Hans-Hermann Stolze, 87, gibt es eigentlich gar nicht. Er ist das erfundene und buchstäbliche Alter Ego eines Autors vom Zeit-Magazin in Berlin, der beim Verfassen der Beschwerdebriefe eine geradezu diebische Freude entwickelte.
Im Grunde genommen eine recht witzige Idee: Autor Hans-Hermann Stolze schlüpft in die Rolle eines 87 jährigen Rentners und schreibt reale Briefe an alle möglichen Firmen die ihm dann auf seine etwas speziellen Fragen antworten liefern sollen. Z.Bsp. schreibt er an die Firma Osram nach München bei der er angsterfüllt nachfragt, was für Strafen ihm blühen wenn er seine normalen Glühbirnen weiter benutzt und nicht sofort und umgehend auf Energiesparlampen wechselt. Oder auch an Amazon bei denen er, da er wohl kein Internet hat, um einen traditionellen Gesamtkatalog auf Papier bittet. Es ist quasi ein Buch voller schriftlicher Spassanrufe. Die Antworten der jeweiligen Firmen werden natürlich mit veröffentlicht.
Nun das große "aber": es ist nicht witzig und somit verfehlt das Buch sein Hauptziel. Dies liegt nicht unbedingt am Autor, dessen Rentner-Briefe durchaus originell und toll geschrieben sind. Vielmehr sind es die Antworten die sehr nerven da sie nicht über das humorresistente Servicegelabere, das in unseren Kulturkreisen leider fast zu 100% verbreitet ist, hinauskommen.
Es stellt sich die Frage, ob hierfür denn tatsächlich ein Buch gedruckt werden muss.
Auweia. Es erscheint mir wie eine sehr deutsche Idee, einen fiktiven Rentner Beschwerdebriefe schreiben zu lassen, die allesamt die gleiche Aussage haben: "Ich bin zu alt für neue Entwicklungen wie Internet und Smartphone und stelle mich absichtlich dumm, damit ich mich da nicht reinfuchsen muss." Das kennen ziemlich viele der Jüngeren von ihren Eltern. Und weil man ohne sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen eben einfach nicht mehr gefragt wird, schreibt dieser fiktive Rentner Beschwerdebriefe gegen die Langeweile. Eigentlich ist das ziemlich traurig. Und genau die gleiche Zeitverschwendung wie die Bearbeitung der Beschwerdebriefe ist auch die Lektüre dieses Buches.
Man kann natürlich über den literarischen Nutzen dieses Buchs streiten und selbstverständlich sind die Geschichten SEHR konstruiert, aber ich fand‘s trotzdem witzig! Als leichte Unterhaltung für immer mal wieder zwischendurch hat die Lektüre ihren Zweck für mich persönlich erfüllt!