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Inri Oder Die Reise Mit Der Zeitmaschine Roman by Michael Moorcock
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1776940
's review
Nov 13, 09

bookshelves: comedy
Read in November, 2005

Karl Glogauer ist ein sehr seltsamer Kauz, ein verhinderter Psychiater der unbedingt die Kreuzigung miterleben will. Um diesem Wunsch nachzukommen setzt er sich in eine Zeitmaschine und landet punktgenau, wenn auch etwas hart. Kaum in der Zeitenwende angekommen trifft er auf Johannes den Täufer, bei dessen Gruppe von Essenern er sich an die Lebensbedingungen dieser Zeit gewöhnt und seine Sprachkenntnisse in Aramäisch wieder auf Stand bringt. Hier erhält er auch seinen neuen Namen: Immanuel. Aber er will die Kreuzigung miterleben und so macht er sich auf die Suche nach Jesus von Nazareth, den im Gegensatz zu Johannes niemand kennt. Spätestens jetzt ist dem geneigten Leser klar, dass Glogauer die Kreuzigung miterleben wird, aus erster Hand sozusagen.

Mit diesem Thema schreibt Moorcock natürlich hart an der Grenze zur Blasphemie - aber gerade diese Schwierigkeit hat er gut gemeistert. Für aufgeschlossene Leser wird sein Text sicherlich niemals die Grenze des guten Geschmacks überschreiten; gegenüber Dogmatikern hatte er von Anfang an keine Chance, denn dafür ist das Thema zu heikel.

Sprachlich ist Moorcock nicht wirklich Großes gelungen, ganz im Gegenteil ist das Werk auf dieser Ebene eher schwach - abgesehen von den eher schwachen Formulierungen ist die Sprache grobschlächtig. Dafür erlaubt uns der Autor sehr häufig in die wirre, schwer verständliche Gedankenwelt von Karl Glogauer einzutauchen. Immer wieder springt man in der Zeitlinie, was das Buch zwar teilweise schwer lesbar macht, aber als stilistisches Mittel durchaus angebracht erscheint.

Eine weitere Schwäche entsteht daraus, dass sich Moorcock zu wenig um die Entwicklung der Geschichte kümmert. Er lässt einfach zu viele entscheidende Szenen aus. Einerseits will er zeigen, wie sich der Mythos entwickelte andererseits nimmt er sich dafür einfach zu wenig Zeit und Raum. Hier wäre es besser gewesen die Geschichte die die Grundlage für den Mythos bildet ausführlicher und liebevoller zu gestalten. So wurde es zu einer kurzen Geschichte, die tolle Ansätze hat, aber irgendwie unfertig wirkt. Ich bin ein großer Verfechter der Theorie, dass gute Bücher nicht viele Seiten brauchen - hier jedoch wäre mehr tatsächlich mehr gewesen.

Das Gesamturteil fällt entsprechend ambivalent aus. Die Idee zur Geschichte ist gut, stilistisch ist es ordentlich umgesetzt, aber die Charakterisierung der Personen, die Sprache und die Ausführlichkeit der Erzählung kommen einfach zu kurz. Daher meine Empfehlung: Aus literarischer Sicht wertlos aber um neue Denkanstöße zu bekommen wertvoll.
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