Kathie traut ihren Ohren nicht, als sie erfährt, woran Ina gerade schreibt: „Auch eine Frau kann Gott sein, Fegefeuer und Hölle existieren in Wirklichkeit nicht, Gebete sind überflüssig!“ Wo ist ihre Zwillingsschwester da bloß hineingeraten? Ausgerechnet jetzt, wo der Papst immer mehr Schwarze Mönche nach Regensburg schickt, die Ketzer aufspüren sollen. Kathie wird angst und bange. Wird dieses geheime Büchlein Inas Schicksal und das des Schwesternhauses besiegeln?
Kathies Leben ist alles andere als angenehm. Erst stirbt eine der Schwestern, Effelin, welche wie eine zweite Mutter für sie war. Dann entkommt sie selbst nur knapp dem Tod und auf einmal muss sie feststellen, dass ihre geliebte Zwillingsschwester sich verändert und sogar ein dunkles Geheimnis verbirgt - Sie schreibt ein Buch ab, ein verbotenes Buch. Das Buch der Ketzer und das gerade jetzt wo immer mehr schwarze Mönche auftauchen und die Gegenden nach Ketzern absuchen. Kathie teilt zwar nicht die Meinung ihrer ketzerischen Schwester, aber sie steht trotzdem hinter ihr, denn sie sind eins - ein Herz und eine Seele...
Ich muss gestehen, auch nach den ersten 100 Seiten wollte der Funke bei nicht überspringen und ich rätselte immer noch, ob dieses Buch es überhaupt schafft, mich zu fesseln. Doch interessanter Weise hatte es dies schon längst getan, ich konnte das Buch nicht zuklappen und weglegen. Also las ich einfach weiter. Es ist gewiss keine leichte Lektüre, auch wenn es ein Jugendbuch ist. Es lässt sich zwar leicht lesen, aber man erfährt vieles zwischen den Zeilen. Begriffe, die zu der Zeit üblich waren, oder auch die Erwähnung des Kaisers ist in einem ausführlichen Glossar erläutert, welches dem Leser darüber hinaus noch mit dem nötigen Hintergrundwissen versorgt. Und trotzdem hatte ich anfangs ein paar Schwierigkeiten, mich in die Zeit des 13. Jahrhunderts hinein zu versetzen. Die Beschreibungen der Landschaft, den damaligen Gegeben- und Geflogenheiten waren hier zudem recht vage. Einzig die allgegenwärtige Macht der Kirche und die ständige Bedrohung durch die Inquisition wird hier mehr als deutlich.
Der Roman wird von Kathie in der Ich-Form erzählt. Der Leser sieht die Welt demnach mit ihren Augen. Obwohl Kathie, die von ihrer Schwester desöfteren "Dummerchen" genannt wird, mit dem ketzerischen Büchlein und der Hingabe Ina's zu den Ketzern nichts anzufangen weiß, ist ihr durchaus bewusst in welche Gefahren Ina sich damit begibt. Kathie steht dennoch hinter ihrer Schwester und will ihr beistehen. Die Verbindung, die zwischen den beiden Schwestern schon seit ihrer Geburt an besteht, wird dem Leser ebenso schmerzlich bewusst wie Kathie selbst, als Ina plötzlich verschwunden ist. Für ihre Schwester würde Kathie sogar durch das Fegefeuer der Hölle gehen. Es ist zuerst etwas befremdend, dann aber spannend und aufregend Kathie's Erzählung zu folgen.
Abschließend möchte ich diesmal noch auf die "Aufmachung" des Buches zu sprechen kommen, was ich eigentlich gerne vermeide, da es für mich in erster Linie um den Inhalt eines Buches geht. Das Cover zeigt die Rückseite einer Frau im mittelalterlichen Gewand vor einem grün marmorierten Hintergrund. Auf der rechten Seite des Gewandes erkennt der Betrachter bei näherem Hinsehen einen lateinischen Text. Die Ränder (links und rechts) sind mit goldenen Ornamenten verziert, die sich später im Buch in schwarzweiß wiederfinden. Sie kündigen ein neues Kapitel an. In diesen Ornamenten erkennt man zwei Figuren - eine helle, die von einer dunklen verfolgt wird. Sie sind wohl stellvertretend für die im Buch erwähnten Ketzer und die schwarzen Mönche und verleihen dem damaligen Geschehen noch mehr Nachdruck. Auch wenn man das Buch aufklappt, erwartet den Leser kein weißes Blatt. Der Inneneinband zeigt ein altes Pergament auf dem die ketzerischen Worte zu lesen sind. Die Geschichte ist sehr tragisch, aber schön und leider gibt es ein Ende.
