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Larklight by Philip Reeve
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1988788
's review
Feb 03, 2009

it was amazing
bookshelves: alternate-history, steampunk
Read in March, 2008

Book was read in english, but review is in german. Sorry to those who cannot comprehend it... ;o)

Wir schreiben das Jahr des Herrn 1851. Im britischen Imperium herrscht Königin Victoria über England, die amerikanischen Kolonien und die Besitztümer der Krone auf Mond, Mars und anderen Planeten des Sonnensystems. Das Universum von Larklight ist definitiv nicht das, welches wir kennen – 1703 entwickelte Isaac Newton den Ätherantrieb, seitdem eifersüchtig gehütet von den Alchimisten der Royal Alchemists Society und der Grund für die unangefochtene Vormachtstellung der Engländer. All dies weist bereits darauf hin: Dieses Kinderbuch kommt „very british“ daher.

Aber genau das ist der ganz besondere Charme von Larklight, denn der Autor versteht es vortrefflich, die Stimmung des Landes und der Zeit einzufangen und mit dem von ihm erdachten Steampunk-Universum zu etwas überaus Originellem und Kurzweiligem zu vermischen.

Und obwohl es sich um ein Kinderbuch handelt, werden Erwachsene absolut ihre Freude daran haben, denn auch für sie gibt es diverse Anspielungen, abgesehen davon ist die Fabulierkunst des Autoren mehrere Güteklassen über der anderer Jugendbuchautoren angesiedelt (ich will hier keine Namen nennen).

Ein paar Hinweise, ohne auf handlungswichtige Details einzugehen:

Die Kinder Art und Myrtle Mumby leben zusammen mit ihrem Vater, einem Ichtyomorph-Forscher, in Larklight, einem Haus das zusammen mit dem Mond um die Erde kreist. Eines Tages wird ihr Heim von Mr. Webster und seinen Helfershelfern überfallen, die Kinder müssen fliehen und es beginnt eine fantastische Reise durch unser Sonnensystem, vom Mond über die Venus bis zu den Mondes des Jupiter und den Ringen des Saturn. Selbstverständlich sind die meisten Welten für Menschen bewohnbar, wenngleich es auch manchmal Schwierigkeiten mit der Schwerkraft gibt, die nicht selten weniger als ein BSG (British Standard Gravity) beträgt. Gereist wird an Bord des Ätherseglers Sophronia, der wohl nicht ganz zufällig eine gewisse Ähnlichkeit mit Segelschiffen aufweist und auch sonst erinnert an der Ätherfliegerei doch deutlich der britischen Seefahrt wie wir sie kennen, wenn auch der erste Maat schonmal ein vierarmiger Ionianer sein kann, oder ein anderes Besatzungsmitglied eher aussieht wie eine übergroße Krabbe.

Kapitän des Ätherschiffes ist der berüchtigte und gefürchtete Pirat Jack Havock, dem man wahrlich nichts Gutes nachsagt...

In der Tour de Force durchs Sonnensystem lernt man zahlreiche farbenfrohe Charaktere des Jahres 1851 kennen, von denen zumindest manch einer der Menschen auf realen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte basiert. Natürlich gilt es nichts Geringeres als den Untergang des britischen Empire abzuwenden (nebenbei würde noch das gesamte Sonnensystem dran glauben müssen, aber das ist für die Protagonisten wohl eher zweitrangig).

Das Szenario ist feinster Steampunk von einer Sorte, wie es ihn leider viel zu selten gibt. Ätherschiffe, Häuser die im All schweben, buntquirlige Häfen auf Io und riesige Maschinen mit Metallstreben und Nieten bekommt man in Larklight geboten, ohne dass die Erzählung technisch zu werden droht. Steampunk ist nicht Selbstzweck, sondern Träger für die Handlung und die Charaktere. Die sind natürlich von der gottgegebenen Überlegenheit Englands überzeugt, aber natürlich passt das ebenso ins Bild der Zeit (und der Protagonisten), wie Arts und Myrtles Frauenbild, aber beides ist auf derart charmante Weise beschrieben und kommt oftmals mit einem Augenzwinkern daher, dass es die Lesefreude eher verstärkt. Ohnehin ist der Schreibstil der Zeit gemäß, ohne altmodisch oder aufgesetzt zu wirken, ein Kunstgriff, den man auch erst einmal hinbekommen muss und den Reeve ohne Stolpern gemeistert hat. Und neben dem Steampunk gibt es ja beispielsweise auch noch Pilzmänner auf dem Mond, die klassischen, entfernt elfenähnlichen Marsianer auf dem roten Planeten, vielbeinige Gegenspieler und den größenwahnsinnigen Irren. Von ein paar unerwarteten Überraschungen mal ganz abgesehen.

Ich muss zugeben: Larklight war so ziemlich das originellste und kurzweiligste Buch, das ich seit Langem gelesen habe und das obwohl – oder grade weil? - es ein Kinderbuch war. Ich kann mich Norberts Einschätzung nur anschließen: Es ist ein Muss für Phantastikfreunde mit oder ohne Interesse an Steampunk und für alle anderen eigentlich ebenfalls. Für ausgewiesene Freunde letzteren Genres - wie mich - ist es nahezu eine Offenbarung.

Als zusätzliche Sahne auf dem Kuchen darf man die stilistisch bei zeitgenössischen angelehnten und großartig gelungenen Zeichnungen von David Wyatt betrachten.

Bestellt euch das englische Taschenbuch bei Amazon, Marsianer und Marsianerinnen, mutige Ätherkapitäne und vierarmige Ionianer, diese 5 Euro 99 sind verdammt gut angelegt. Und dann „Sail ho!“ zur Venus!

Der zweite Band - „Starcross“ - ist schon raus, insgesamt sollen es drei werden, die wohl alle inhaltlich abgeschlossen sind. Ich will mehr! Und verfilmt wird es offenbar auch...
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