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Versuchung by Amanda Hocking
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7434253
's review
Jan 15, 2012

it was ok
Read in January, 2011

Die Klette & der Vampir [German Review]

Die siebzehnjährige Alice trifft den Vampir Jack, und fühlt sich sofort von ihm angezogen. Nachdem sie Jacks Familie besucht, lernt sie seinen Bruder Peter kennen, der sie sogar noch mehr anzieht. Als sie erfährt, dass ihr Blut aufgrund einer alten Vampirtradition für Peter bestimmt ist, und sie ihm damit buchstäblich gehört, ist sie hocherfreut. Doch diese Freude fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen, denn Jack will nichts mit Alice zu tun haben. Diese ist am Boden zerstört, vor allem, nachdem die Brüder ihretwegen aufeinander losgehen. Alice muss eine schwierige Entscheidung treffen, doch nicht zwischen Jack und Peter, sondern ob sie ein Mensch bleiben, oder sich den Vampiren anschließen möchte.

An sich hätte mir diese fluffig-leichte Geschichte Spaß machen müssen, doch ich wurde bis zum Schluss nicht mit der Story warm. Das lag vor allem an der Heldin, die mir im Verlauf der Handlung immer unsympathischer wurde.
Alice ist ein Teenager ohne Antrieb. Sie hat keinerlei Interessen, weder an der Schule, noch an Freunden oder einem sozialen Leben. Sie ist in jeglicher Hinsicht passiv, und lässt über ihren Kopf hinweg entscheiden, statt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Als es heißt, dass sie für Peter bestimmt ist, dass sie ihm gehört, nickt sie diese Info ab, als wäre das ein Punkt einer To-Do Liste: Einkaufen, Blumen gießen, Peter gehören, Wäsche waschen ...
Nachdem sie erfährt, dass er sie nicht will, verliert sie jeden Halt, und ihre kleine Welt bricht komplett auseinander. Als wäre es wichtig, dass er sie "will", also jemand, den sie überhaupt nicht kennt - und der sie nicht kennt.
Dabei stellt sie ihre körperlichen "Bedürfnisse" über ihre geistigen, was mich zum nächsten Punkt bringt.

Eine locker-leichte Geschichte kann ja was Schönes sein, aber eine völlig geistlose finde ich persönlich eher abschreckend. Alice hat nichts, aber auch gar nichts zu bieten, nicht einmal Stolz. Sie bringt nichts eigenes in die Geschichte mit ein, statt dessen klebt sie wie eine Zecke an den Vampiren. Als sie erfährt, dass diese Geld wie Heu haben, und dass sie davon profitieren kann, schmeisst sie als erstes die Schule hin, als wäre Bildung eine Krankheit. Collage kommt dann auch nicht mehr infrage, denn Kultur und Wissenschaft ist in Alices Welt nur etwas für unterprivilegierte, arme Schlucker. Statt dessen macht sie ... nichts. Mit Jack abhängen, PS3 spielen bis der Arzt kommt - so stellt sich Alice ihre Zukunft vor.

Ihre Antriebslosigkeit hat nicht dazu beigetragen, dass sie bei mir Sympathiepunkte sammelt, zumal sich das bis zum Schluss nicht ändert. Sie trifft keine eigene Entscheidung, statt dessen lässt sie über sich bestimmen. Sie geht sogar so weit, sterben zu wollen - nur weil Peter sie nicht will, ein Typ, der ein völlig Fremder für sie ist.
Einer solchen Haltung kann ich wenig abgewinnen. Genauso wenig einer Heldin, die im Grunde nichts außer ihrer Egomanie zu bieten hat. Sie ist keine große Leuchte, weder witzig noch schlagfertig, scheinbar auch nicht besonders hübsch - und offensichtlich nicht grade klug. Was genau soll mich als Leserin an ihr begeistern - oder zumindest für sie einnehmen?
Das Ganze hätte vielleicht noch vom Helden aufgefangen werden können, aber von Jack erfahre ich nur so viel, dass er den ganzen Tag vor der Spielkonsole abhängt. Ein Einstein ist er auch nicht gerade, dafür sieht er zumindest gut aus.
Wie Alice, lebt er auf Kosten anderer, und hat auch nicht vor, das in absehbarer Zeit zu ändern.
Finde eigentlich nur ich so eine Haltung seltsam?

Fazit:
2 Punkte für eine Idee, die meiner Ansicht nach unglücklich umgesetzt wurde.

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