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Mallory's Oracle by Carol O'Connell
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Mar 15, 11

bookshelves: mystery-thriller
Read in September, 2010

Die Medien nennen ihn den Unsichtbaren oder den Ladykiller. Drei ältere Damen aus dem New Yorker Nobelviertel am Gramercy Square sind ihm bereits zum Opfer gefallen. Und ein ausgefuchster Kriminalbeamter. Louis Markowitz, der trotz seiner Leibesfülle die leichtfüßigen Bewegungen eines Tänzers hatte, beging einen tödlichen Fehler. Seine Pflegetochter und Computergenie Mallory setzt alles daran, den Mörder dingfest zu machen. Auf ihre ganz eigene Weise und mit ihren eigenen Methoden.
 
Kathleen - Kathy oder Kate - Mallory. "Mallory, bitte." Pardon, nur Mallory, darauf besteht sie. Mallory ist eine seltsame, irritierende Person. Eine bildschöne und hochintelligente junge Frau. Ihre Kindheit verbrachte sie auf der Straße und hat ihre amoralische Straßenseele nie ablegen können. Sie hat blondes oder goldenes Haar und irisch-grüne Augen. Diese beiden Attribute ihrer äußerlichen Schönheit wirken durch die ständige Wiederholung sehr plump. Ihre Intelligenz ist etwas differenzierter dargestellt. Sie hackt sich in Hochsicherheitssysteme hinein und klinkt sich in laufende Computeraktivitäten von Verdächtigen ein. Und dabei reden wir von einer Zeit, in der es noch notwendig war, einen Quarter zum Telefonieren aus einer Telefonzelle dabei zu haben. "Mallory's Oracle" ("Mallorys Orakel" / "Ein Ort zum Sterben") ist bereits 1994 erschienen.
 
Mallory ist wie eine Figur aus einem Comic, Wonderwoman mit Superkräften. Auch viele andere Personen in diesem Buch wirken wie Karikaturen ihrer selbst. Sie sind grotesk im Äußeren und mit verschiedenen besonderen Fähigkeiten ausgestattet. Dabei zeigt Carol O'Connell ein ganz besonderes Talent bei der Figurenbeschreibung. Eine alte Dame: "...der Kopf unverhältnismäßig klein - eine mit weißer Watte beklebte Murmel auf einer Eieruhr mit verdickter Taille." Wer an solchen Beschreibungen Gefallen hat, wird in diesem Buch viele wunderbare Sätze finden.
 
Doch ist der Roman nicht ausschließlich Comic Novel. Es finden sich auch Gefühle, Schmerz, Trauer, Einsamkeit. Wenn Mallory sich des Todes Markowitz' stellt und in einen fast katatonischen Zustand verfällt. Eine junge Frau, die in einem Passanten den Mann zu erkennen glaubt, der sie vergewaltigte und ins Gesicht schnitt. Da liest sich "Ein Ort zum Sterben" beinahe wie das Innenleben eines Manisch-Depressiven: eine comicartige Welt mit verschrobenen Menschen - seelische Abgründe der tiefsten Schwärze menschlichen Leids. Dabei ist es auch ein Zeugnis über New York; eine durchgeknallte Stadt, in der es schon eine ganze Menge braucht, um als verrückt angesehen zu werden.
 
Mallory, gewieft im Umgang mit Computern, aber in dem mit den Menschen gehandicapt, übernimmt die Beschattung ihres Lieblingsverdächtigen, schleicht sich in einen spiritistischen Zirkel ein und wandelt auf den ermittlerischen Spuren ihres Pflegevaters. Und hier schwächelt der Kriminalroman. Die Handlung ist sprunghaft, endet abrupt, setzt an anderer Stelle genauso unvermittelt ein. Dann sind plötzlich mehrere Wochen vergangen und es ist schon Oktober. Ebenso ist es mit der Auflösung, die ist auf einmal da. Und da stellt sich eine Frage: Warum sind die Täter so erpicht darauf, von demjenigen, der ihnen auf die Schliche kam, zu hören, wie sie ihre Taten begingen? Denn schließlich ist es die Geschichte ihres Scheiterns und Fehler lässt sich niemand, selbst ein Serienkiller, nicht gern auf die Nase binden.
 
"Ein Ort zum Sterben" hat durchaus Momente, die über den Mainstream-Krimi hinausgehen. Doch hatte ich am Ende, als ich es endlich zuklappte, das Gefühl ein viel dickeres Buch gelesen zu haben. Fazit: Originell und klischeehaft zugleich. Kann man gelesen haben, muss aber nicht.
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