Carolin's Reviews > Brief an den Vater

Brief an den Vater by Franz Kafka
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6600793
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Oct 09, 2011

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Read in September, 2011 — I own a copy , read count: 2
BCID: 10132683


Eine intime Dokumentation der schwer belasteten Beziehung zwischen Sohn und Vater Kafka: Das sensible Kind auf der einen Seite versucht gegen den starken Vater auf der anderen Seite zu bestehen - und scheitert. Dieses Scheitern findet seinen Ausdruck in Resignation, Selbstzweifeln, Selbstmisstrauen und Selbsthass. Franz Kafka schildert unterschiedliche Gegebenheiten, die das Verhältnis prägten, so z.B. den Vater, der das Kind nachts im Hemd vor die Tür setzt, der die Freunde und Interessen des Kindes herabwürdigt, sich über alles, was diesem lieb ist, lustig macht, der selbst aufgestellte Regeln konsequent missachtet, diese aber bei den Kindern mit aller Härte durchsetzt, ja, der sogar seine Auswanderung androht, sollte der Sohn heiraten.

Und doch ist der Brief keine Anklage, sondern ein Blick in die verletzte Seele Franz Kafkas. Dieser beteuert immer wieder, dass er seinem Vater keine Schuld zuweise, er lediglich auch von seiner freigesprochen werden möchte. Einziger Schuldiger sei die Situation. Und so schreit die Leserin bzw. den Leser aus jeder Zeile noch der selbe Selbstzweifel und die selbe Herabstufung seiner Person an, wie sie im Brief dem Kind Franz zugeschrieben wird. Man gewinnt den Eindruck, der Briefeschreiber steht noch immer ganz winzig vor einem riesenhaften Vater und versucht, dessen Groll zu entgehen, gleichzeitig aber auch mit sich selbst zu überleben. Und am Ende wünscht man sich so sehr, der Vater möge diesen liebe- und schuldvollen Brief lesen, immer wieder lesen und verstehen...

Ein sehr schönes, kleines, rührendes und trauriges Büchlein.
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