Sarah's Reviews > Dark Queen: Schwarze Seele, schneeweißes Herz

Dark Queen by Kimberly Derting
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7533508
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Aug 13, 2012

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Read in August, 2012

"Dark Queen - Schwarze Seele, schneeweißes Herz" von Kimberly Derting ist ein Jugendroman, der als Endzeitroman/Dystopie angekündigt wird, sich für mich aber eher als Fantasy entpuppte. Obwohl ich damit an sich kein Problem gehabt hätte, blieb dieser Roman in meinen Augen Mittelmaß.

Inhalt: Charlaina, kurz auch Charlie genannt, lebt im Königreich Ludania, indem es jedem Einwohner nur erlaubt ist zwei Sprachen zu sprechen. Die Universalsprache und die Sprache seiner Klasse. Wer gegen dieses Gesetz verstößt und auch nur den Verdacht erweckt andere Sprachen zu verstehen, wird nach den strengen Gesetzen der Königin mit dem Tode bestraft. Charlie gibt sich alle Mühe als gewöhnliches Mädchen aus der Händlerklasse durchzugehen und ihr großes Geheimnis für sich zu behalten. Denn Charlie versteht alle Sprachen und Dialekte, auch solche, die sie noch nie zuvor gehört hat, wie etwa die Sprache von Max, den sie eines Abends in einem Club kennenlernt. Unerwartet zeigt er großes Interesse an Charlie. Hat er Verdacht geschöpft? Das Leben ist allerdings auch so nicht ungefährlich, denn das Königreich befindet sich im Krieg und die Königin ist alt...

Schon der Prolog beginnt sehr spannend. Die kleine Sabara, die Tochter der Königin, betritt das Schlafzimmer ihrer im Sterben liegenden Mutter, bereit ihren Platz einzunehmen. Doch Königin zu werden, bedeutet in Ludania mehr, als einfach nur den Thron zu übernehmen. Es bedeutet, dass das dunkle, übernatürliche Wesen, die Seele der Königin, in den Körper der Nachfolgerin übergeht und genau das passiert auch mit Sabara. Der Prolog war für mich gleich auf zwei Arten überraschend. Er war spannend und gruselig - aber er zeigt auch deutliche Fantasyelemente, die ich bei einer Dystopie nicht unbedingt erwartet hätte. Und so geht es auch weiter...

81 Jahre später übernimmt die Ich-Erzählerin Charlaina - gelegentlich unterbrochen von anderen Perspektiven in der dritten Person. Ludania befindet sich im Krieg mit anderen Königreichen, die alle ebenfalls nur von Königinnen regiert werden können, denn diese Gesellschaft ist sehr matriarchalisch. Charlainas Leben wird durch Kontrollen bestimmt: Sie wird kontrolliert, wenn sie sich durch die Straßen bewegt - überall gibt es Soldaten und Straßensperren - und sie muss sich selbst kontrollieren, damit ihre Fähigkeit, alle Sprachen zu verstehen, nicht auffällt.
Somit erfüllt dieses System schon die wichtigsten Kriterien einer Dystopie, allerdings schienen sie mir verglichen mit den Fantasyelementen doch sehr untergeordnet, sodass ich bei "Dark Queen" eher von einem in der dystopischen Fantasyroman sprechen würde. Was ich vor allem bei einer Dystopie immer sehr wichtig finde, ist, dass die Entwicklung dieser Welt aus der realen Gesellschaft, sofern sie dieser entstammen soll, auch glaubhaft vermittelt wird. In diesem Buch erfährt der Leser allerdings gerade einmal anhand ein, zwei kurzer Andeutungen, dass man sich hier anscheinend in ferner Zukunft des heutigen Amerikas befindet. Wie es zu dem System aus Königreichen kam und überhaupt auch, wie das System, wie die Welt außerhalb von Ludania insgesamt aussieht, wird nicht thematisiert. Der Fantasyanteil, Charlainas Fähigkeiten und die Magie der Königin sind da als Fantasybestandteile deutlich präsenter.

