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Masken - Unter magischer Herrschaft by Mara Lang
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991259
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Apr 03, 12

Read in March, 2012

Inhalt
Als Pheytanerin sind Ferins Gesichtszüge mit blauen Malen bedeckt. Ihre blauen Lippen und der charakteristische Riss auf der Nase machen sie in Merdhug zu einer Außenseiterin ohne Rechte. Deshalb erwartet sie den Tag der Maskierung voller Vorfreude. Das hauchdünne Gewebe wird ihre Herkunft verschleiern und sie zu einer echten Merdhugerin machen. Ihr Freiheit und Rechte schenken.

Doch als sie die Maske endlich erhält, ist Ferins Wissensdurst nicht gestillt. Sie möchte mehr über die Konventionen erfahren, die ihrem Folk seit zweihundert Jahren die Freiheit vor der Maskierung verwehren. Anders als ihre Schwester interessiert sie sich nicht für hübsche Kleider und gesellschaftliche Veranstaltungen, sondern für Geschichte und Bücher. Und dann passiert das Undenkbare: ihre Maske zerfällt, blättert ab und lässt sie als eine gesetzlose Pheytanerin zurück. Bevor sie in ein Straflager gebracht werden kann, flüchtet sie durch die Wüste und landet bei einer Gruppe anderer Gesetzloser im Dschungel. Unter diesen Pheytanern erfährt sie endlich mehr über die Konventionen und ist geschockt, als sie erkennen muss, dass die Masken keine Freiheit schenken, sondern ihrem Volk die magischen Fähigkeiten rauben und es unterdrücken. Mühsam muss sie sich nun ihre Fähigkeit vertraut machen und lernt ein vollkommen neues Leben voller Magie kennen.
Aber die Ruhe währt nicht lange, denn die Merdhuger verfolgen die Gesetzlosen und setzen alles daran, Pheytaner ohne Maske zu vernichten. Das Dorf der Rebellen wird angegriffen und als der Kampf vorbei ist, beschließen Ferin und die Verbliebenen, dass sie zurück nach Merdhug müssen. Zurück um die Masken zu zerstören und die Unterdrückung ihres Volkes zu beenden.


Bewertung
Mara Lang schrieb mit „Masken“ High Fantasy, die in eine fremde Welt entführt und dennoch greifbare Probleme behandelt.

Ferin ist siebzehn Jahre alt, als die Maskierung bevorsteht. Schon zu Anfang wird deutlich, dass sie sich von ihren Eltern und ihrer Schwester deutlich unterscheidet – insbesondere durch ihren Wissensdurst. Ihre Fragen nach dem Ursprung der Konventionen werden nicht gerne gesehen und obwohl sie etwas naiv an das Problem herangeht, ist es ab der ersten Seite spannend ihre Suche nach Antworten – und sich selbst – zu verfolgen. Schwierig wird es mit der Sympathie nur zwischendurch, als sie sehr dickköpfig und eigensinnig auf die Enttäuschung des Verlustes der Maske reagiert. Zwar sind ihre Gefühle nachvollziehbar, da sie doch ihr ganzes Leben auf die Maskierung und die Freiheit hin gefiebert hat, doch wirkt ihr Handeln daraufhin sehr extrem und melodramatisch.

Nichtsdestotrotz finde man in Ferin eine Protagonistin, die wunderbar durch das Buch geleitet. Ängste, Zweifel und mühsame Selbstfindung machen aus ihr schließlich eine starke und gutherzige Heldin, die zu begeistern weiß.
Auch ihr Mentor Sobenio, der Magier der Rebellen, ist dem Leser nicht sofort sympathisch. Immer wieder durchlebt er Stimmungsschwankungen, die man nicht nachvollziehen kann und die dem Mann eine angsteinflößende Aura geben. Anders als viele Mentoren in bekannten High Fantasy Romanen ist er keinesfalls der gutmütige, bärtige, alte Mann sondern selber ein vom Leben gezeichneter Einsiedler.

Insgesamt ist es erstaunlich, wie Mara Lang eine Fülle von Charakteren schafft, die allesamt auf ihre eigene Art überzeugen. Wirken sie auch auf den ersten Blick etwas stereotyp, so überraschen sie im Verlauf der Handlung und machen die Gruppe er Rebellen zu einem lebendigen und liebenswerten Haufen.

Die Umgebung, welche die Autorin für ihre Geschichte wählt, ist nicht minder erstaunlich. Man wandert mit Ferin durch eine Stadt voll weißer Häuser und roter Dächer, die in rotem Fels zu versinken scheint, durch heißen Wüstensand, tiefsten Dschungel und sogar die Ruine einer vergessenen Stadt. Während des Lesens erstehen so Schauplätze vor den Augen des Lesers, die an eine Mischung aus „Tausend und einer Nacht“ und dem „Dschungelbuch“ erinnern.
Mitten darin wundert einen auch die Magie kein bisschen mehr, mit der die Pheytaner gesegnet sind. Sogar Tiger, die das Dorf der Rebellen immer wieder aufsuchen, geben der Geschichte einen ganz eigenen Zauber.

Wer allerdings auf den 600 Seiten einen durchgehenden Spannungsbogen erwartet, der wird enttäuscht werden. Weite Strecken der Geschichte „funktionieren“ nur, weil man als Leser mehr über die so sympathische Protagonistin erfahren möchte und ihr deshalb breitwillig dabei folgt, wie sie langsam zu sich selber findet und viel Zeit mit Lernen verbringt. Erst sehr spät wird der dann doch fulminante Showdown eingeleitet und bis dahin muss man auf eine ruhige Erzählung gefasst sein.

Doch mich hat beim Lesen nichts gehetzt, ich hatte nie das Gefühl mich zu langweilen. Die exotischen Hintergründe der Geschichte locken ebenso, wie das niemals alt werdende Thema von Unterdrückung, Freiheit und Erwachsenwerden. Für Fans von Liebesgeschichten gibt es natürlich auch in dem Bereich etwas in „Masken“ zu entdecken – wenn auch leider sehr geradlinig und konventionell.

Insgesamt bietet das Buch eine sehr schöne Lektüre für begeisterte Fantasyleser, die zur Abwechslung von der „Urban Fantasy“ und den Vampiren, Geistern oder Werwölfen entfliehen möchten. Mara Lang schafft auf jeden Fall eine Atmosphäre, die vor Magie sprüht und gekonnt in eine andere Welt entführt, die mit ihren Problemen nicht unbedingt weit von den unseren entfernt liegt.
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03/28/2012 page 260
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