Elena's Reviews > Die Rose von Asturien

Die Rose von Asturien by Iny Lorentz
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5264802
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Feb 13, 12

Read from January 23 to February 04, 2012

Spanien im 8. Jahrhundert: Während Karl der Große aus Franken aufbricht, um die iberische Halbinsel zu unterwerfen, ringen dort Asturier, Mauren und Waskonen um Macht und Einfluss. Ermengilda, die Tochter des asturischen Grafen Roderich, soll mit den Halbbruder Karls verheiratet werden. Da sieht die waskonische Häuptlingstochter Maite ihre Stunde der Rache gekommen. Hat Graf Roderich doch eins Maites Vater getötet und sie selbst kurzzeitig entführt. Kurzentschlossen überfällt Maite den Zug “Der Rose von Asturien” – nichtsahnend, was für eine Kette von Ereignissen sie damit auslöst …

Der Roman handelt von Karls Feldzug gegen die Mauren im Jahr 778 und schildert die Ereignisse aus der Sicht von überwiegend drei Personen: Maite, die als kriegerische Häuptlingstochter vor allem an der Freiheit der waskonischen Stämme interessiert ist. Der Asturierin Ermengilda, die mit dem königlichen Halbbruder Ewald verheiratet wird und sich nur ein glückliches Leben wünscht. Und Konrad, der als fränkischer Soldat vor allem Ruhm und Ehre gegen die Mauren erringen will. Sie alle müssen feststellen, dass der Weg zu ihren Zielen hart und steinig ist. Sind sie doch umgeben von Verrat und Intrigen sowie Feinden, die sie nur allzu gern aus dem Weg räumen möchten.

Meinung

Was für eine Zeitverschwendung! Der Anfang war direkt das Beste am Buch, war das Setting doch vollkommen neu und ungewohnt. Es ist interessant, die verschiedenen Völker der Mauren, Waskonen, Asturier und Franken kennenzulernen. Die erste Hälfte liest sich so recht flott und lässt auf einen ausgefeilten Plot hoffen. Das Ehepaar, welches sich hinter den Pseudonym Iny Lorentz verbirgt, glänzt mit Wissen über historische Ereignisse und lässt das maurische Spanien auferstehen. Die Handlung ist wenig vorhersehbar und damit relativ spannend. Doch nach der Schlacht von Roncesvalles scheint es dann nur noch darum zu gehen, die Seiten vollzubekommen und der rote Faden ist nicht mehr zu erkennen. Stattdessen werden schon aus vorherigen Büchern sattsam bekannte Motive aufgegriffen, aber mehr schlecht als recht umgesetzt. So lässt die Qualität der Geschichte rapide nach, bis sie mit dem Ende ihren traurigen Tiefpunkt findet. Doch dazu weiter unten mehr.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die stolze und unangepasste Häuptlingstochter Maite. Mit ihrer Abstammung und ihrer kriegerischen Art ergibt sich eine nette Abwechslung zu den sonst oft so wehrlosen Frauenfiguren der anderen Bücher. Leider ist Maite jedoch politisch oft kurzsichtig und sehr impulsiv, bleibt aber dennoch die sympathischste der Protagonisten. ”Die Rose von Asturien” ist nicht Maite, wie vermutet werden könnte, sondern Roderichs Tochter Ermengilda. Durch verschiedene Umstände ist ihr Schicksal eng an Maites geknüpft. Ermengilda konnte ich wenig abgewinnen, denn ihr blendendes Aussehen geht mit einen schlichtem Verstand einher. Dass der fast hohlköpfig zu nennenden Ermengilda die beiden männlichen Parts der Geschichte durchgehend zu Füßen liegen, sorgt für einen schalen Geschmack im Mund. Konrad ist als Sohn eines Freibauers ein eher derber Kerl, der mich mit seiner burschikosen Art nicht wirklich für sich einnehmen konnte. Sein späterer Freund Philibert war mir hingegen etwas zu emotional und gepaart mit seinem fortwährenden Verletzungspech wirkte er doch eher schwächlich. Besser gefielen mir schon die Nebenfiguren Just und Rado, die jederzeit gewitzt und sympathisch rüberkamen.

Mit der Beschreibung der Gefühlswelten der Protagonisten wurde ich überhaupt nicht warm: In einem Moment noch aufbrausend und wütend, im nächsten Satz wieder besonnen. Da als Todfeindin beschworen, dann direkt wieder gute Freundin. Der Wechsel zwischen den Extremen findet teilweise in Halbsätzen statt. Das wirkte wie überdramatisiertes Theater und nicht wie eine reale Gefühlswelt. Überhaupt gestalteten sich viele Gedankengänge sprunghaft. Auch gefiel mir die Sprache selbst wenig, wirkte sie mir doch viel zu plump und ungehobelt. Ansätze von sprachlicher Finesse sucht der Leser hier vergebens, der Ton bleibt hölzern und ungelenk.

