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Auch wenn im Blick auf die Regierung Schröder viel von enttäuschten Hoffnungen die Rede ist: Eigentlich hatte man sich 1998 gar nicht mehr erhofft, als endlich einen anderen Kanzler als Helmut Kohl. Tatsächlich verdankte Schröder den 98er-Wahlsieg "nicht einem auf Absichten und Programmen basierenden Wählerauftrag, sondern einer seltsamen Mischung aus Überdruss, Kalkül und Zufall". Vor allem aber verkörperte Schröder, wie es im Vorwort sehr treffend heißt, "'irgendwie' den Neuanfang".
Der mit einem Wahlprogramm des Ungefähren errungene Sieg habe, bilanzieren die Autoren, seine Fortsetzung in einer "schaukelnden Regierungsarbeit" gefunden, deren lediglich drei Konstanten zu ihrem Markenzeichen geworden wären: "Kommission einsetzen (Rente, Zuwanderung, Gesundheit, Hartz), deren Ergebnisse öffentlich diskutieren lassen, abwarten, was überlebt, und das dann zögerlich und halbherzig umsetzen; Etikettenpolitik ('Neue Mitte', 'Deutscher Weg', 'Ruhige Hand') und symbolische Inszenierungen (Holzmann, Green Card, Eliteuniversitäten) als Politikersatz; handwerkliche Schlamperei bei der Gesetzgebung, 'Nachbessern' als Machttechnik."
Wie man an diesen Zeilen unschwer ablesen kann: Ein Gefälligkeitsgutachten ist dieses Buch ganz sicher nicht! Und dennoch: "Rot-Grün war eine Notwendigkeit", heißt es am Ende, weil es notwendig gewesen sei, dass "diese Generation die politische Verantwortung für die Bundesrepublik tragen musste". Nur so habe sich überhaupt etwas bewegen können, ohne zu großen Verwerfungen in der Gesellschaft zu führen. Bedenkenswert! -- Andreas Vierecke
334 pages, Paperback
First published April 30, 2005