Papercuts1's Reviews > Der Augenjäger

Der Augenjäger by Sebastian Fitzek
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6123223
's review
Nov 12, 2011

really liked it
bookshelves: killer-thrillers
Read from November 06 to 12, 2011

Nach dem AUGENSAMMLER war der AUGENJÄGER unumgänglich. Und tatsächlich bilden die zwei ein schönes Paar. Sie unabhängig voneinander zu lesen, ist möglich, aber nicht ratsam.

Und es ist schwer, etwas über das Buch zu sagen, ohne viel zu verraten.

Wieder gibt es eine ganze Reihe überraschender Wendungen, die einen wirklich von den Füßen hauen. Für Spannung ist reichlich gesorgt, und auch der Grausamkeitsfaktor kommt nicht zu kurz. Die Erzählperspektive wechselt, wie bisher, zwischen Ich-Erzähler und personalem Erzähler hin und her, und am Ende steht ein Schluss, wie man ihn selten erlebt in Sachen Direktheit und ... mehr wird nicht verraten!

Fitzek's Erzählweise und schonungslose Darstellung erinnern mich an Paul Cleave - und das ist durchaus als dickes Kompliment zu verstehen. Es wird einem eiskalt, während man den Hauptfiguren zum scheinbar unausweichlichen Ende hinterher hetzt.

Alina, die mir im ersten Buch manchmal etwas zu plakativ war, was ihre Blindheit anging, und deren 'Hellseherfertigkeit' mich doch etwas die Augen verdrehen ließen, wurde mir im AUGENJÄGER zunehmend sympathisch. Aber so geht mir das oft, wenn ein Charakter erst mal eingeführt ist und mir dann durch seine Taten ans Herz wachsen kann. Meiner Meinung erreicht Fitzek in diesem Folgebank mit Alina eine ausgewogenere Balance zwischen der Darstellung ihrer Behinderung und ihrer Rolle als Handlungsfigur.

Sowieso habe ich eine Zuneigung zu mehreren Figuren entwickelt, die auch im 2. Band wieder auftauchen. Bei dem hohen Erzähltempo ist es kein Leichtes, so etwas wie Charaktertiefe zu entwickeln, aber Fitzek schafft es.

Kleine Abstriche muss ich aber machen, und daher gibt's auch nur 4 von 5 Sternen:
Zum Einen wirkt der Erzählstil etwas zerrissen. Die Handlungssprünge gaben mir manchmal das Gefühl, ich hätte irgend etwas verpasst. Bis dann kurz darauf erst erzählt wurde, was ich doch nicht verpasst hatte. Das kam mir zu häufig vor und wirkte etwas irritierend.

Außerdem (und hier geht's um persönlichen Geschmack) mag ich es nicht gerne, wenn am Ende der Geschichte nochmal rückwirkend erklärt wird, wie alles zusammen passt. Das nimmt, meiner Meinung nach, dem eigentlichen Ende etwas die Kraft. Ich habe es lieber, wenn im Verlauf der Geschichte die Puzzleteile nach und nach an die richtigen Stellen fallen, als alles auf einmal, und alles in der Retrospektive.

Und zu guter Letzt habe ich einige der Wendungen dann doch vorausgesehen. Allerdings blieb immer noch genug Unerwartetes übrig, um mich so manches mal sowohl geschockt als auch vor Erleichterung aufstöhnen zu lassen.

Da ich das Buch als Audio-Fassung gehört habe, sei noch kurz der Erzähler, Simon Jäger, erwähnt. Er macht seine Sache gewohnt gut. Thriller liegen ihm offenbar sehr, und er bekommt auch die Vertonung weiblicher Charaktere hin, ohne dass ich etwas auszusetzen hätte. Die Klangfarbe seiner Stimme ist offenbar universell einsetzbar - in diesem Fall bestens geeignet für den unheilvollen, finsteren Tonus der Geschichte.

Fazit: Trotz kleiner Schwächen liefert Fitzek einen weiteren furiosen, düsteren Thriller mit hohem Tempo und reichlich Schrecksekunden ab, den man schwer zur Seite legen kann. Das muss ihm erst mal einer nachmachen. Zu recht weit oben auf den Bestsellerlisten!
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Reading Progress

04/14/2016 marked as: read

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