Geboren in den Wirren des Krieges, in Hunger, Bombenhagel und mit der Angst vor dem Tod. Geflüchtet mit dem, was sie auf dem Leib tragen konnten, unermessliches Leid vor Augen. Für heutige Jugendliche nicht mehr vorstellbar. Und doch sind es ihre Großeltern, die dieses Schicksal erfahren haben und die nur noch wenige Jahre davon erzählen können, wie sie Flucht und Vertreibung überlebt, ihren Alltag in den zerbombten Städten organisiert haben. Und was aus den Wunden ihrer Kindheit geworden ist. Dieses Buch erzählt ihre Geschichten.
Die erzählten Geschichten sind sehr bewegend und man kann den Zeitzeugen großen Dank dafür aussprechen, dass sie uns daran teilhaben lassen. Einen Punkt Abzug gebe ich, weil man beim Lesen den Eindruck gewinnen muss, dass die Sowjetzone komplett unbesiedelt war. Alle Zeitzeugen sind geflüchtet. Warum gab es eigentlich doch DDR-Bürger, wenn alle geflüchtet sind? Hier hätte die Autorin ruhig auch jemanden befragen können. Warum sie das nicht tut, bleibt leider offen.
Ungewöhnliches Format, eher Bildband als Sachbuch. Aber sooo toll. Das Cover passt super und der Titel und das Bild von den Kindern ist mit einer Folie so ein bisschen hervorgehoben.
Inhalt:
Deutschland 1939 bis 1955. In einer Zeit, die geprägt ist von Krieg, Flucht und Hunger habe es gerade Kinder nicht leicht. Einiger dieser Kinder erzählen davon wie sie diese Zeit erlebt haben. Sie erzählen Geschichten von Flucht und Vertreibung, von DP-Camps, von kalten Wintern und Bratkartoffeln mit Kaffee statt Öl…
Meine Meinung:
Die Idee hinter diesem Buch ist einfach mal genial. Zeitzeugenberichte gibt es viele, aber dieses Buch geht besonders auf die Kinder und Jugendlichen ein. Außerdem sind die Jugendlichen von heute Zielgruppe. Das Buch ist in verschiedene Abschnitt geteilt, grob nach Zeit und den erlebten Ereignissen. Beginnend mit Geschichten über Flucht und Vertreibung geht es weiter mit verlorenen Kindern, das Leben direkt nach Kriegsende zu den oft lange Wartezeiten bis der Vater aus der Kriegsgefangenschaft wiederkam und schließt ab mit Berichten über die Schulzeit in den letzten Kriegsjahren und ersten Jahren nach dem Krieg. Der Zeitraum 1939-1955 ist meiner Meinung nach dabei gut gewählt, auch das der Fokus eher auf den Jahren nach 1944 liegt. Zwar ist das Wieso? Auch wichtig, wenn es um den zweiten Weltkrieg geht, aber die direkte Nachkriegszeit ist wesentlich interessanter. Denn unsere Großelterngeneration war während des Krieges selten schon erwachsen, die meisten sind Mitte bis Ende der 30er oder zu Beginn der 40er geboren. Diese Erfahrungen sind also Dinge über die man der eigenen Familie noch Fragen stellen kann. Meine Oma ist übrigens von der Idee des Buches unglaublich begeistert, auch wenn sie es noch nicht gelesen hat. Auch super finde ich, dass die Zeitzeugenberichte ohne Wertung und mit wenigen Erklärungen abgedruckt sind. So kann sich jeder ein eigenes Urteil bilden. Für alleinlesende Kinder und Jugendliche die das Thema NS und Zweiter Weltkrieg in der Schule noch nicht behandelt haben ist es deswegen nicht geeignet. Es gibt zwar historische Überblicke zu Beginn der Kapitel und auch die Zeitzeugenberichte sind mit Anmerkungen versehen, aber es sind und bleiben Primärquellen, die der Leser mit einer gewissen Skepsis betrachten sollte. Für jemanden, der den Hintergrund nicht gut genug versteht könnten deswegen die Zeitzeugenberichte selbst nicht besonders gut verständlich sein.
Fazit:
Ein wunderbares Sachbuch, das sich gut als Begleitlektüre zum Geschichtsunterricht eignet oder zum gemeinsamen Lesen mit Oma und Opa, die ja oft genau dieser Generation entstammen. Für Kinder und Jugendliche ohne Vorwissen und ohne „Begleitung“ allerdings etwas schwer.