Für die 15-jährige Feli bricht eine Welt zusammen, als ihre Schwester bei einem Autounfall ums Leben kommt. Sina – ihre geliebte große Schwester, Ratgeberin und beste Freundin – ist weg. Für immer. Was von Sina geblieben ist, ist der gemeinsame Chat, den Feli in ihrer Verzweiflung alleine weiterführt. Hier fühlt sie sich ihrer Schwester nahe und erzählt ihr alles. Auch dass sie jetzt wegen einer unnötigen Aktion Sozialstunden im Altenheim ableisten muss. Und dass sie hier auf Vito trifft, der eigentlich auch in dem Unfallauto gesessen hätte, hätte er nicht an jenem Abend Spätdienst gehabt …
Es kommt selten vor, dass ich nicht nur bei meinen Lieblingsautor*innen, sondern sogar bei einem Verlag praktisch zu jedem erscheinenden Buch greifen kann, ohne das Risiko einer Enttäuschung einzugehen. Beim Jugendbuchprogramm von Südpol ist das für mich der Fall, und auch „Hinter den Sternen ganz nah" hat sich da nicht als Ausnahme entpuppt.
Der Roman ist komplett in Handynachrichten verfasst. Zuerst war ich skeptisch, da diese Form ja doch eine eher zusammenfassende, oftmals rückblickende Erzählweise bedeutet, doch sie passt zur Geschichte und vermittelt mehr Emotionen, als man vermuten könnte. Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich sagen, dass ich auch das Aufbrechen von Felis Monolog im Chat mit ihrer verstorbenen Schwester sehr gelungen fand. Einzig sprachlich bin ich über einzelne Stellen gestolpert, die besser zur alten Clara als zur jugendlichen Feli gepasst hätten.
Das Thema Trauerverarbeitung und die generationsübergreifende Freundschaft, die sich im Buch entwickelt, sind feinfühlig und liebevoll umgesetzt, hinzu kommt eine dezente Lovestory. Obwohl Feli lange viel Wut mit sich herumträgt und damit auch andere verletzt, verliert man beim Lesen nie den Draht zu ihr. Hoffnungsvoll beobachtet man, wie sie sich aus dem Schmerz herauskämpft, ohne ihn dafür verdrängen oder vollständig loslassen zu müssen.
In einem Satz:
„Hinter den Sternen ganz nah" ist ein Buch, das sich einem schweren Thema durch eine außergewöhnliche Erzählweise nähert, so wie seine Protagonistin wiederum durchs schriftliche Erzählen ihrer Trauer Raum gibt – eine schöne Geschichte, die trotz aller Schwermut die Schönheit des Lebens in den Mittelpunkt stellt.
Trauerbewältigung mal anders Felizitas ist 15, als sie ihre ältere Schwester bei einem Autounfall verliert. In ihrer Trauer verkriecht sie sich, lässt niemanden an sich ran und bekommt dann auch noch Sozialstunden im Altenheim aufgebrummt. Der einzige Mensch, dem sie sich anvertraut ist ihre tote Schwester. Denn auch wenn sie ihr nicht mehr antwortet, in ihrem Chat kann Felizitas ihr weiterhin alles erzählen, was gerade in ihrem Leben passiert und wie sie sich dabei fühlt.
Trauerbewältigung in Form eines Chats, tatsächlich ist das Thema für mich nicht ganz befremdlich, da ich selbst eine Freundin kenne, die Social Media für einen Teil ihrer Trauerbewältigung genutzt hat. Dennoch war es zu Beginn für mich etwas schwierig in das Buch reinzukommen, da es tatsächlich nur als einseitiger Chatverlauf aufgebaut war. Ich hatte dabei etwas die Befürchtung , dass durch die einseitige Sicht Teile von der Geschichte verloren gehen könnten, aber diese Befürchtung war total umsonst, denn Petra Bartoli y Eckert hat es mit ihrem Schreibstil perfekt geschafft, die Geschichte und Gefühle von Felizitas greifbar zu machen.
Großartig fand ich auch die Freundschaften, die sich im Zuge der Trauerbewältigung entwickelt haben. Denn so schwer das Thema auch ist, so toll wird hier gezeigt, dass auch wieder gute Zeiten kommen. Nur an manchen Stellen hatte ich mit Felis Verhalten leider ein paar Probleme, da sie mit fast 16 teils Entscheidungen getroffen hat, die ich eher jemand jüngerem zugeordnet hätte. An anderen Stellen hingegen sieht man dann wieder, wie erwachsen sie handeln kann. Vielleicht kann man das auch einfach als Teil ihres Gefühlschaos abstempeln.
Alles in allem ein sehr schöner Roman, der ein so schwieriges und trauriges Thema richtig gut behandelt und auf jeden Fall empfehlenswert ist.