Man wird hineingeworfen. Mitten nach Spanien, mitten nach Madrid. Irgendwann in das Jahr 1938.
Der spanische Bürgerkrieg tobt. Der faschistische Putschist Franco kämpft gegen die Verteidiger der zweiten spanischen Republik, die durch die Internationalen Brigaden unterstützt werden. Ein Krieg der auch als Generalprobe für den großen unvermeidbaren europäischen Krieg angesehen wird.
Mitten in dieser unscheinbaren Auseinandersetzung verfolgt man die Erlebnisse eines amerikanischen Kriegsberichterstatters, der auf Seite der spanischen Republik diesen, so ungewöhnlichen Konflikt erlebt, kommentiert und dokumentiert.
In vier kurzen, aber dennoch sehr atmosphärisch dichten Geschichten lässt Hemingway den Leser an der politischen Problematik der beiden unvereinbaren Parteien, dem Leiden der Zivilbevölkerung, der Sinnlosigkeit von Befehlshörigkeit und der einfachen und so oft sinnlosen Grausamkeit, die jede Kriegshandlung zur Folge hat, teilhaben. Oftmals spielen sich dabei die Geschichten in Bars, Kneippen, Restaurants und Hotels ab. Doch auch die harte, manchmal auch ziemlich unwirklich scheinende Realität an der Front, die zumal auch nur zwei Straßen von einer Bar in der sich der Protagonist befindet entfernt liegen kann, wird auf so eine unvergleichbare und sonderbare Erzählweise von Hemingway in leisen unaufdringlichen Tönen und Worten zu Papier gebracht.
„Wir können doch noch ein bißchen hier sitzen“, sagte er. „Hier ist es nett.“
„Es ist merkwürdig. Am anderen Ende der Straße tobt ein Krieg, den man zu Fuß erreichen kann, und dann geht man einfach weg und kommt hierher.“
„Und geht dann wieder hin“, sagte Al. – S.62
Doch nicht nur der Kampf gegen den Faschismus, auch die menschenverachtende Haltung auf eigenen Seiten, auf Seiten der Republik, die sich teilweise nicht von denen der Faschisten unterschied, wird über verschiedene Bilder und Begebenheiten zum Thema gemacht. Krieg ist eben Krieg. Egal wer ihn führt.
„Wir waren den ganzen Vormittag dort gewesen, wo der Franzose weggegangen war. Ich konnte verstehen, wie ein Mann schlagartig erkennen mag, daß es unsinnig ist, bei einem gescheiterten Angriff zu sterben […] Ich konnte verstehen, wie ein Mann der sieht, wie es wirklich ist, einfach aufsteht und weggeht, wie es der Franzose getan hatte. Das mußte nicht Feigheit sein; er konnte weggegangen sein, weil er zu klar gesehen, weil er plötzlich gewusst hatte, daß er weggehen mußte, daß es das einzig richtige war.
Der Franzose war mit großer Würde aus dem Angriff zurückgekommen, und ich konnte ihn als Mensch verstehen. Als Soldat hingegen hatten ihn diese Männer von der Militärpolizei verfolgt und gestellt, und der Tod, dem er entgangen war, hatte ihn eingeholt, als er gerade den Hinterhang erreicht hatte und, sicher vor den verirrten Kugeln und dem Artilleriefeuer, zum Fluß hinunterschritt.“ – S. 117
Wer bisher noch nicht mit Hemingway in Berührung kam, das aber schon immer wollte. Zudem auch ein gewisses Interesse an den Geschehnissen des spanischen Bürgerkrieges am Vorabend des zweiten Weltkrieges an den Tag legt, dem sei dieses gerade mal 124 Seiten starke Büchlein wärmstens ans Herz gelegt.