Das lieblose Ende war so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass ich völlig fassungslos war. Um nicht zu spoilern, gebe ich es anonymisiert so wieder: Nachdem das erste Paar sich gut 50 Seiten vor Schluss doch tatsächlich endlich gefunden hat, müssen die beiden Übriggebliebenden unbedingt miteinander verkuppelt werden. Er heult sich bei ihr aus, die er vorher nie als Frau betrachtet hat. Dann stellt er fest, dass sie ja ganz attraktiv ist. Er packt sie unvermittelt an den Busen, die beiden haben Spaß und am nächsten Tag ist die Hochzeit – so schnell ist das Liebespaar fertig. Bei einen 800 Seiten Wälzer ist diese Art Zusammenführung über zehn Seiten doch etwas dürftig. Aber wer denkt, dies ist der Tiefpunkt, täuscht sich. Kurz vor Schluss gibt es noch eine grobschlächtige Rede, wie überhaupt das Finale sehr enttäuschend ausfällt. Und dafür hab ich mich durch dieses Buch gequält?

Fazit

Der vielversprechende Beginn endet in ein haarsträubendes Finale, welches den Leser enttäuscht zurücklässt. Die Sprache ist noch hölzerner als gewohnt, die Figuren wirken platt und ungeschlacht. Einzig der geschichtliche Hintergrund vermag zu punkten. Wer Wert auf eine gute Liebesgeschichte legt, ist hier gänzlich an der falschen Adresse. Dies war nach über einen Dutzend Büchern vorrausichtlich mein letztes Buch von Iny Lorentz.

1,5 Sterne
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Reading Progress

01/23/2012 page 121
15.0% "Sehr Iny Lorentz typisch, aber das erste gedruckte Buch nach zwei Fehlversuchen, was mich reizt, weiterzulesen."
01/23/2012 page 121
16.0% "Sehr Iny Lorenz typisch, aber das erste Buch nach zwei Fehlversuchen, das mich zum weiterlesen reizt."
01/28/2012 page 322
40.25% "Logiklöcher ohne Ende. Könnte schwören, dass mehr als einmal Leute miteinander gesprochen haben, die keine gemeinsame Sprache beherrschen. Der Umgangston ist mir teilweise auch etwas sehr locker flockig. Und die Ermengilda hat ja auch ein sehr seltsames Verhältnis zu Maite ..."
02/04/2012 page 422
53.0% "Diese rasanten Gesinnungswechsel gehen mir auf dem Senkel."
02/04/2012 page 600
75.0% "Ich hatte gehofft, das Buch wird mit der Zeit besser, aber diese Ermengilda, Phillibert und Konrad können sich ja nur alle gegenseitig anschmachten. Was für ein denkbefreiter Haufen!"

Comments (showing 1-5 of 5) (5 new)

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message 1: by Claudia (new)

Claudia Welche Bücher hast du nicht zu Ende gelesen? Ich hab vor einiger Zeit die Kastellanin enttäuscht abgebrochen da es meiner Meinung nach bei weitem nicht so interessant und spannend war wie die Wanderhure...


message 2: by Elena (last edited Jan 23, 2012 05:28AM) (new) - rated it 1 star

Elena Ich hab schon Ewigkeiten keinen Iny Lorentz gelesen :) Ich bezog mich generell auf die letzten angefangenen Bücher (The Declaration und Die Tochter der Konkubine)

Mir hat die Wanderhure eigentlich bis Band 3 gut gefallen, auch wenn kaum glaubwürdig ist, dass ein Mensch soviel erleben kann. Band 4 fand ich aber grottenschlecht. Dezembersturm und die Feuerbraut haben mir auch nicht gefallen. Gut gefallen haben mir zum Beispiel die Löwin und die Goldhändlerin, wenn ich mich recht entsinne.

Edit: Sehe grad, die Hebammen-Saga kennst ja schon.


message 3: by Claudia (new)

Claudia Ja genau die finde ich auch noch besser als die Wanderhure. Die von dir erwähnten guten Bücher muss ich mir mal merken, hab noch nichts anderes von Iny Lorentz gelesen.


Eek-a-mouse So sind aber alle Iny Lorenz Bücher. Gegen Ende verliered die Autoren die Lust am schreiben und lassen eine anfangs gute Geschichte im Sande verlaufen. Besonders tragisch empfand ich dies bei dem Meisterstück (in den ersten 70%) "Die Goldhändlerin".


Elena Oder der Abgabeschluss war jeweils so gefährlich nah gerückt, dass sie sich nur noch bemüht haben fertig zu werden :D Nun ja, für mich ist das Kapitel Iny Lorentz jedenfalls durch, hab alle meine Bücher von ihnen verkauft.


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