sabisteb's Reviews > Das Erbe der Elfen

Das Erbe der Elfen by Andrzej Sapkowski
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5100042
's review
Mar 10, 2011

it was amazing
bookshelves: fantasy
Read in February, 2009

Geralt aus Riva hat Ciri, die Enkeling von Calanthe, der Löwin von Cintra, gefunden und gerettet. Er nimmt sie mit sich nach Cer Mohen und erzieht sie als Hexerin, nur ohne die Mutation durchzuführen, denn dieses Wissen ist verloren gegangen. Ciri lernt mit dem Schwert umzugehen, zu kämpfen, Körperbeherrschung, alles was ein Hexer braucht, nur ist sie kein Hexer, sie ist ein Mädchen und schon bald eine Frau. Die Hexer sehen sich vor einem Problem. Jahrhundertelang haben sie Jungen ausgebildet, aber ein Mädchen... Mit den speziellen Bedürfnissen der Frauen sind sie schlichtweg überfordert. Daher bittet Geralt Tess Merigold zu sich nach Cer Mohen. Sie soll ihnen helfen und ihnen zeigen, wie man mit einem weiblichen Kind umzugehen hat. Schon bald jedoch erkennt Tess, dass Ciri magische Fähigkeiten hat, die ihr selbst und ihrer Umwelt gefährlich werden könnten, jedoch ihre Fähigkeiten reichen nicht aus das Kind zu unterrichten, dazu wäre nur Yeneffer, Geralts Ex-Geliebte und Zauberin fähig, aber die beiden haben ein ... angespanntes Verhältnis, zumal er auch was mit Tess hatte.
Man kommt überein das Mädchen zu Nenneke in den Tempel der Melitele zu schicken, um ihr einerseits den Kontakt zu Gleichaltrigen zu ermöglichen, sie aber andererseits vor der restlichen Welt verbergen zu können, denn verschiedene Geheimdienste versuchen das Kind aufzuspüren und aus Staatsraison zu eliminieren.

Auch wenn die Reihe eingeteilt wird in Kurzgeschichten und die eigentliche Sage, so kann ich das nicht unterstützen. Die ersten beiden Bände Das Schwert der Vorsehung: Zweiter Band der Geralt-Saga und Der letzte Wunsch: Erster Band der Geralt-Saga sind wichtige Vorgeschichte der 5 Bände der Hauptsaga und ohne diese kaum wirklich zuverstehen, denn sie führen die Personen ein, etwas was in "Das Erbe der Elfen" nicht mehr der Fall ist. Auch wie Ciri zum Kind der Vorsehung für Geralt wurde und was es mit seiner stümischen Beziehung zu Yeneffer auf sich hat, wird in diesen Büchern erzählt.

Ich habe das Buch schon länger auf polnisch bei mir auf dem SUB, habe meist jedoch schon nach wenigen Seiten aufgegeben, da diese Bücher sprachlich wahrlich nichts für Anfänger sind. Sapkowskis Sprache passt sich wunderbar der Situation an. Ist es eine ruhige Szene, so wird alles lang und breit wunderbar blumig mit herrlichen Vergleichen geschildert, geht es hart zur Sache, wie in einer Schlacht, so sind die Beschreibungen teilweise nur eine aneinanderreihung von Ein-Wort-Sätzen oder sehr kurzer Sätze.
Das ist etwas was ich sehr schätze und was auch einen guten Autor meiner Meinung nach ausmacht, dass er die Sprache dem Tempo der Situation anpasst. In einer Schlacht oder einer schnellen Actions Szene sind langatminge Sätze einfach nicht angebracht und das beherrscht Sapkowski meisterlich.
Auch sprühen viele Szenen vor Wortwitz und Ironie.

"Waschen kann einem Kranken nur schaden. Einem Gesunden übrigens auch. Erinnert ihr Euch an den alten Schrader? Dem hat seine Frau einmal gesagt, er soll sich waschen, und kurz darauf ist er gestorben."
"Weil er von einem tollwütigen Hund gebissen wurde."
"Wen er sich nicht gewaschen hätte, hätte ihn der Hund nicht gebissen." (S. 170)

Ich liebe die Szene auf einem Boot, auf welchem Geralt als Wächter engagiert ist. An Bord ist auch ein Wissenschaftler. Er streitet sich mit Geralt welcher Gattung und Art das Monster wohl angehört, und als dieses endlich zuschlägt und Geralt um sein Leben kämpft kommentiert der Wissenschaftlerdie Situation einfach wunderbar:

"Was ist das? Was für eine Art? Solche Tiere gibt es nicht! [...] So ein Tier kann es nicht geben! Zumindest darf es so was nicht geben! [...] Das ist ein Gliederfüßer! Ordnung Amphipoda! Klasse Großkiefrige!! "(S 228 ff)

und nach dem Kampf hat er nichts besseres zu tun, als dem Vieh einen Namen zu geben und sich zu beschweren, dass ein seltenes Exemplar der Wissenschaft verlorengegagen ist.
Jedes Kapitel wird von kleinen Auzügen aus der Literatur von Geralts Welt eingeleitet. Mein liebster Auzug steht vor Kapitel 2

Intoleranz und Aberglaube waren immer den Dummen unter dem Pöbel zu eigen und werden, wie mich deucht, niemals vollends ausgerottet werden, denn sie sind ebenso ewig wie die Dummheit selbst. Wo heute Berge aufragen werden dereinst Meere sein, wo heute Meere wogen, werden sich dereinst Wüsten ausbreiten. Aber die Dummheit bleibt die Dummheit. (S. 56 )

Leider enthält das Buch keine Karte der Länder, aber das ist kein Manko der deutschen Ausgabe, diese Karte gibt es auch im polnischern Orginal nicht. Leider verstehe ich nicht, warum das "Blut der Elfen" mit "Das Erbe der Elfen" übersetzt wurde. Der Orginaltitel ist deutlich vielschichtiger, weil er mit Blut sowohl das Erbe der Elfen als auch deren Freiheitskampf und Blutvergießen umfasst, diese Tiefe ist dem deutschen Titel abhanden gekommen.

Insgesamt keine hohe Fantasy Literatur, die sich mit Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag oder andere des gleichen Kalibers messen könnte. Es passiert nicht wirklich viel im ersten/dritten Band. Das Buch lebt von der Wunderbaren Sprachgewandheit des Autors, von Situationskomik und den interessanten Charaktären, ist aber kein Reißer in Sachen Spannung und Action. Es hat eher viel mit Politik, Intriegen und ethischen Ansichten (warum sich Hexer strikt neutral verhalten) zu tun. Aber als Liebhaberin alles polnischen finde ich es toll, dass es endlich ein bekannter polnischer Autor geschafft hat, in Deutschland verlegt zu werden.

Die Reihe:
Der letzte Wunsch: Erster Band der Geralt-Saga
Das Schwert der Vorsehung: Zweiter Band der Geralt-Saga

Das Erbe der Elfen: Roman
Die Zeit der Verachtung: Roman
Feuertaufe: Roman
Der Schwalbenturm: Roman
Die Dame vom See: Roman
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