Holger's Reviews > So unselig schön

So unselig schön by Inge Löhnig
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8530698
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Apr 02, 12

bookshelves: thriller, fiction, germany, crime
Read in April, 2011

Wo soll ich nur anfangen... vielleicht bei der Story. Gute Ansätze. Ein Serienmörder bringt seine Opfer nach einer bestimmten Vorlage um. Das klingt grundsätzlich interessant, die Auflösung ist allerdings abstrus. Wenn die einzelnen Puzzleteile umgedreht werden, wirkt das komplett an den Haaren herbei gezogen. Natürlich muss der Kommissar schon ziemlich früh beim Anblick einer Leiche an ein bestimmtes Gedichtzitat denken, das ihn letztlich auf die richtige Spur führt... Wer denkt sich denn so was unplausibles aus? Und wer soll das dann bitteschön auch noch glauben? Ist aber nur die Spitze des Eisbergs, der eine überkonstruierte, unglaubwürdige Geschichte verbirgt.
Die Protagonisten bleiben oberflächlich und langweilig. Kommissar Dühnfort soll als sensibler und grüblerischer Bohème dargestellt werden, rüber kommt er als weinerlicher und langweiliger Spießer. Die Tatsache, dass er auf 420 Seiten gefühlte zwanzigmal Soave schlürft, ändert daran nichts. Und die ehemalige Punkerin Vicki hat ne ganz schlimme Vergangenheit, ist aber trotzdem total nett und lieb und kennt sich gut mit Internet und so aus und hat ne Schildkröte als Haustier und gibt in ihrer Freizeit die "urban explorerin". Mehr Klischee geht nicht.
Aber mein größter Kritikpunkt ist die Sprache - das ganze Buch über bemüht und nie wirklich eine Linie findend. Im Gegenteil, sie wirkt künstlich, aufgesetzt und realitätsfern und schafft es nicht, eine authentische Atmosphäre zu schaffen. Besonders auffallend ist das bei der eigentlichen Hauptdarstellerin Vicki Senger, aus deren Perspektive Menschen, Dinge oder Situationen "uncool" oder "scheißbürgerlich" sind. Das ist keine jugendliche oder alternative Sprache, das ist höchstens das, was sich meine Mutter unter jugendlich vorstellt. Im Laufe der Geschichte entwickelt sich das von unerfreulich zu nervtötend und ärgerlich.

Fazit: Vielleicht ist der Roman durch die Nebengeschichten interessanter, wenn man die ersten beiden Dühnfort-Fälle kennt. Der eigentliche Kriminalfall kann dadurch aber auch nicht spannender werden. Einen Stern gibts für die Grundidee und das Setting in München und Umgebung, einen zweiten... ne, einen zweiten gibts doch nicht. Frau Löhnig bietet keinen Anlass dafür.
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