde ich sicherlich nicht einmal annähernd alle zusammen bekommen). Grills Buch 'Ach, Afrika' ist mein erster Versuch dies zu beheben und es war eine gute Wahl. Was beim Lesen dieses Buches mehr als alles andere klar wird, ist dass es das eine Afrika genauso wenig gibt wie den Afrikaner. Es wird ein Kontinent gezeigt voller Unterschied und Nuancen, von unglaublichem Reichtum und schrecklicher Armut, von grenzenloser Herzlichkeit und Grausamkeit, von Magie und Wissenschaft, von Krieg und Versöhnung. Ein eindrucksvoller Einblick in einen Kontinent über den ich viel zu wenig weiß.
Löblich ist, dass der Autor zu Beginn seines Werkes Vorurteile und eingeschliffene Sichtweisen auf Afrika benennt und hinterfragt. Aufrichtig gesteht Herr Grill jedoch, dass auch er selbst nur einen eurozentristischen Blick auf diesen Erdteil hat. Und das stimmt leider. Kapitel für Kapitel bedient der Schriftsteller den von ihm selbst kritisierten „Afro-Pessimismus“. Er zeigt der Leserschaft in endloser Folge die Missstände dieses Kontinents auf. Kriege, Völkermorde, Misswirtschaft, Korruption, Machtmissbrauch, ethnische Säuberungen, religiöser Extremismus, bitterste Armut und tiefstes Elend, Menschenrechtsverletzungen am Fließband, Seuchen, Folter, fehlende Bildungsmöglichkeiten – und so geht es Seite für Seite weiter. Heftig ist es auch, wenn sich Herr Grill über die charakterlichen Eigenschaften von Afrikas Frauen und Männern auslässt. Wobei bemerkt werden muss, dass Afrika hier natürlich nur Subsaharaafrika meint – Nordafrika findet in diesem Buch nicht statt. Schon der Buchtitel lässt einiges erahnen, könnte dieser doch ebenso über einem Afrikareisebericht von 1850 prangen. Man lernt hier sehr viel über die Perspektive des Autors. Sicher, das Werk ist klug und eloquent geschrieben, aber das ständige Genörgel, die dauernde Anklage, die immer wiederkehrende Besserwisserei haben mir dieses Sachbuch verleidet. Nach der Lektüre fragte ich mich, wie so viele Menschen das Leben dort nur aushalten können, scheint Afrika nach Herrn Grill doch ein Ort jenseits der Hoffnung, des Glücks und der Freude zu sein. Man müsste meinen, dass es zwischen der Sahara und dem Kap der Guten Hoffnung nichts Gutes, nichts Schönes, nichts Lebenswertes gäbe. Und ich weigere mich das zu glauben.
Ach Afrika. Through the eyes of a correspondent I am learning more of the continent I know so little of. It’s difficult to follow at first if you are not into its politics. Also the language used is not the everyday modern German you may be used to. There are a lot of dates, a lot of places and a lot of events. But around all of it there are the people, and their stories are Africa’s stories. It’s a lot of suffering and tragedy, sprinkled with a lot of hope and simple bits of happiness. It’s what makes Africa Africa, at least the one we can get to know as outsiders :) I’m now motivated to go and explore more on my own. I’m also motivated to read and learn more.
Ein hervorragendes Buch, um Afrika besser kennen und verstehen zu lernen! Weil wir als Europäer meist sehr wenig über Afrika wissen, ist so ein plastisches, gut zu lesendes, ebenso erhellendes wie unterhaltsames Grundlagen-Werk enorm wichtig. Als eher unbedarfter Europäer stellt einen Afrika vor so viele Rätsel: Warum findet so gut wie kein Land auf dem Kontinent heraus aus dem scheinbar ewigen Kreislauf aus Korruption, Misswirtschaft, Gewalt und Chaos? Wie kann in Ländern, die eigentlich reich sein könnten, solche Armut herrschen? Worum geht's eigentlich in all den Kriegen? Ist das alles die Schuld von uns Europäern, oder sind es die Afrikaner selbst, die sich immer tiefer ins Elend hineinmanövrieren? Auf vieles, was zunächst undurchdringlich erscheint, gibt Bartholomäus Grill in diesem Buch Antworten - oder, was das Beste daran ist, eben keine eindeutigen Antworten, sondern differenzierte Erklärungsansätze, wobei er oft rassistisch eingefärbte oder resignierte Gemeinplätze und Verschwörungstheorien entkräftet. Was Grill zu Recht empört, ist der arg oberflächliche, gleichgültige Blick der "Ersten Welt" auf Afrika, der zum Beispiel Kriege als "Stammesfehden" abtut. So klug, einfühlsam und kenntnisreich er argumentiert, Grill reflektiert auch die Grenzen seiner eigenen europäischen Perspektive, räumt manches Fehlurteil ein, das ihm im Lauf der Jahre unterlaufen ist. Das spricht für ihn. Das klingt jetzt alles in meiner Beschreibung etwas theoretisch, ist es aber überhaupt nicht. Denn Grill schöpft aus dem Vollen von vielen Jahren Erfahrung als Afrika-Korrespondent der ZEIT und veranschaulicht jedes Thema mit einer Vielzahl spannender Episoden. Sprachlich ist das Buch sehr klar, plastisch, leicht zugänglich. Daneben zeichnet es seine große Leidenschaft aus. Grill verzweifelt an vielem im afrikanischen Alltag und in der afrikanischen Politik, idealisiert und beschönigt nichts, auch nicht aus falsch verstandener Political Correctness. Doch trotz allem ist jeder Satz von einer großen Liebe zu diesem Kontinent getragen.
Wunderbare Alltagsgeschichten des Afrika-Korresponenten. Bemerkenswert ist, dass selbst der Journalist manchesmal mit scheinbar irrationalen Ängsten zu kämpfen hat. Eines der besten Afrika-Bücher, die kenne.
Former "Zeit" Africa correspondent provides a very nuanced and intriguing perspective on the "lost continent" and breakes with conventional stereotypes
First non-fiction on Africa, after Mandela's autobiography. Great book, insights into many different countries of the continent. Highs and lows are both covered. Wisely written.