Fazit: Das "Gesamtkonzept" ist absolut stimmig. Alles ist bis ins kleinste Detail durchdacht vom Inhalt sowie vom äußeren Erscheinungsbild. Auch wenn es hier geschichtlich nicht all zu sehr in die Tiefen ging, ist es dennoch ein sehr gutes Buch - spannend und fesselnd.
Inhalt 1234 n.Chr: Kathie und Ina sind Zwillinge und leben seit dem frühen Tod ihrer Eltern seit einigen Jahren in einer Lebensgemeinschaft einiger gläubigen Frauen, vor den Toren Regensburgs. Ina verbringt die meiste Zeit in ihrer kleinen Schreibstube, oder sie liest den anderen Frauen Briefe oder aus der Bibel vor. Kathie arbeitet leidenschaftlich im Garten, wo sie Effelin zur Hand geht, die ihr mittlerweile wie eine Mutter ans Herz gewachsen ist. Doch als Effelin stirbt, muss sie nun alleine mit dem Garten fertig werden. Sie zieht ebenfalls für kurze Zeit mit in Inas Schreibstube; dort teilt ihr Ina mit, dass sie nicht wie sie vorgibt das Lukasevangelium, sondern ein Büchlein abschreibt, in welchem Sätze stehen, wie „Auch eine Frau kann Gott sein, Fegefeuer und Hölle existieren in Wirklichkeit nicht, Gebete sind überflüssig!“. Kathie ist entsetzt, doch Das Leben geht weiter und so passiert einige Zeit nichts…(und mehr darf ich nicht verraten, da es sonst reichlich langweilig wird).
M.ichs Eigene Meinung Erstens, das Cover passt perfekt zum Buch! Das heißt, wer das Cover nicht mag mag das Buch auch nicht, und wer das Cover mag, wird das Buch auch mögen. Der Titel ist zwar etwas übertrieben, passt aber auch richtig gut.
Der Inhalt ist, finde ich, sehr ausgefallen, abgesehen davon, dass es allgemein in einer Zeit spielt, die mich persönlich sehr interessiert. Die Handlung war auch nicht richtig vorhersehbar, sondern mit einigen sehr guten Wendungen darin. Die Sprache war nichts Besonderes, aber man konnte gut darüber hinwegfliegen. Die Beschreibungen sind auch recht lebhaft, und die Orte (Regensburg und Nürnberg) sind sehr passend ausgewählt. Ich hatte nur am Anfang ein kleines Problem mir Regensburg, das ich schon sehr oft besucht habe, und so sehr gut kenne, mir ohne irgendwelche asiatischen Touristen oder Frauen in Highheels vorzustellen. Aber nach einiger Zeit ging auch das.
Die Namen sind ziemlich gewöhnungsbedürftig (Effelin, Märthe, Elspet,…) Doch mit der Figur “Kathie” kommt man sehr gut zurecht. Was ich sehr schön fand war, dass Kathie eine sehr untypische Persönlichkeit hat, denn sie ist nicht, wie so oft sie tolle, starke Heldin, die die Welt rettet, sondern sie ist eine unscheinbare junge Frau, die sehr im Schatten ihrer Schwester steht und sich nur im Garten so richtig entfalten kann.
Das einzige, was mich so richtig stört, ist das Ende. Das Ende ist überhaupt nicht nach meinem Geschmack, sondern sehr traurig und ich habe mir irgendwie mehr gewünscht.
Fazit Ein schöner historischer Roman für Fans von schönen Büchern mit unschönen Enden.