Oh mein Gott, was habe ich gelacht und was habe ich mich getröstet gefühlt!
Auch hier gibt es ein "Vorneweg": Vor einigen Monaten hörten wir ein "patsch, patsch, patsch" in unserem Wohnzimmer und gingen dem Lärm nach. Voller Schock stellten wir fest, dass das Geräusch von Wassertropfen kam, die durch unsere Decke drangen und auf die Fliesen klatschten. Das Dach war undicht! Klar, wir haben ein Haus von 1969 gekauft, die Vorbesitzer haben viel renoviert, aber das Dach ist noch das Original - mit Asbest. GAU. Irgendwann tropfte es an 5 verschiedenen Stellen und wir waren gezwungen, den Dachdecker zu rufen. Durch die Nässe hatte sich auch unsere Holzverkleidung verzogen, sprich es steht nicht nur ein neues Dach, sondern auch über 100 qm2 Holzdecke an. Davor durften wir schon den Brenner der Heizung erneuern, wir haben also so unsere Erfahrungen mit Handwerkern gemacht, die nie zurückrufen, die alle was anderes sagen, deren Kostenvoranschläge teilweise um mehrere tausend EUR auseinanderliegen und die immer und immer wieder kommen müssen, weil etwas nicht klappt. Und dabei haben die echten Bauarbeiten noch nicht mal angefangen....
Aber dank dieser Lektüre, sehe ich dem Ganzen jetzt etwas entspannter entgegen, denn ICH BIN NICHT ALLEIN!
Julia Karnick und ihr Mann beschließen, ein Haus zu bauen. Ganz nach ihren Wünschen und Vorstellungen. Sie engagieren eine Architektin und planen fleißig darauf los. Innerhalb kürzester Zeit steht ihr Traumhaus - auf dem Papier. Und genau da beginnen die Schwierigkeiten. Denn eigentlich können sie sich das nicht leisten, was sie zusammen mit der Architektin geplant haben. Da sie ihnen das aber nicht von Anfang an gesagt hat, müssen sie nun Traum für Traum wieder streichen und bald steht nur noch ein fast durchschnittliches Haus auf dem Plan - mit grünem Linoleum Boden, denn für das Parkett reichte es nicht.
Wer dachte, damit sei das Schlimmste überstanden, sollte nochmal nachdenken.
Es beginnen der Behördenlauf, der Genehmigungsmarathon, die Baunebenkosten und die Probleme mit den Handwerkern. Der Boden ist wegen "schluffigem Sand" Keller- ungeeignet, die Rohre werden falsch verlegt, die Handwerker tauchen nicht auf, rufen nicht zurück und präsentieren die schönsten Ausreden, erstaunlich wieviel man sich so brechen kann *g* Der Einzugstermin rückt immer näher und das Haus ist und bleibt eine Baustelle. Mit sehr viel Humor - oder sollte ich sagen Galgenhumor - erzählt Karnick von ihrer Hauskatastrophe. Selbst nach dem Einzug reißt ihre Pechsträhne nicht ab.
Hier ein kleiner Auszug:
"Herr Krummwinkel ist zwar immerhin gekommen, aber möchte so schnell wie möglich wieder gehen: „Da muss ich wohl die Vorsatzschale aufstemmen, aber da habe ich nicht das richtige Gerät mit dabei, und das schaffe ich auch gar nicht, so allein. Das mache ich Montag.“
Dann packt er seine Sachen zusammen und geht, und das Schlimmste ist: Ich lasse ihn gehen. Ich weiß bis heute nicht genau, warum ich mich nicht vor ihm in die Tür geschmissen und geschrien habe: „Halt! Sie bleiben gefälligst, bis Sie das Leck gefunden haben, und wenn das bis morgen früh um sechs dauert!“
Ich nehme an, es war meine Psyche, die mich davon abhielt, weil sie immer noch nicht bereit war, der ganzen Wahrheit ins Auge zu blicken. Meine Psyche, die Verdrängungsmeisterin, flüsterte: „Nun werd bloß nicht albern, der Mann ist vom Fach, der wird schon wissen, was er tut.“
Am Sonntagvormittag – mein Mann will gerade wieder aufbrechen in die alte Wohnung und weiterstreichen – entdecke ich, dass die Wasserränder an den Wänden viel breiter sind als am Vortag. Mir wird schwindelig, ich muss mich auf die Treppe setzen und die Augen schließen. Ich sehe hinter verschlossenen Lidern: ein Haus, in dem das Wasser höher und höher steigt. Überall ist Wasser, auch um das Haus herum, das Haus ist umgeben von einem Meer. Das Haus beginnt zu schwimmen, es schwimmt weg von dort, wo es zu stehen hat.
Ich fange an zu schreien. „Das Wasser, es wird immer mehr und mehr, wir müssen etwas unternehmen! Tu was, mach, dass das mit dem Wasser aufhört!“ Mein Mann sagt: „Ich muss jetzt erst mal streichen, ich rufe nachher Herrn Krummwinkel an!“
Ich schreie, und während ich schreie, heule ich: „Nachher ist es zu spät! Das Haus schwimmt weg, merkst du das nicht! Alles geht kaputt, der Boden, die Wände, die Möbel, unser ganzes nagelneues Haus, unser ganzes Leben geht kaputt, alles umsonst, alle Mühe, die ganzen letzten Monate! Wenn du nichts tust, drehe ich durch!“
„Ok, ok, schon gut“, sagt mein Mann. „Ich rufe Herrn Krummwinkel an, jetzt sofort.“ Herr Krummwinkel sagt zu meinem Mann: „Es hat ja auch wieder geregnet.“ Da wird mein Mann etwas lauter. Herr Krummwinkel sagt: „Na gut, Montag um sechs stehe ich auf der Matte, Ehrenwort.“ Da fängt auch mein Mann an zu schreien.
Ein paar Stunden später ist Herr Krummwinkel da."
Ich habe mit der armen Autorin so mitgefühlt und habe immer ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich laut losgelacht habe! Aber sie beschreibt ihre Lage so göttlich, dass man gar nicht anders kann. Viele Situationen habe ich wiedererkannt und ich bin mir sicher, wenn der Dachabriss beginnt, werde ich noch sehr viel mehr Déjà-vu Erlebnisse haben, aber ich werde mich getröstet fühlen, denn ich bin nicht allein! Und wie sagte Frau Karnick so schön "Gute Handwerker erkennt man nicht daran, dass sie ihren Job gut machen, sondern wie schnell sie brauchen, um ihre Fehler wieder zu beheben" (frei zitiert)
5 fehlerlose Sterne und eine absolute Leseempfehlung!