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Der Medicus by Noah Gordon
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1776940
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Dec 14, 08

bookshelves: historical-fiction
Read in May, 2003

Überschätzt aber gut und lesenswert

Dieses Buch ist die Geschichte eines Waisenjungen, der aufgrund glücklicher Umstände, einer besonderen Gabe und der Tatsache, dass er gnadenlos sein großes Ziel verfolgt zu einem der besten Ärzte des Mittelalters wird.

Im Alter von neun Jahren wird Robert J. Cole zum Waisen und hat enormes Glück, dass er nicht als Unfreier verkauft wird. Dieses Glück tritt in Form eines Baders in sein Leben, der sich bereit erklärt, den Jungen als Lehrling aufzunehmen. Zu seinem besonderen Glück ist das nicht nur jemand der keine bösen Hintergedanken ihm gegenüber hegt, sondern auch noch ein Bader, der sein Handwerk besonders gut versteht. Rob seinerseits, besitzt eine unglaubliche Gabe: er kann wenn er jemanden die Hände reicht, fühlen ob sein Gegenüber noch stark ist oder schon bald sterben wird. Und noch etwas hat er, er ist ehrgeizig.

Irgendwann erkennt er, dass er als Bader an die Grenzen seines Könnens kommt und daher häufig nicht mehr helfen kann. Dies bringt ihn dazu sich zu entscheiden Medicus zu werden. Innerhalb des christlichen Europas gibt es keine guten Ärzteschulen und so entschließt er sich gegen jedes Gesetz und Gebot, sich als Jude auszugeben und an der Schule in Isphahan zu studieren. Soweit zum Inhalt.

Die Story ist also insgesamt gut und auch der Plot ist durchaus in Ordnung. Nur gleich die Geschichte ist irgendwie unglaubwürdig. Es ist unglaubwürdig, wie gut es dem jungen Bader immer geht und es ist unglaubwürdig wie frei die Gedanken dieses jungen Mannes sind - schließlich ist er ein Kind des 11. Jahrhunderts und nicht in die Zeit der Aufklärung geboren. Dennoch bleibt es eine nette Geschichte. Von einem historischen Roman erwartet man sich allerdings doch mehr Feingefühl für die beschriebene Zeit.

Sprachlich ist das Buch in Ordnung ragt aber nicht aus der Masse hervor. Der Roman als solches wird nie langweilig, wenngleich die Geschichte niemals Hochspannung bieten kann, das hätte aber wohl kaum jemand erwartet. Das wirkliche Manko sind die zu flachen Charaktere. Die Personen bleiben Schatten. Einen Blick in ihr Innerstes wagt Gordon nicht. Einzig der Protagonist wird klar gezeichnet und hat einigen Tiefgang - bei rd. 700 Seiten kann man da mehr erwarten.

Conclusio: Das Buch - dem teilweise nachgesagt wird, der beste historische Roman zu sein - ist mit solch einer Einschätzung klar überbewertet. Aber die Tatsache, dass es nicht Klassenprimus ist, macht es noch lange nicht zu einem schlechten Buch. Es ist gut geschrieben, sorgt für gute Unterhaltung und ist absolut lesenswert. Eine ausgezeichnete Fortsetzung findet sich in "Der Schamane".
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