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Langsam entwickelt sich aus der aneinander montierten Reihe von Briefen in Lieber Luca aus der Retrospektive das Bild einer familiären Tragödie. Nach der gescheiterten Ehe mit einem Italiener muss die Absenderin erkennen, dass sie gerade den Fehler ihres Lebens macht und langsam, aber sicher ihren Sohn verliert: Er geht in die Ferne, zum Vater, und lässt die anscheinend gefühllose Mutter in Deutschland zurück. Die aber leidet, obwohl sie inzwischen einen treu sorgenden, liebenden und verständnisvollen Mann gefunden hat -- und weiß doch nicht, wie sie aus ihrem Leiden ausbrechen kann.
Lieber Luca ist ein für den Sohn vorgesehener Liebes- und Briefroman, der nur eine Stimme kennt: ein wenig so wie Goethes Die Leiden des jungen Werthers, nur noch ein wenig radikaler, weil die Texte nicht beim Empfänger landen, sondern in eine rote Keksdose wandern. Literarisch sind sie Zeugnisse eines großen Tabubruchs, eines vielleicht nie wieder gut zu machenden Vergehens, eines Verstoßes im wahrsten Sinn des Wortes, und einer großen, ohne Not verursachten Trauer: einfühlsam, sensibel und großartig erzählt. Niemals kitschige, wundervolle Lektüre, die ans Herz geht. Bücher wie Lieber Luca sind selten -- und deshalb wichtiger denn je. -- Isa Gerck, Literaturanzeiger.de
207 pages, Paperback
First published January 1, 2007