Alexandra 's Reviews > Rost

Rost by Philipp Meyer
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2982535
's review
Dec 18, 11

bookshelves: belletristik, usa, rezensionsexemplare
Read from December 10 to 18, 2011 — I own a copy

Immer wenn ich in den Kritiken oder am Cover vom grossen amerikanischen Roman lese, bin ich sofort auf der Hut, denn meistens bedeutet dies ewig episch breites Herumgefasel sprachlich gut präsentiert und eine mittelmässige total langweilige amerikanische Mittelschicht mit aufgebauschten Durchschnittsproblemen, über die es sich eigentlich nicht wirklich lohnt, ein Buch zu schreiben.

Dieser Roman ist da aber total anders und hat mich sehr positiv überrascht. Meyer besschreibt in ROST die Schattenseiten des Amerikanischen Traums eine weisse Gesellschaftschicht, die sich zwar immer bemüht hat, nach den Regeln zu spielen, aber nun schlussendlich wirklich nichts mehr zu verlieren hat. Nach dem Zusammenbruch der Stahlindustrie werden ganze Städte auf einen Schlag arbeitslos und weite Landstriche veröden. In dieser Umgebung haben die arbeitslosen, verunfallten und verarmten Eltern schon aufgegeben. Die Jugendlichen möchten so schnell wie möglich entfliehen, sind aber oft trotzdem nur einen Wimpernschlag vom Totalabsturz entfernt. Wenn dann noch jemand stirbt, weil einem Freund Nothilfe geleistet wird, dreht sich die Spirale für ganze Familien unaufhörlich abwärts.

Grandiose Kapitalismus- und Gesellschaftskritik, die auch die Schwächen des amerikanischen Jusitizsystems und die Situation in Gefängnisen gnadenlos demaskiert. So ist die nicht vor Geld strotzende Hälfte der Menschen in Amerika weitgehend wirklich: Abgewrackt, verrostet, der Mittelstand in freiem Fall in die Armut, chancenlos, perspektivenlos.

Fazit: Diesmal ein wirklich guter amerikanischer Roman von grosser Sprachkraft und erzählerisch perfekt inszeniert.
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Reading Progress

12/16/2011 page 300
65.0%

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