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Lieber Luca
Der Empfänger ist die große Leerstelle in Lieber Luca, dem umwerfend geschriebenen Roman der Münchner, eigentlich im Gespann Borger & Straub bekannt gewordenen Autorin Martina Borger. Denn die Briefe, die die Mutter an ihren Sohn Luca schreibt, werden zunächst nie abgeschickt, sondern wandern in eine rote Dose -- bis zum Ende, als die Verfasserin sich ihre Sorgen von der Seele geschrieben hat und versucht, rückgängig zu machen, was nicht mehr rückgängig zu machen ist.
Langsam entwickelt sich aus der aneinander montierten Reihe von Briefen in Lieber Luca aus der Retrospektive das Bild einer familiären Tragödie. Nach der gescheiterten Ehe mit einem Italiener muss die Absenderin erkennen, dass sie gerade den Fehler ihres Lebens macht und langsam, aber sicher ihren Sohn verliert: Er geht in die Ferne, zum Vater, und lässt die anscheinend gefühllose Mutter in Deutschland zurück. Die aber leidet, obwohl sie inzwischen einen treu sorgenden, liebenden und verständnisvollen Mann gefunden hat -- und weiß doch nicht, wie sie aus ihrem Leiden ausbrechen kann.
Lieber Luca ist ein für den Sohn vorgesehener Liebes- und Briefroman, der nur eine Stimme kennt: ein wenig so wie Goethes Die Leiden des jungen Werthers, nur noch ein wenig radikaler, weil die Texte nicht beim Empfänger landen, sondern in eine rote Keksdose wandern. Literarisch sind sie Zeugnisse eines großen Tabubruchs, eines vielleicht nie wieder gut zu machenden Vergehens, eines Verstoßes im wahrsten Sinn des Wortes, und einer großen, ohne Not verursachten Trauer: einfühlsam, sensibel und großartig erzählt. Niemals kitschige, wundervolle Lektüre, die ans Herz geht. Bücher wie Lieber Luca sind selten -- und deshalb wichtiger denn je. -- Isa Gerck, Literaturanzeiger.de
207 pages, Paperback
First published January 1, 2007
Ratings & Reviews
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Community Reviews
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
August 14, 2025
war echt sweet und tolle erzählstruktur
July 28, 2015
Simone, eine Münchnerin um die 40, schreibt Briefe an Luca. Abschicken will sie sie jedoch nicht, sie wandern in eine Keksdose und haben somit ihren Zweck erfüllt, nämlich dass Simone sich die Vergangenheit von der Seele schreiben konnte.
Die Vergangenheit, in der sie einmal glücklich war, bis Luca aus ihrem Leben verschwunden ist und sie anfing, sich hinter einer Mauer aus Stolz und Verschlossenheit zu verschanzen und nicht einmal ihren Lebensgefährten Frank wirklich an sich heranzulassen, einen Job annahm, der sie eigentlich gar nicht interessiert, und ihre Zukunftspläne ein für allemal über Bord warf.
Wer Luca ist, wieso er nicht mehr da ist und wie es zum Ausbruch der "Eiszeit", wie Simone es nennt, kommen konnte, erfährt man erst ganz allmählich aus den Erinnerungen, die sie in einem Brief nach dem anderen zu Papier bringt, zusammen mit aktuellen Erlebnissen, die sie beschäftigen, und minutiösen, realistischen Alltagsbeschreibungen.
Es passiert eigentlich gar nichts Weltbewegendes in dem Buch, dafür erhält der Leser einen schonungslosen Einblick in Simones Gedanken- und Gefühlswelt, die beileibe nicht immer sympathisch wirkt, und während man immer wieder zu erraten versucht, was es nun mit Lucas Verschwinden auf sich hat, entwickelt das Buch einen starken erzählerischen Sog.
Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen im allgemeinen stehen mit ihren Höhen und Tiefen im Mittelpunkt, von der Autorin wunderbar lebensnah eingefangen.
Die Vergangenheit, in der sie einmal glücklich war, bis Luca aus ihrem Leben verschwunden ist und sie anfing, sich hinter einer Mauer aus Stolz und Verschlossenheit zu verschanzen und nicht einmal ihren Lebensgefährten Frank wirklich an sich heranzulassen, einen Job annahm, der sie eigentlich gar nicht interessiert, und ihre Zukunftspläne ein für allemal über Bord warf.
Wer Luca ist, wieso er nicht mehr da ist und wie es zum Ausbruch der "Eiszeit", wie Simone es nennt, kommen konnte, erfährt man erst ganz allmählich aus den Erinnerungen, die sie in einem Brief nach dem anderen zu Papier bringt, zusammen mit aktuellen Erlebnissen, die sie beschäftigen, und minutiösen, realistischen Alltagsbeschreibungen.
Es passiert eigentlich gar nichts Weltbewegendes in dem Buch, dafür erhält der Leser einen schonungslosen Einblick in Simones Gedanken- und Gefühlswelt, die beileibe nicht immer sympathisch wirkt, und während man immer wieder zu erraten versucht, was es nun mit Lucas Verschwinden auf sich hat, entwickelt das Buch einen starken erzählerischen Sog.
Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen im allgemeinen stehen mit ihren Höhen und Tiefen im Mittelpunkt, von der Autorin wunderbar lebensnah eingefangen.
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