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Die Verlorenen Söhne: Pläydoyer Für Die Befreiung Des Türkisch Muslimischen Mannes

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Hätte eine Deutsche dieses Buch verfasst, von "archaischer Stammeskultur" und dem mangelnden Selbstbewusstein der Deutschen gesprochen, die den Zugewanderten keine klaren Regeln vorgeben, dann hätte es sicherlich einen Aufschrei gegeben -- fremdenfeindlich und rassistisch wäre die Autorin genannt worden.

Nun ist die Verfasserin des Buches türkischstämmig, kennt die Welt jenseits des Bosporus genauso gut wie die Migrantenmilieus in bundesdeutschen Großstädten und verfügt auch noch über das Handwerkszeug empirischer Sozialforschung. Nachdem ihr Buch Die fremde Braut das System der Zwangsehe anprangerte, nimmt Sie jetzt die Väter, Söhne und Brüder ins Visier. Sie geht einzelnen Biografien nach, die im Osten Anatoliens beginnen und mitunter in einem deutschen Gefängnis enden. Sie erzählt die Geschichte von PKK-Aktivisten, Zuhältern und ganz normalen Familienvätern, von starren Gesetzen und einer vorgegebenen Männerrolle, aus der die meisten türkisch-muslimischen Männer nicht herausfinden. In dieser Welt zählen Respekt, Ehre und Schande; und Kelek hat die Mehmets und Yilmaz' interviewt, die für diese Werte töteten, schlugen und zerstörten.

Dabei macht Kelek von Anfang an klar, dass die porträtierten Männer nicht nur Täter, sondern ebenso Opfer eines Systems sind, das die Integration in einem Land wie Deutschland verhindert und nach aufgeklärtem Verständnis normale Familienbeziehungen unmöglich macht. Nicht zuletzt hat sie dieses Buch aus der realistischen Einsicht heraus geschrieben, dass die Emanzipation der türkisch-muslimischen Frauen nicht ohne ein Umdenken der Männer möglich ist.

Man kann Keleks Eindruck nur bestätigen, dass die deutsche Gesellschaft dem unbekannten Wesen "türkischstämmiger Mann" hilflos gegenübersteht. Sie gibt hier einen biografischen Einblick, der vieles verständlicher macht, aber nichts entschuldigt. Ihr Ziel, die Unmündigkeit innerhalb einer von Männern definierten, traditionellen Welt zu überwinden, ehrt sie. Man möchte nur hoffen, dass das Buch nicht von denjenigen instrumentalisiert wird, die schon immer "wussten", wie "rückständig" die Türken im Grunde sind. --Henrik Flor

217 pages, Hardcover

First published October 31, 2007

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Necla Kelek

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
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April 25, 2026
Ich wollte dieses Buch schon seit Jahren haben, nachdem ich die "fremde Braut" mit großem Interesse gelesen hatte. Leider war ich ziemlich enttäuscht. Ist dieses Buch soviel schlechter, oder bin ich mittlerweile nur deutlich kritischer geworden?

Es hat für mich kaum irgendeine Struktur, ist einfach eine Sammlung aller Biografien, die der Autorin untergekommen sind, dann noch ein bisschen aus ihrem eigenen Lebenslauf (hatten wir das nicht schon alles??) und ein paar allgemeine Gedanken. Über weite Teile las sich das für mich, als müsste sie alles zusammenkratzen, was ihr zu dem Thema einfällt.

Dann ihre Haltung. Leider schimmert immer wieder durch, dass sie die Sache absolut schwarz-weiß sieht, man könnte über weite Strecken des Buches annehmen, es gebe keinen einzigen anständigen/ modernen Muslim in Deutschland. Besonders deutlich war das für mich in einer Szene, in der sie einen Hodscha fragt, warum in so vielen muslimisch geprägten Ländern "Leid und Unterdrückung herrschen". Allein bei der Frage muss sich doch jeder intelligente Mensch an den Kopf fassen?!

Das Literaturverzeichnis besteht teils aus kritischen Erfahrungsberichten, teils aus völlig sachfremden Texten ("Homer - Die Odyssee") und zum letzten aus allg. Büchern zum Islam - allesamt deutsche Populärliteratur. Wäre es für eine türkischsprachige Akademikerin nicht möglich gewesen ein Buch zu finden, was von einem Muslim geschrieben wurde?? Habe ich als sehr seltsam gefunden.

Fazit:
Das klingt jetzt alles sehr negativ, das Buch ist aber durchaus nicht uninteressant. Es ist allerdings mit seinem alleinigen Fokus auf die schlimmsten Charaktere sehr geeignet um Ressentiments zu schüren (das ist ihr bei mir jedenfalls gelungen) und bietet fast überhaupt keine Zahlen um das Ganze irgendwie einzuordnen. Ich habe mir jetzt im Nachgang noch andere Literatur besorgt und bin zu dem Schluss gekommen, dass wir vor allem ZAHLEN bräuchten zu der Frage, wieviele der in Deutschland lebenden Türkisch/Arabisch-Stämmigen eigentlich 1) religiös leben 2) den deutschen Rechtsstaat annehmen/ ablehnen 3) starr an Bräuchen aus dem Herkunftsland festhalten und dabei ihren Kindern ihr Selbstbestimmungsrecht verweigern usw. . Schwarz-weiße Meinungen und folglich auch Bücher haben wir wohl mittlerweile genug.
Profile Image for Janko.
1 review
April 5, 2013
Eine interessante Zusammenstellung von Geschichten über das Leben und die Zwiespälte muslimischer und muslimisch-stämmiger Mitbürger in Deutschland. Die Autorin bringt ihre eigene Herkunft und Lebensgeschichte, sowie ihre Erfahrungen mit der teilweise archaischen Gesellschaft in der Türkei mit in das Werk ein. Ihre Gespraechspartner kommen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und ermoeglichen so eine diversifizierte Betrachtung der Thematik.
Unterschiede bezueglich Ehre, Recht, Staat und Familienbanden werden herausgearbeitet und in einen Zusammenhang mit der Lebenswirklichkeit in Deutschland gebracht.

Alles in allem ein interessantes und informatives Buch, sicherlich jedoch abhaengig vom Hintergrund (-wissen) eines jeden einzelnen.
Profile Image for Iskandar Abdalla.
13 reviews4 followers
February 17, 2011
banal,naive und publizistisch, plädiert gegen das Dogma der Religion und schafft gleichzeitig aus einer imaginären konstruierten Moderne ein neues Dogma!
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