Abgesehen davon, dass ich die Dystopie in "Dark Queen" schon fast mit der Lupe suchen musste, bin ich auch ansonsten nicht mit Charlainas Umgebung warm geworden. Es gibt Clubs und Schusswaffen - aber der Rest mutete eher an, als stamme er aus längst vergangenen Zeiten und nicht aus der fernen Zukunft. Mein Kopfkino hat sich daher ununterbrochen im Kampf mit sich selbst befunden, wenn es um die Visualisierung dieser Welt ging: Moderne Häuser und Straßen oder doch eher einfache Hütten. Großstadt oder mittelalterliche Burg mit stillgelegten U-Bahn-Schächten unten drunter? Ich habe einfach keinen Zugang zu dieser Welt gefunden, so sehr ich es auch versucht habe, sie bliebt mir rätselhaft.

Der Zugang zu den Charakteren war ebenfalls nicht ganz einfach. Die Ich-Erzählerin bleibt etwas blass, ist aber wenigstens kein völlig hilfloser, sondern ein eigenständiger, rational denkender Charakter. Bis auf kleinere Ausnahmen, fand ich sie überzeugend. Max war ebenfalls kein uninteressanter, charmanter Gegenpart in der Liebesgeschichte, allerdings fand ich nicht annähernd so präsent in der Handlung, wie beispielsweise seine beiden Begleiter. Die Liebesgeschichte selbst fand ich leider wieder einmal etwas überzogen. Bei solch sprunghaften Gefühlsausbrüchen und einem Typen, der sich von Jetzt auf Gleich in ein anhängliches Schoßhündchen verwandelt, fällt es mir einfach schwer, das ganze glaubhaft oder romantisch zu finden.
Auch andere Nebencharaktere konnten mich nicht überzeugen. Charlainas beste Freundin Brooklyn beispeilsweise, der Traum aller Männer, besitzergreifend und naiv, verwandelt sich plötzlich in einen völlig anderen Charakter, Xander, angeblich eine große Persönlichkeit, war völlig langweilig und Charlies kleine Schwester - der Süß-Faktor des Buches - hat mich genervt. Nur die Königin als grausame Gegenspielerin fand ich noch halbwegs überzeugend.

Zu guter Letzt war der Handlungsverlauf auch noch etwas unausgeglichen. Wenn sich etwas ereignet, dann immer Schlag auf Schlag, gerade zum Ende hin ging alles viel zu schnell und wirkte nicht gut durchdacht oder vorbereitet. Sprachlich ist "Dark Queen" durchschnittlich, liest sich aber sehr flüssig und unterhaltsam. Trotz all der kleinen Kritikpunkte hatte ich es zügig durchgelesen. Da es eine Reihe ist, bleibt zu hoffen, dass viele der Fragen sich in den nächsten Teilen noch beantworten lassen, ich erwarte allerdings nach dem Handlungsverlauf eher, dass der Fantasyanteil noch zunehmen wird - was nicht unbedingt schlecht sein muss, denn das waren für mich eigentlich die überzeugenderen Elemente der Geschichte, während es unter dem Gesichtspunkt einer Dystopie nur als enttäuschend bezeichnen kann.

Fazit: Ein Auftakt zu einer dystopischen Fanatasy-Trilogie, die ich einfach nur mittelmäßig nennen kann. Alles kommt in der schnell erzählten Handlung ein wenig zu kurz, die Hintergrundgeschichte fehlt, die Charaktere sind nur teilweise überzeugend. Der Ansatz mit den verschiedenen Sprachen war gut, die Fantasyelemente kamen nach der Ankündigung des Buches etwas überraschend und nahmen der Grundidee etwas das Originelle. Ich bin weder begeistert, noch besonders enttäuscht. 3 Sterne
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