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Der unsterbliche Prinz by Jennifer Fallon
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Dec 16, 11

Recommended to Bissfan by: Shiku
Read in November, 2010

Schon lange herrscht Ebbe, die die Gezeitenfürsten ihrer Macht beraubt und sie zu einfachen Unsterblichen macht. Schon längst haben die Menschen ihre Existenz vergessen, sie sind nur noch Gestalten aus den Legenden der Crasii – Mischwesen halb Tier halb Mensch, geboren um zu dienen. Da ist es kein Wunder, dass niemanden den Worten Kyle Lakeshs Glauben schenkt, er sei der Gezeitenfürst Cayal, obwohl er gerade eine Hinrichtung überlebte. Einzig die Crasii erkennen ihre Meister wieder – und einige von ihnen auch die Gefahr, die damit einhergeht. Die Menschen verschließen ihre Augen, so auch Arkady Desean, die Fürstin von Lebec. Als Akademikerin versucht sie Cayals Behauptungen als Lüge zu enttarnen – ein Unternehmen, das ihr immer schwerer fällt, je länger sie seinen Erzählungen, die sie vom Gegenteil überzeugen sollen, lauscht. Noch ahnt sie nicht, was für Ereignisse sich anbahnen und was all das für sie bedeuten wird. Andere scheinen jedoch schlauer zu sein. Oder was ist mit dem Ersten Spion des Königs oder dem Liebhaber des Fürsten von Lebec? Die Flut jedenfalls kommt …


Die Handlung an sich ist sehr interessant, aber keineswegs die spannendste. „Der unsterbliche Prinz“ kann ohne schlechtes Gewissen als eine Art Einführung in die Problematik und Konfliktentwicklung gesehen werden. Durch verschiedene Erzählungen und Charaktere wird das gezeigt, was einst war und bald wieder sein könnte: Machtkämpfe zwischen den Gezeitenfürsten, die keine Rücksicht auf die Menschen nehmen und nicht das erste Mal ganze Völker auslöschen würden. Das Ganze gipfelt in einem haarsträubenden Ende, das gespannt macht auf all das, was noch kommen mag. Und da kann eine ganze Menge erwartet werden, immerhin sieht es schon jetzt wieder übel aus für die Menschen, wenngleich einige von ihnen vorbereitet und bereit sind, die Gezeitenfürsten aufzuhalten.
Aufgrunddessen könnte vermutet werden, dass das Buch Längen hat – dem ist mitnichten so. Die ganze Zeit über liest es sich flüssig und gut, was vor allem auch an den interessanten Charakteren liegt. Jede einzelne näher vorgestellte Person scheint ihre Rolle in dem Geflecht an Ereignissen zu haben und auch für später von ungemeiner Wichtigkeit zu sein. Abgesehen davon macht es einfach Spaß, aus ihrer Sicht zu lesen – jeder Einzelne lässt die Dinge in einem neuen Licht erscheinen oder bietet neue Informationen an. Gleichzeitig erhält der Leser immer mal wieder einen Einblick in den eigentlichen Charakter und dessen Gedanken, die nicht selten böse Ahnungen zulassen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Konflikte einzelner Personen gut dargestellt werden können. Die Charaktere gewinnen – allen voran Cayal und Arkady – mehr und mehr beachtenswerte Facetten, je weiter die Geschichte voranschreitet, was sie letztlich so interessant macht.
Doch auch abgesehen von Handlung und Charakteren weiß „Der unsterbliche Prinz“ zu überzeugen: Abgesehen von kleinen Fehlerchen ist die Sprache angenehm zu lesen und die Idee der Gezeitenfürsten und alles, was damit zusammenhängt, ist neu. Besonders sticht dabei hervor, dass sie keineswegs in ein Schwarz-Weiß-Denken eingepfercht werden kann. Allein die Crasii-Problematik sorgt für jede Menge Grübeleien: Als was soll man sie sehen, Mensch oder Tier? Dass das nicht einfach so festgelegt werden kann, wird sehr deutlich gezeigt – ebenso wie die Charakterisierung der Gezeitenfürsten. Sie mögen noch so grausam und egoistisch erscheinen, nicht immer können sie auch als herzlos verurteilt werden. Sollte Cayal für seine Taten nun verachtet werden, oder sind seine angeführten Gründe akzeptabel oder wenigstens nachvollziehbar?
Das Buch wirft innerhalb der von ihm gegebenen Welt Fragen auf, über die auch lange nach Beenden der Lektüre nachgedacht werden kann – und über die in den weiteren Romanen sicherlich noch oft nachgedacht wird.
Das einzige Manko des Buches ist wohl seine Gestaltlosigkeit, wenn man so will. Beschreibungen gehen in der Fülle schlichtweg unter, vor allem da sie teilweise nur einmal angebracht werden und dann nie wieder. Einzelne Elemente – wie Cayals blaue Augen – können beibehalten werden, alles andere verschwindet bald. Dies betrifft besonders die Orte und Plätze der Handlung, aber genauso einzelne Charaktere, wenngleich diverse Grundeigenschaften jederzeit klar sind.
Dies soll der Geschichte jedoch keinen Abbruch tun, es ist lediglich ein kleiner Mangel, über den hinweggesehen werden kann.


Demnach kann am Ende nur ein positives Fazit stehen - Jennifer Fallon gelingt es wunderbar, "Der unsterbliche Prinz" alles andere als langweilig zu gestalten. Sie offenbart uns eine neuartige Welt, die bereits allerlei Fantastisches zu bieten hat und auch weiterhin bieten wird. Gerade Fans von High Fantasy sollten sich dieses Schmuckstück definitiv nicht entgehen lassen!
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