Inhalt:
Zusammen mit ihren Eltern verbringt die 17-jährige Anna ihre Ferien in Venedig. Zunächst langweilt sich das junge Mädchen und streift des Öfteren alleine durch die Straßen der italienischen Wasserstadt auf der Suche nach Ablenkung. Als ihr dabei eine rote Gondel ins Auge fällt, die es in Venedig eigentlich gar nicht mehr geben sollte, wird Anna neugierig. Kurz darauf kreuzen sich die Wege von Anna und der roten Gondel erneut, denn als sie während einer Bootsparade in den Kanal fällt und kurz darauf von einem gutaussehenden Jungen wieder heraus gefischt wird, zieht dieser sie in eben jene Gondel. Doch bevor Anna noch begreifen kann, was genau passiert ist, fängt die Welt vor ihren Augen an zu flimmern und bei ihrem nächsten Augenaufschlag, findet sie sich im Jahr 1499 wieder.
Meinung:
Als ich letztens durch mein Bücherregal stöberte, auf der Suche nach meiner nächsten Lektüre, streifte mein Blick die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier und ich kam nicht ohnehin mich daran zu erinnern, wie gut mir ihre Bücher, aber auch die Thematik der Zeitreise mir damals gefallen hatten. Was mich schließlich zu den Fragen führte, warum ich so wenige Bücher mit diesem Thema besitze und nicht häufiger eine solche Zeitreise-Geschichte verschlinge. Das wiederrum brachte mich dazu "Zeitenzauber - Die magische Gondel" - eine ziemlich verstaubte SuB-Leiche - auf meinem E-Reader auszugraben und mit dem ersten Band der Trilogie, aus der Feder von Eva Völler zu beginnen.
Gleich vorweg: auch wenn ich hier die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier erwähnt habe, möchte ich die zwei Werke auf keiner Ebene miteinander vergleichen, dies würde an dieser Stelle auch nicht viel Sinn ergeben, denn auch wenn es scheint, als würde die Geschichte von Eva Völler zunächst in eine ähnliche Richtung gehen, entwickelt sich diese letztlich ganz anders und kann mit vielen außergewöhnlichen und neuen Ideen auftrumpfen. Zusätzlich kann es einen einfach mürbe machen, wenn man versucht Werke mit Lieblingsbüchern zu vergleichen, denn gerade dann kann man eigentlich nur enttäuscht werden.
Ich liebe Italien und ich bin fasziniert von Venedig, obwohl ich selbst noch nie dort war und die Wasserstadt demnach nur aus Film, Fernsehen und Literatur kenne, war ich schon immer ein großer Fan. Aus diesem Grund war ich auch sofort Feuer und Flamme, als ich las, dass "Zeitenzauber - Die magische Gondel" in einer meiner Bucket-List-Lieblingsstädte spielt. Dabei schafft es Eva Völler mit Leichtigkeit ein Venedig zu malen, das vor den Augen des Lesers real wird, denn die Autorin weckt alle Sinne und so hört man das Wasser in den Kanälen rauschen, spürt die warme Sonne auf seiner Haut, erschnuppert die verschiedenen Speisen auf den mit Menschen überfüllten Märkten und taucht schließlich ganz tief in die Buchwelt ein. Begleitet wird man dabei von einem sehr angenehmen und flüssigem Schreibstil und zwei sehr interessanten Protagonisten.
Ich gebe zu, dass ich zu Beginn meine Schwierigkeiten mit den Figuren hatte, sowohl mit Anna, als auch mit Sebastiano. Anna war anfangs einfach anstrengend, denn ihre naive Art und ihre ständigen Beschwerden und Klagen darüber, dass sie endlich in ihre Zeit zurück will, haben einfach gestört. Auch Sebastiano konnte mich zunächst nicht von sich überzeugen, in meinen Augen war er viel zu überheblich und selbstfixiert. Glücklicherweise konnten die Beiden meine Meinung während des Lesens nochmals ändern. Was mir letztlich besonders gut gefallen hat und was die Story von anderen Werken des Genres unterscheidet: Anna ist ein sehr starker und eigenständiger Charakter. Niemals im Traum würde es ihr einfallen sich retten zu lassen oder ängstlich die Flucht anzutreten, stattdessen stürzt sie sich mutig in jedes Abenteuer, bietet ihren Gegnern die Stirn und sagt offen und ehrlich was sie denkt.
Mein Highlight in der Geschichte war die besondere Authentizität und gelungene Historizität, die Völler auf tolle Weise kreiert und aufbaut, wie auch die kleinen und schönen Ideen, die sie in jedes Kapitel einfließen lässt. So können Anna und Sebastiano beispielsweise in Gegenwart von Personen, die aus der Vergangenheit stammen, keine Worte benutzen, die es nur in der Zukunft gibt. Diese werden nämlich auf magische Weise direkt in die entsprechenden Worte der Zeit umgewandelt.
Fazit:
"Zeitenzauber - Die magische Gondel" von Eva Völler konnte mich schlussendlich leider nicht auf voller Linie von sich überzeugen, was aber weder an der Figuren, noch an der Grundidee lag. Im Gegenteil: Gerade diese beiden Komponenten waren (auch wenn nicht von Beginn an) letztlich sehr überzeugend, viel mehr hatte ich Schwierigkeiten in die Geschichte einzutauchen. Eva Völler arbeitet das historische Venedig auf sehr überzeugende und authentische Weise auf und verknüpft es sehr gelungen mit dem Zeitreise-Thema. Schließlich ist es dem raffinierten und überaus gelungenen Finale geschuldet, dass das Werk sich doch noch vier Sterne sichern konnte. Jetzt bin ich gespannt, wie es weiter geht und werde die Reihe somit definitiv weiter verfolgen.