Captaincow's Reviews > Tod oder Liebe

Tod oder Liebe by Manuela Salvi
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5212770
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Apr 09, 12

bookshelves: g-young-adult, g-romance, g-realistic-fiction, g-drama, t-foreign-culture, t-coming-of-age
Read from April 03 to 05, 2012

Bewertung: 4.0 / 5.0

Meinung:
Wer liest sie nicht gerne, die Geschichten über eine verbotene Liebe, über gangsterhafte Typen mit einem weichen Kern? Es mag Ausnahmen geben, aber kaum jemand kann verleugnen, dass diese Geschichten das Herz zum höher Schlagen bringen. Deshalb war ich umso gespannter, in „Tod oder Liebe“ von Manuela Salvi eine Geschichte zu finden, bei der es nicht um amerikanische Gangster geht – sondern um die italienische Mafia.
Bianca Prandi zieht mit ihrem Vater von Mailand in den Süden Italiens. Ihr Vater ist Richter und muss dort einen wichtigen Fall lösen und weil Bianca Abstand von ihrer Mutter braucht, geht sie mit ihm. Aber an ihrem neuen Wohnort gibt es zunächst nichts, das sie begeistern kann. Allerdings heißt das nicht, dass sie sich nach Mailand sehnt – sie kann nur einfach nichts Gutes an dem Ort sehen. Zu ihren neuen Mitschülern will sie keinen Kontakt, doch als sie bei einer Gruppenarbeit Manuel zugeordnet wird, kann sie sich auch gegen das Kennenlernen neuer Leute nicht mehr wehren.
Als erstes ist mir an „Tod oder Liebe“ die für heutige Jugendbücher ungewöhnliche Perspektive aufgefallen. Manuela Salvi schreibt aus der Perspektive des allwissenden Erzählers. Damit lernt man einerseits die Charaktere sehr gut kennen und kann sich ein eigenes Bild von ihnen machen, sowie ihre Beweggründe einschätzen und vielleicht auch akzeptieren, aber andererseits schafft es auch eine gewisse Distanz zu den Hauptfiguren. Anfangs empfand ich das als etwas merkwürdig, doch im Lauf der Geschichte wurde mir klar, dass jene Erzählperspektive perfekt gewählt ist. Sowohl Manuel als auch Bianca sind stets darauf aus, die Leute nicht nah an sich heranzulassen. Durch den Stil wird das nicht nur zu einer oft erwähnten Charaktereigenschaft sondern als Leser bekommt man es selbst mit – was die Geschichte noch stärker zum Leben erweckt.
Trotz der Perspektive wirkt die Geschichte aber nicht kalt. Die distanzierte Haltung wird durch einen prägnanten Stil ergänzt. Kurz und knapp aber mit schönen, stimmigen Worten werden Umgebung und vor allem Gefühle sehr gut und nachvollziehbar dargestellt. Besonders gut gefielen mir dabei die Passagen, in denen Briefe von Bianca an ihren verstorbenen Bruder zu lesen sind. Auch diese sind sehr kurz gehalten, dennoch verraten sie Unmengen über Biancas Innenleben. Düstere Gedanken dominieren diese Briefe die meiste Zeit über, doch selbst die waren für mich als Leser verständlich. Die Vergangenheit der Figuren wird zwar nur schwach beleuchtet, dennoch bewirken gerade diese Stellen, dass die Hauptcharaktere den Sprung zu authentischen Figuren schaffen. Man erkennt während der Lektüre, wie sie durch ihre Vergangenheit geprägt worden sind, und kann so ihr Handeln nachvollziehen, wenngleich es nicht immer richtig ist, was Manuel und Bianca tun. Die beiden haben ihre Stärken und Schwächen und wirken dadurch sehr lebendig. Auch ihre gemeinsame Liebe zur Kunst und einigen Musikstücken wird in meinen Augen glaubwürdig geschildert. Nicht selten bekam ich während der Lektüre Lust, Pink Floyd zu hören oder in den großen Hallen eines Museums zu verschwinden.
Vor allem die genannten Faktoren machen „Tod oder Liebe“ für mich zu einem lesenswerten Buch. Denn mit der eigentlichen Geschichte erfindet die Autorin das Rad sicherlich nicht neu. Doch die Umsetzung war es, die mich an „Tod oder Liebe“ derartig fasziniert hat. Im Gegensatz zu einigen anderen Büchern, die nach dem gleichen Schema aufgebaut sind, ist Manuel nicht irgendwie in das Mafiageschäft reingerutscht und wird als Opfer dargestellt. Er hat seine Gründe und seine zweifelhaften Ansichten. Besonders diese Tatsache verschärft den Konflikt in Manuela Salvis Roman und verleiht ihm Tiefe.
Die Handlung ist recht vorhersehbar , doch das war mir schon vor der Lektüre klar. Trotzdem verliehen gewisse Details dem Buch Spannung und machen es umso lesenswerter. Selbst weniger authentisch gezeichnete Nebencharaktere und für eine Mafiageschichte wenig aufkeimende Action konnten nicht verhindern, dass ich das Buch verschlang und mit den Charakteren litt, trauerte und lachte.


„Tod oder Liebe“ ist ein Liebesroman mit authentischen Hauptcharakteren und einem sehr einfühlsamen Stil. Die Vorhersehbarkeit der Handlung konnte für mich das Lesevergnügen kaum beeinträchtigen, sodass ich diesen Roman an jeden weiterempfehle, der noch nach schöner Frühlings- oder Sommerlektüre sucht. Denn Manuela Salvis Roman ist einfach zu lesen, bleibt dabei aber nicht ganz oberflächlich und somit perfekt für entspannende Stunden im Park oder heiße Strandtage.
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Reading Progress

04/03/2012 page 15
4.0%
04/04/2012 page 200
57.0% "Uaah warum liest sich das so schnell?!" 1 comment
04/04/2012 page 256
73.0% "Hach ja. :D Perfekt für dieses graue Wetter..."

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