Im Schatten des Galgens lauert das Verderben. Als auf dem Frankfurter Gallusberg die Leiche einer Hure gefunden wird, steht für Richter Blettner sofort fest: Es war Selbstmord. Doch seine junge Frau Hella sieht das anders. Und es dauert nicht lange, da liegt ein zweiter Toter am selben Ort: der verschwundene Gewandschneider Voss. Hella und ihre Mutter, die Witwe Gustelies, beschließen, dass es höchste Zeit ist für eine ordentliche Ermittlung. Die Spur führt sie hinauf in die oberste Riege der Frankfurter Zünfte und tief hinab in die dunkelsten Winkel der Reichsstadt.
DNF. Abgebrochen bei Seite 224 aus Langeweile und zu viel Sensationsmache.
Dieser Krimi ist kein Whodunnit, sondern ein Whydunnit, d.h., es ist schon früh klar wer der Mörder ist (who), nur nicht wieso er gemordet hat (why). Solche Whydunnits erklären den psychologischen/soziologischen Hintergrund des Täters und wie er es geschafft hat, die Morde zu begehen. Bis jetzt, alles in Ordnung.
Für ihren Whydunnit hat Frau Thorn sich für eine zweigleisige "Braid Plot" entschieden. Ein Teil zeigt uns wie die Mördererin als Kind und junges Mädchen misbraucht wird, wie sie von ihrer Mutter ständig geschlagen, übel beschimpft und gedemutigt wird, und letztendlich an einem Mann "verkauft"wird, der sie brutal vergewaltigt, um die Miete zu bezahlen. Das Mädchen flieht, erlebt aber weiter nur Demutigungen und Misbrauch, diesmal vonseiten der Religion.
Das alles wird detailreich, mit fast voyeristischer Interesse beschrieben, ganz besonders die Vergewaltigungsszene. Mir war die Sensationsmache in diesen Kapiteln zu viel.
Das andere Teil der Plot zeigt der Richter Blettner und seine Frau, die neugierige Hella.
Der Richter muss zwei Morde aufklären, ist aber leider eher dummlich, gefräßig und neigt zu übereilten Schlussfolgerungen aus Bequemlichkeit. Obwohl er seine junge Frau verbietet, ihre Nase in seine Ermittlung zu stecken (Männersache!), holt er immer wieder Rat von ihr, weil er alleine auf keinen grünen Zweig kommt. (Kein Wunder) Hella ist es, die die Ermittlung in Wirklichkeit führt, aber sie muss sich immerwieder auf die Erfahrenheit ihrer eignen Mutter stützen (die immer noch für sie kocht).
Im Vergleich mit der Gewalt, die die zukunftige Mörderin erfährt, ist das Ehepaar Blettner eine fast frivole Erscheinung, voll dem Gutmenschentum und der Hilfsbereitschaft, aber im Grunde eher Hanswurste (der Richter) und gut betuchte Weltverbesserer (Hella), die keine Ahnung von "echtem" Verbrechen haben. Auf die Dauer langweilig.
Die historische Details im Roman sind stimmig und er liest sich schnell und mehr oder minder flüssig, aber der Leser kommt nicht umhin zu denken, die wahre Botschaft diesen Krimi sei eine Suffragette/ altfeministische Botschaft. "Schaut doch wie viel Leid und Gewalt die Männer uns Frauen antun! Ungerecht! Ungerecht! Wir sind geknechtet und geknebbelt! Ungerecht! Freiheit und Stimmrecht für Frauen!"
Schön, aber 1532 nicht gerade zeitgemäß. 1732 würde eher passen.
Leider bin ich von der ganzen Geschichte nicht recht überzegt, also ein durchschnittliches 2.5 Sterne.
Frankfurt am Main 1532. Auf dem Galgenberg wird eine tote Hure aufgefunden, die unter dem Galgen liegt. An diesem aufgeknüpft hängt ein Hund. Doch dies wird nicht die einzige Leiche bleiben, schon bald wird klar, dass ein Serienmörder umgeht. Somit haben die Richtersfrau Hella und ihre Mutter, die Witwe Gustelies, jede Menge zu ermitteln, denn sie sind keine für die Zeit typische Frauen, die sich ihren Männern unterordnen, sondern sehr modern eingestellt. Im Auftaktband der bisher 5 Teile umfassenden Reihe über die Verbrechen von Frankfurt lernt man die Hauptpersonen, die auch in den nachfolgenden Bänden mitspielen, sehr gut kennen. gustelies und Hella konnten mich sofort für sich einnehmen, zwei vorwitzige Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und keineswegs Heimchen am Herd sind. Auch Hellas Mann, der Richter Heinz Blettner, und Gustelieses Bruder Pater Nau sind liebenswerte Charaktere. Sehr anrührend empfand ich das Schicksal des Täters, dem seit frühester Jugend nichts erspart bleibt und dessen Geschichte nichts für schwache Nerven sein dürfte. Hier empfindet man sogar Mitleid mit dieser Figur. Das Ende ist in sich abgeschlossen und lässt keine Fragen offen. Somit freue ich mich hoffentlich bald auf ein Wiedersehen mit Hella und Gustelies in ihrem nächsten Fall.
Ziemlich sadistische Einblick in einer fictiven Geschichte aus 1532. Zwar bekommt man ein wenig Einblick in der Gerichtsbarkeit aus dieser Zeit in Frankfurt. Sollte es dem Leser / der Leserin aber um historischen Fakten gehen, gibt es bessere Bücher. Bevorsucht sie/er aber mehr das sadistische Genre, dann empfehle ich Bücher, die eine Geschichte aus der Magie erzählen. Kurzum: lassen Sie die Finger von diesem Buch und suchen Sire sich ein anderes zum lesen.