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Sing Me to Sleep by Angela Morrison
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3958342
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Sep 08, 11

bookshelves: in-english
Read from August 18 to September 06, 2011

In der Schule ist Beth nur als „Das Biest“ bekannt. Großgewachsen, mit Brille, schlechten Zähnen und einigen unschönen Narben im Gesicht ist sie das perfekte Angriffsziel ihrer Mitschüler. Viel Unterstützung findet das Mädchen zunächst nicht, nur ihr bester Freund Scott ist immer an ihrer Seite. Zuflucht findet Beth zudem in der Musik, denn sie singt in einem Mädchenchor, der nun an einem internationalen Wettbewerb in der Schweiz teilnehmen wird. Und Beth singt ein Solo! Natürlich müssen die Mädchen nicht nur stimmlich etwas hergeben, um eine Chance auf den Sieg zu haben. Die anderen Mitglieder des Chors helfen Beth dabei vom Biest zur Schönheit zu werden. Kaum sind die Brille weg, die Zähne gerichtet und die Haare geschnitten, schon steigt Beth in der Beliebtheitsskala ganz weit nach oben auf, vor allem bei den Jungs. Diejenigen, die Beth zuvor gedemütigt und gequält haben, erkennen sie nun teilweise gar nicht mehr wieder.

Selbst Scott scheint in Beth plötzlich mehr zu sehen, als nur die beste Freundin aus dem Sandkasten. Doch Beths Interesse gilt nur noch einem Jungen: Derick. Er singt in einem kanadischen Jungenchor, der ebenfalls in der Schweiz dabei sein wird. Schon vorher kontaktiert Derick Beth übers Internet und entpuppt sich als ein großer Fan ihrer Stimme. Was Beth zunächst nicht ganz geheuer ist, entwickelt sich in Lausanne zu einer echten Liebesgeschichte. Doch irgendetwas stimmt nicht mit Derick. Beths Freundinnen erzählen ihr, dass er laut Internet bereits eine Freundin hat und zudem schon öfters mit Drogen in Kontakt gekommen sein soll. Die Jungs aus dem Chor bezeichnen ihn ferner als Weiberheld.
Beth lässt sich nicht abschrecken und verliebt sich nicht nur in Derick, sondern auch in die Vorstellung, dass ihre Beziehung über den Trip in die Schweiz hinaus existieren kann. Und kurz nach der Heimreise, steht Derick tatsächlich vor ihrer Tür, doch Beth wird das Gefühl nicht los, das er ihr etwas Wichtiges verschweigt.

Selten war mir eine Protagonistin so unsympathisch wie in diesem Buch. Zu Beginn ist Beth das hässliche Entlein, das dann plötzlich zum wunderschönen Schwan wird. Das diese neue Aufmerksamkeit, die Beth dadurch zuteilwird für sie zunächst befremdlich ist, mag ja sein.
Doch ihre sprunghaften Gedankengänge und teils wirklich abstrusen Verhaltensweisen haben mich mehrmals mit dem Kopf schütteln lassen. Das Mädchen zeigt in etwa genauso viel Emotionen wie ein Kessel kalte Erbsensuppe. Sie stößt jedem um sie herum vor den Kopf, wirkt extrem unreif und teils sogar schon arrogant und selbstgefällig.

Ab der Hälfte des Buches nimmt die Story eine sehr tiefgründige, traurige Wendung. Der Leser ahnt schnell, was mit Derick nicht stimmen könnte. Beth hingegen nicht. Wie das allerletzte Trampel versucht sie seinem „Geheimnis“ auf die Schliche zu kommen und drängt ihn dabei so sehr in die Defensive, dass er schon beginnt, sich von ihr zurückzuziehen. Die Story ist wirklich ergreifend, traurig und so verdammt realistisch. Dass auch beim Leser die ganz großen Gefühle freigesetzt werden, verhindert die Protagonistin mit ihrer kühlen Art aber ein ums andere Mal. Lediglich durch ihren Gesang kann man erahnen, was tatsächlich in ihr vorgeht. Im Buch wird sehr viel gesungen bzw. Songtexte sind abgedruckt, die entweder von Beth oder von Derick verfasst wurden. Das verleiht dem Buch etwas Einzigartiges.

Die Geschichte ist wirklich sehr schön und hat mich vor allem deswegen gefangen, weil ich selber in meiner Kindheit etwas Ähnliches wie Dericks Schicksal mitansehen musste. Er ist es, der das Buch prägt, der Emotionen rüberbringt, mit dem man leidet und den man sofort ins Herz schließt. Er ist es, wegen dem mir das Buch nahe ging. Beth habe ich am Schluss fast gänzlich ausgeblendet. Sie war mir egal. Zu Beginn ihrer Schönheitskur wird sie nicht nur in ein blondes Püppchen mit High Heels, Lipgloss und BH Einlagen verwandelt, sondern auch plastische Chirurgie wird in Betracht gezogen. Da sie aber auch ohne Operationen zu einer Art Göttin mutiert, frage ich mich, wie schlimm ihre vorherige Verfassung tatsächlich gewesen sein kann. Ob das die richtige Botschaft an jugendliche Mädchen ist, sei ebenfalls mal dahingestellt.

Was Beth Charakter und Entwicklung betrifft, ist dieses Buch brachial ausgedrückt eine einzige Enttäuschung. Doch Dericks Geschichte, die Verbundenheit zur Musik und viele weitere liebenswürdige Nebencharaktere reißen das Ruder gewaltig rum, weswegen das Buch für mich letzten Endes doch eine Empfehlung wert ist.
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Reading Progress

08/18/2011 page 34
11.0% "Es wird ganz viel über Musik gesprochen. Gefällt mir :)" 1 comment
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