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Allein die Welt dazwischen

Peter Hofmanns zweiter Roman kommt etwas schleppend daher. Leser, die sein erstes Werk Berlinsolo schätzen, werden an seiner neuen Erzählung die Leichtigkeit, das urbane Lebensgefühl und die Heiterkeit vermissen.

Henry und Klaus sind seit zwei Jahren zusammen. Sie leben in Berlin. Klaus stammt aus Oberbirk, einem kleinbürgerlichen und öden Nest irgendwo in Thüringen. Der Kontakt von Klaus zu seinen Eltern ist schlecht. Treffen gibt es höchstens alle drei Jahre. Die Stimmung in der Familie ist angespannt. Nur Mutter Ursula steht verständnisvoll hinter ihrem Sohn. Vater Leo ist ruhig, hat sich mit seinem Leben abgefunden, agiert als stiller Beobachter. Die Antihelden, die Ebenbilder trister, dummer Kleinbürgerlichkeit, sind Bruder Frank und dessen Frau Yvonne mit ihrem fetten, verzogenen Kind Karsten.

Peter Hofmanns Text entwickelt sich langsam. Die einzelnen Kapitel beschreiben ruhig und bildhaft Einzelszenen. Die Dialoge fließen oft nichtssagend hin und her, doch diese Leere gewinnt nach den ersten vier Kapiteln immer mehr an Bedeutung. Das schwule Leben von Klaus in Berlin ist fremd für die Familie, passt nicht ins Bild des Dorfes in Thüringen und wird daher verschwiegen. Doch es gibt ein Geheimnis: Georg, der jüngere Bruder von Klaus, nahm sich noch zu DDR-Zeiten als Rekrut in der damaligen Armee aus bislang ungeklärten Gründen das Leben.

Über 200 Seiten hinweg schafft es Peter Hofmann, seine Leser bei der Stange zu halten. Der Text wird schneller. Die Spannungen in der Familie, die unausgesprochenen Vorurteile, die Lügen und die Fluchtwelten der Kleinbürger brechen bei einem Familienessen zusammen. Es kommt zum großen Knall.

Die Figuren in Peter Hofmanns Text leben in ihrer kleinen Welt weiter. Das klärende Gewitter hat die Familie enger zueinandergebracht. Für den Leser erschließt sich jedoch die wirkliche Tragik der Geschichte: Engstirnigkeit, falsch gelebte Mutterliebe mit erdrückender Nestwärme und die Heuchelei unserer Gesellschaft schaffen es bis heute, Menschen zu zerstören. --Martin Kilgus

239 pages, Hardcover

First published February 13, 2014

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Peter Hofmann

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