Sibylle Berg ist wieder da. Als wäre sie nie fort gewesen. Und war sie auch nicht. Sie war nur in der Fremde: bei Männern. Dort hat sie viel gesehen, erlebt, gelernt. Und das teilt sie, wie es ihre Art ist, großzügig mit ihren Lesern. Zum Teil großzügiger als nötig vielleicht: Denn diese Kurzgeschichten, Szenen, Momentaufnahmen sind so spaßig wie die Wahrheit. Also eher gar nicht. Gut, dass man wenigstens drüber lachen kann.
Aus dem Inhalt: Der Mann als solcher, einsam, gescheitert, tot. Dann: Der Mann, wie er raucht, weil er weiß, dass er stirbt. Der Mann, der ficken will. Ficken Ficken Ficken. Der Mann, der Sehnsucht hat, aber das wird nichts. Außerdem: Der Mann im Ausland, in Hongkong, Lanzarote, Bangkok. Der Mann und die Frau, mal schon tot, mal muss er das selbst erledigen. Der Mann und die Liebe, ein Desaster.
Ein Witz? Ist das ein Witz? Ist das alles vielleicht ein Witz? Nein, das ist Literatur, das sind große Gefühle, Wahrheit, ernst gemeint bis auf die Knochen. Aber deshalb muss man es selber lesen. Sie werden verstehen, warum wir hier nichts nacherzählen. Danke!
»Unter Herren
Es war tief in den Jahren der Kohl-Ära, die Frauenbewegung stand in schönster Blüte, als der Kohlenpott-Rocker Herbert Grönemeyer sämtliche Urteile, Vorurteile, Klischees und Gemeinplätze über seine Artgenossen zu einer Hymne der virilen Gegenreformation verrührte. "Männer nehmen in den Arm, geben Geborgenheit, / weinen heimlich, brauchen viel Zärtlichkeit, / sind so verletzlich, sind auf dieser Welt einfach unersetzlich."
Sibylle Berg, wir ahnten es, kommt in ihren Feldforschungen zwischen Stammtisch, Südseeinsel und Schleiflackschlafzimmer zu einem anderen Ergebnis. Kein geringerer als Gott ist es, der den letztinstanzlichen Befund ausspricht: "Dreckzeug." Und wirklich: Gegen die Mehrzahl der Exemplare, die wir in Bergs 17 "Herrengeschichten" kennen lernen, wirken die Figuren eines Michel Houellebecq nachgerade als fidele, aufgeräumte Zeitgenossen. Ob allein vor heimischer Schrankwand, oder in Honkong, Lanzarote und Bangkok, ob einsam oder mit Lebensabschnittsgefährtin - Erfreuliches, wie es der Buchtitel doch immerhin auch nahe legt, bekommen wir nicht zu sehen.
Stattdessen: Viel Schmutz, viel schmutziger Sex, viel Sehnsucht. Das Leben eben. Liebe? "Ich würde ihr sehr gerne erst die Finger brechen, dann die Augen mit Sekundenkleber zupappen, die Füße schnüren und den spitzen Mund mit einem Bügeleisen bearbeiten. Eingeschaltet, versteht sich. Höchste Stufe." - Ein Buch also, so recht dazu angetan, es mit einem hübschen Schleifchen zu versehen und mit einer Packung "Ferrero Küsschen" einem nahe stehenden Menschen zu schenken. "Menschen", so verrät einer der Berg'schen Helden von der traurigen Gestalt, "erscheinen mir oft wie Nuklearsprengköpfe". Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Frau Berg besser nicht.« --Niklas Feldtkamp
Sibylle Berg was born at and spent her childhood in Weimar where she also worked as a puppeteer until moving to the West in 1984. She studied briefly at the Dimitri theatre school in Ticino and then had various jobs. She began to write, published her first articles and reportage, and was a columnist for the "Zeit-Magazin". Her first book appeared in 1997, and other novels and stories followed. "Helges Leben" was her first play. Sibylle Berg lives in Zurich.
Leider finde ich die Kurzgeschichte ,,Nacht" nicht als einzelnes, somit schreibe ich meine Rezension für das gesamte Buch.
Da ich tatsächlich nur ,,Nacht" für mein Seminar gelesen habe kann ich nicht sagen wie die anderen Geschichten in diesem Buch sind.
Die Kurzgeschichte ,,Nacht" war für mich interessant zu lesen da Stress ein Hauptfaktor der Geschichte war und ich negative Aspekte in Geschichten immer sehr mag zu lesen, da sie sich sehr unterschiedlich entwickeln. Der Sprachstil war zwar nicht so sehr mein Geschmack, aber es war trotzdem eine ausreichende Geschichte für wenige Unterrichtsstunden.