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Göttlich verdammt by Josephine Angelini
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Jan 01, 12

Recommended to Bissfan by: Feder
Read in June, 2011

Was wenn dein Leben in den Annalen der Zeit niedergeschrieben ist und die Moiren dein Schicksal fest in ihren Händen halten?
Über diese Dinge hat sich Helen in ihrem sechzehnjährigen Leben bisher noch keine Gedanken gemacht. Nicht auffallen und keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, das ist ihr höchstes Gebot. Doch als sie zum ersten Mal Lucas Delos auf dem Schulflur begegnet, da tut sie etwas, das die Aufmerksamkeit aller auf sie lenkt. Von einem unerklärlichen Hass getrieben, stürzt sie sich auf ihn und versucht, ihm an die Gurgel zu gehen. Ein vollkommen untypisches Verhalten für sie und sie wird das Gefühl nicht los, dass das alles mit ihren seltsamen Träumen zusammenhängt. Erst nach und nach lichten sich die Schatten und offenbaren eine Fehde, die viel weiter zurückreicht, als sich Helen in ihren kühnsten Träumen hätte ausmalen können. Doch als es zum scheinbar finalen Aufeinandertreffen zwischen ihr und der Delos-Familie kommt, verändert sich alles. Das vermeidliche Ende offenbart sich als Anfang einer neuen, größeren Sache, in der alle Beteiligten dazu bestimmt sind, Spielfiguren des vorhergesagten Schicksals zu sein. Einem Schicksal, das einen seit Jahrhunderten währenden Waffenstillstand zwischen Menschen, Göttern und deren sterblichen Abkömmlingen zu kippen droht …


Helen will nichts mehr, als ein normales Mädchen sein – obwohl sie das ganz offensichtlich nicht ist. Ein Beginn, bei dem sich zumindest mir alle Haare sträuben, hatte ich doch die Befürchtung, ein im Einheitsbrei des Vampirhypes schwimmendes Buch vor mir zu haben. Aber der Leser sollte sich von diesem ersten Eindruck keinesfalls täuschen lassen. Denn sind die anfänglichen Ähnlichkeiten zu Altbekanntem erst einmal überwunden, erstreckt sich vor dem Leser eine facettenreiche Story, die vor allem durch viele große und kleine falsche Fährten zu überzeugen weiß. Ich habe den Eindruck, dass die Autorin ganz bewusst ihre Geschichte auf diese klischeehaft anmutende Art anfangen ließ, um ihre Leser – mich eingeschlossen – gewaltig aufs Glatteis zu führen. Denn wer nach der Lektüre der ersten Seiten denkt, er kenne das Ende schon, der wird mit seiner Meinung gnadenlos auf die Nase fallen. Gewöhnliches gibt es in „Göttlich verdammt“ nämlich kaum.
Der Leser wird ab Seite 100 voll ins Geschehen gezogen. Ein Ereignis jagt das nächste, ohne dass die Geschichte sich in den vielen verschiedenen Strängen verlieren würde. Ich habe richtig mitgefiebert und obgleich ich meine anfängliche Meinung – eine klassische, vorhersehbare Liebesgeschichte vor mir zu haben – schnell revidiert habe, so bin ich doch immer wieder überrascht gewesen, wie die Autorin meine Schlüsse mit dem Umblättern einer Seite über den Haufen geworfen hat.

Was die Spannbreite der auftauchenden Charaktere betrifft, so bleibt kaum ein Wunsch offen. Allein die Mitglieder der Delos-Familie sind so abwechslungsreich und unterhaltsam, dass beim Leser keine Zeit für Langeweile bleibt. Am meisten habe ich aus der Familie die junge Cassandra ins Herz geschlossen. Die hat wohl von allen Halbgöttern die schwerste Last zu tragen und ist trotz ihres unfreiwilligen Loses eine liebenswerte Person geblieben.
Doch auch die Protagonistin Helen ist ein in sich stimmiger Charakter, der in Lucas das perfekte Gegenstück gefunden hat. Als Leser kann man die Gefühle zwischen ihnen fast greifen. Mir persönlich ging vor allem das fast schon tragische Hin und Her ihrer Beziehung zueinander ziemlich nahe und ohne zu viel verraten zu wollen, hätte ich den beiden für den ersten Band ein anderes Ende gewünscht.
Auch die Normalsterblichen müssen sich hinter ihren Halbgottfreunden nicht verstecken. Helens beste Freundin ist da ein Paradebeispiel. Ein kleines, freches und vor allem hochintelligentes Mädchen, das vor allem im hinteren Drittel für die eine oder andere Überraschung sorgt. Am charmantesten an ihr ist ihre messerscharfe Zunge, die jeder zu spüren bekommt, der nicht auf der Hut ist

Besonders erfrischend fand ich die Idee, einmal statt kalten Untoten Halbgötter in die Geschichte einzubauen. Sie bringen mit ihren höchst unterschiedlichen Fähigkeiten Abwechslung in den tristen Highschool-Alltag und sorgen mit der einen oder anderen Aktion – vor allem als es ans Testen von Helens Fähigkeiten ging – für ausgiebige Lachanfälle.

Meiner Meinung nach mit Abstand das Herz und die Seele der ganzen Geschichte ist wirklich die Einbindung der griechischen Mythologie in die Story. Sie macht den Charme und den Zauber des Romans aus und verwandelt eine gewöhnliche Liebesgeschichte in ein facettenreiches Gefühlskino, bei dem sich der Leser eines klassischen Happy-Ends niemals ganz sicher sein kann.
Es gibt natürlich auch in der Umsetzung noch einige Sachen, die ich mir vielleicht etwas anders gewünscht hätte. Als Beispiel sei hier erwähnt, dass die Mythologie noch detaillierter in die Geschichte eingebunden hätte sein können, aber da es sich bei „Göttlich verdammt“ ja um den ersten Teil einer Trilogie handelt, bin ich zuversichtlich, dass das in den Folgebänden sicher noch geschieht.
Am Ende trumpfte die Autorin noch einmal einige überraschende Wendungen auf, die ich so auch nicht erwartet hätte und die wirklich richtig Lust gemacht haben, den zweiten Teil in die Hände zu bekommen.


„Göttlich verdammt“ ist sicherlich ein Buch, das die Geduld des Lesers zu Beginn etwas auf die Probe stellt. Das Durchhaltevermögen wird aber mit einer einnehmenden Geschichte belohnt, die durch zahlreiche überraschende Wendungen die anfänglichen Mängel mehr als wett macht. Mädchen, die eine überirdische Liebesgeschichte voll Spannung und Emotionen suchen, sollten sich dieses Buch auf jeden Fall zulegen.
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